Höhere Impfnachfrage wegen Zertifikatspflicht - Jetzt lassen sich die Leute impfen – Kantone erwarten weiteren Anstieg
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Höhere Impfnachfrage wegen ZertifikatspflichtJetzt lassen sich die Leute impfen – Kantone erwarten weiteren Anstieg

Zürich, Bern und weitere Kantone verzeichnen eine höhere Nachfrage nach Impfterminen. Sie bereiten sich auf einen weiteren Anstieg vor.

von
Claudia Blumer
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Impfzentren bereiten sich auf eine höhere Nachfrage vor: Im Bild eine medizinische Mitarbeiterin der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen.

Impfzentren bereiten sich auf eine höhere Nachfrage vor: Im Bild eine medizinische Mitarbeiterin der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen.

dpa
Der Kanton Bern habe in den letzten 24 Stunden 2000 Anmeldungen verzeichnet – normalerweise seien es 500 bis 1000, sagt Departementssprecher Gundekar Giebel.

Der Kanton Bern habe in den letzten 24 Stunden 2000 Anmeldungen verzeichnet – normalerweise seien es 500 bis 1000, sagt Departementssprecher Gundekar Giebel.

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Auch in Zürich steigt die Nachfrage. Im Bild: Jan Fehr, Leiter des Referenzimpfzentrums des Kantons.

Auch in Zürich steigt die Nachfrage. Im Bild: Jan Fehr, Leiter des Referenzimpfzentrums des Kantons.

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Darum gehts

  • In Bern haben sich in den letzten 24 Stunden 2000 Personen für die Erstimpfung angemeldet. Normalerweise sind es 500 bis 1000.

  • Auch Zürich verzeichnet einen Anstieg, allerdings noch nicht quantifizierbar. Alle angefragten Kantone rechnen mit einer zunehmenden Impfnachfrage in den nächsten Tagen.

  • In Italien und Frankreich hat der Druck auf Ungeimpfte sich steigernd auf die Impfquote ausgewirkt.

Nachdem der Bundesrat am Mittwoch angekündigt hat, dass man ab Montag nur noch mit Zertifikat ins Restaurant, in die Bar, ins Kino und ins Fitnesscenter darf, ist für Fabrizio (20) klar: Er lässt sich impfen. Das sagt er im 20 Minuten-Video. Und er ist offensichtlich nicht allein.

Der durch die Bundesratsmassnahmen erzeugte Impfdruck wirkt offensichtlich jetzt schon, wie die Nachfrage bei den Kantonen zeigt. So haben sich im Kanton Bern in den vergangenen 24 Stunden 2000 Personen für die Erst-Impfung angemeldet. Normalerweise seien es 500 bis 1000 Personen pro Tag, sagt Gundekar Giebel, Kommunikationschef des Gesundheitsdepartements. In den Walk-ins in Thun und im Inselspital Bern gebe es bis zu 300 Besuche pro Tag, und auch der Impf-Truck, der durch den Kanton tourt, sei gut besucht. «Wir hoffen, dass der Trend so weiter geht. Es stehen 4000 Termine zur sofortigen Buchung bereit», sagt Giebel.

Auch im Kanton Zürich steigt die Impfnachfrage. Er könne aber noch keine Zahl nennen, sagt Jan Fehr, Leiter des Referenzimpfzentrums des Kantons. Und offensichtlich sind es nicht nur ungeimpfte Junge, die sich jetzt umbesinnen: «Interessanterweise hatten wir heute rund zwei Dutzend ungeimpfte Personen über 75, die sich impfen liessen, obwohl sie schon Anfang Jahr an der Reihe gewesen wären», sagt Jan Fehr.

«Wir sind vorbereitet»

«Die Kantone haben zuletzt von einer leicht steigenden Nachfrage berichtet», sagt Tobias Bär, Kommunikationschef der kantonalen Gesundheitsdirektoren. Laut Statistik des Bundes sind am Dienstag 24’249 Dosen verabreicht worden, der 7-Tages-Schnitt liegt bei rund 22’000 Dosen. «Wir gehen davon aus, dass sich die jüngsten Beschlüsse des Bundesrats positiv auf die Impfbereitschaft auswirken werden», sagt Bär. Die Kantone seien schon sehr aktiv mit mobilen Equipen, auch vor Fussballstadien und im Nachtleben. Doch es brauche nochmals einen Effort. Bern baue im ganzen Kanton niederschwellige Angebote aus, sagt Gundekar Giebel.

Auch andere Kantone bereiten sich auf eine erhöhte Nachfrage vor und versuchen, den möglichen Effekt der Zertifikatspflicht aufzufangen. «Wir gehen davon aus, dass die Impfbereitschaft in den kommenden Tagen nochmals stark zunehmen wird und haben die Kapazitäten für die kommenden Wochen entsprechend ausgebaut», sagt Tina Schärer von der Verwaltung des Kantons Appenzell Ausserrhoden.

Adrian Zurfluh vom Urner Landammann-Amt sagt: «Die Impfnachfrage hat bereits seit einigen Wochen merklich zugenommen. Wir rechnen mit einer weiteren Zunahme, nicht zuletzt aufgrund der Entscheide des Bundesrats von heute.»

Dasselbe stellt man in Basel-Stadt fest: Seit Ende August, seit die erweiterte Zertifikatspflicht zur Diskussion steht, gebe es eine rund fünfprozentige Zunahme bei den Erst-Impfungen, sagt Kantonsarzt Thomas Steffen. Dabei habe wohl auch die kantonale Impfpromotion eine Rolle gespielt. Auf einen weiteren Anstieg sei man vorbereitet, erfolge dieser mit einigen Tagen Verzögerungen zum Bundesratsentscheid.

Andere Länder als Vorbild

In anderen europäischen Ländern wurde die Zertifikatspflicht für Restaurants und weitere öffentlich zugängliche Orte schon vor Wochen eingeführt, und hatte dort ebenfalls einen Einfluss auf die Impfquote. So berichtete die SRF-Korrespondentin aus Frankreich Mitte August: «Der verkappte Impfzwang nützt. Denn auch wenn 200’000 Menschen demonstrieren, lassen sich doch fast genauso viele jeden Tag in den Arm piksen.»

In Italien hätten die neuen Vorschriften bei den Jugendlichen zu einem regelrechten «Run» auf Impfungen geführt, sagte der Italien-Korrespondent von SRF.

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