400 Prozent Preisanstieg – Jetzt liefert der erste deutsche Energieversorger kein Gas mehr
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400 Prozent PreisanstiegJetzt liefert der erste deutsche Energieversorger kein Gas mehr

Die «historisch einmalige Entwicklung» im Gasmarkt zwingt den ersten Versorger in Deutschland zum Stillstand. In Belgien mussten schon zwei Unternehmen aufgeben. In der Schweiz soll es keine solchen Ausfälle geben.

von
Fabian Pöschl
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Deutsche Haushalte bekommen vom Anbieter Gas.de kein Gas mehr geliefert.

Deutsche Haushalte bekommen vom Anbieter Gas.de kein Gas mehr geliefert.

Marijan Murat/dpa
Grund dafür soll die «historisch einmalige Preisentwicklung» sein.

Grund dafür soll die «historisch einmalige Preisentwicklung» sein.

Hauke-Christian Dittrich/dpa
In Belgien gingen schon zwei Versorger hops.

In Belgien gingen schon zwei Versorger hops.

Stefan Sauer/dpa

Darum gehts

  • Die Gaspreise sind stark gestiegen.

  • Nun stellt der erste Energieversorger in Deutschland die Gaslieferungen ein.

  • In der Schweiz soll die Versorgung gewährleistet sein.

Die Gaspreis-Explosion hat drastische Folgen in Deutschland. Der Energieversorger Gas.de/Grünwelt liefert seit 2. Dezember als erster kein Gas mehr an die Kundschaft aus. Grund sei die «historisch einmalige Preisentwicklung im Erdgasmarkt», zitiert Bild.de das Unternehmen.

Der Gaspreis für Lieferungen sei im Vorjahresvergleich um bis zu 400 Prozent gestiegen. Wie viele Kundinnen und Kunden betroffen sind, gab der Versorger nicht bekannt. Die Kundschaften sollen zum Grundanbieter wechseln und könnten Anspruch auf Schadenersatz haben, wenn sie nun mehr bezahlen müssen.

Gas.de sei noch nicht pleite und könne seine Zahlungsverpflichtungen noch immer erfüllen. In Belgien hingegen mussten bereits zwei Energieversorger mit Verweis auf die hohen Strom- und Gaspreise aufgeben. Laut der Nachrichtenagentur Belga traf es im September das Unternehmen Energy2Business und diese Woche nun auch den Energieanbieter Vlaamse Energieleverancier, der rund 70’000 Haushalte beliefert.

Gaspreiskurve zeigt wieder nach unten

In der Schweiz soll es keine solchen Ausfälle geben. «Das ist ein Spiel der Marktkräfte, die Schweizer Gaswirtschaft ist jedoch grundsätzlich gut aufgestellt», sagt ein Sprecher des Verbands der Schweizerischen Gasindustrie zu 20 Minuten.

Auch bei uns sind in den letzten Monaten die Preise gestiegen, derzeit zeigt die Preiskurve aber wieder nach unten, so der Sprecher. Einheitliche Preise gibt es nicht. «In der Schweiz gibt es etwa 100 Gasversorger, meist Stadt- oder Gemeindewerke. Sie alle haben unterschiedliche Strategien, was die Gasbeschaffung betrifft. So fallen auch die Konsumentenpreise sehr unterschiedlich aus.»

Notfallplan des Bundes

Der Bund hat einen Notfallplan für eine allfällige Energie- und Strommangellage erstellt. In einem ersten Schritt würde es Appelle an die Bevölkerung geben, Strom zu sparen. Verschlimmert sich die Krise, kann der Bund eine Verordnung erlassen und die Bevölkerung zum Sparen verpflichten. Nicht absolut notwendige, energieintensive Geräte und Einrichtungen, wie beispielsweise Beleuchtungen zu Werbezwecken, Rolltreppen oder Komfortheizungen im Aussenbereich wären dann verboten. In einem nächsten Schritt müssten die Unternehmen auf die Strombremse treten. Auf dritter Stufe der Krise würden Netzabschaltungen folgen.

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(dpa)

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