Heisse Erfindung: Jetzt kommt Ueli Maurers Pommes-Automat

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Heisse ErfindungJetzt kommt Ueli Maurers Pommes-Automat

Nicht der Bundesrat, sondern ein gleichnamiger Bauer hat einen Pommes-frites-Automaten entwickelt. Bei der Vorführung machte der Frittier-Roboter allerdings schlapp.

von
vro

Wer kennt das nicht: Der Zug fährt in zwei Minuten, der Magen knurrt, und vor dem Imbissstand hat es eine lange Warteschlange. Eine schier ausweglose Situation. Das soll sich bald ändern. Der Kartoffelbauer Ueli Maurer (70) aus Trüllikon ZH hat einen Automaten entwickelt, der in rund 50 Sekunden eine heisse Portion Pommes frites liefern soll. Ganz wichtig dabei: Kartoffel und Öl dürfen nicht unter dem Zeitdruck leiden. Nachdem er 10 Jahre lang an seiner Maschine gebastelt hat, ist sie jetzt serienreif. Das eigens dafür gegründete Unternehmen Thurpire Engineering will den Automaten in der ganzen Welt auf den Markt bringen. Zurzeit kommen sie in Tankstellenshops, Restaurants und bei Catering-Firmen zum Einsatz. Doch schon nächstes Jahr will Thurpire die Automaten an Bahnhöfen und Unis aufstellen.

In anderen Ländern gibt es die Pommes-Maschine schon, die Schweiz kennt sie jedoch noch nicht richtig. «Es haben viele versucht, einen Pommes-Automaten auf den Schweizer Markt zu bringen», erklärte Thurpire-CEO John Barandun am Donnerstag an einer Pressekonferenz. Sie seien jedoch alle gescheitert. «Das lag einerseits an technischen Problemen, andererseits an der falschen Strategie.» Die technischen Einzelheiten von Maurers Automat bleiben ein Geheimnis, Thurpire verspricht sich jedoch einen Erfolg davon. Bereits in fünf Jahren sollen über 5000 Automaten im Einsatz stehen.

Kein Salz, kein Ketchup, keine Mayo, kein Strom

Die Strategie, die das Unternehmen gewählt hat, mag möglicherweise im Gegensatz zu vorgängigen Projekten die richtige sein. Mit der Technik hat aber auch Thurpire zu kämpfen. Die versprochene Kostprobe blieb aus, weil die Maschine beim Anschliessen ans Stromnetz einen Kurzschluss erlitten hatte. Da half auch kein Herumwerkeln des Technikers mehr. Barandun versicherte aber, dass der Automat in der Testphase bis zu 17 Stunden nonstop einwandfrei funktioniert habe. Immerhin: Ketchup, Mayo und Salz standen bereit.

Gesalzen sind die Automaten-fertigen Frites nämlich nicht. «Es gibt viele Leute, die nicht so gerne Salz haben. Wir haben uns deshalb auf die sichere Seite gestellt», erklärt Maurer. Ketchup oder Mayo gibt es auch nicht aus dem Automaten. Man könne sich allerdings vorstellen, an der Seitenwand der Maschine einen Dispenser anzubringen, ergänzt Barandun.

McDonald's hat schon angeklopft

Thurpire will mit der Produktion noch einen Schritt weiter gehen. Denn im Grunde genommen könne man auch andere Tiefkühlprodukte damit frittieren. So sollen auch bald Chicken Nuggets und Fischstäbchen aus dem Automaten kommen. Vorerst konzentriert sich das Unternehmen allerdings noch auf Pommes frites. Denn das war auch Maurers eigentliches Ziel. «Ich wollte, dass die Qualität der Pommes immer gleich ist.» Sein Leitgedanke war, Rapsöl und Kartoffel möglichst zu schonen, da seiner Meinung nach etliche Unternehmen die Qualität erheblich vermindern, weil die Pommes beispielsweise mit den Händen angefasst werden. Deshalb hat Maurer die Hitze auf ein Minimum reduziert.

Mit der Serienproduktion geht für den Kartoffelbauern eine 20-jährige Ära zu Ende. Das Schicksal seiner Entwicklung liegt nun in den Händen von Thurpire. Nun will sich Maurer zurücklehnen. Aufgrund seines Alters wolle er kein neues Projekt starten. Für Thurpire hingegen gehts jetzt erst richtig los. Es gibt eine weltweite Nachfrage für automatische Frittiermaschinen, sagt Barandun. Eine Zusammenarbeit mit grossen Fast-Food-Ketten könne man sich durchaus vorstellen. Auch McDonald's habe bereits Interesse gezeigt. Die Automaten gibts allerdings nicht zu kaufen, sondern nur zu mieten.

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