Hummer und Cybertruck - Jetzt lockt die Auto-Branche mit elektrischen PS-Monstern
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Hummer und CybertruckJetzt lockt die Auto-Branche mit elektrischen PS-Monstern

Mit Teslas Cybertruck rollt eine Welle an neuen SUVs an, die auf Elektroantrieb setzen. Auch der Hummer ist nun elektrifiziert. Experten sind sich uneins über die XXL-Kolosse mit grünem Anstrich.

von
Fabian Pöschl
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General Motors bringt den Elektro-Hummer auf den Markt.

General Motors bringt den Elektro-Hummer auf den Markt.

imago images/ZUMA Wire
Im Herbst stellte der US-Autobauer das Fahrzeug vor, nun hat Auslieferung des PS-Monsters mit einem Preis ab 112’595 Dollar in den USA begonnen.

Im Herbst stellte der US-Autobauer das Fahrzeug vor, nun hat Auslieferung des PS-Monsters mit einem Preis ab 112’595 Dollar in den USA begonnen.

Jeffrey Sauger for General Motor
Die Nachfrage ist riesig.

Die Nachfrage ist riesig.

Jeffrey Sauger for General Motor

Darum gehts

  • General Motors elektrifiziert den Hummer.

  • Auch Ford und andere Autohersteller bringen ihre XXL-Kolosse als Elektrovariante.

  • Das sorgt für Kritik bei Umweltschützerinnen und -schützern.

Teslas futuristischer Cybertruck ist erst der Anfang. General Motors (GM) hatte im vergangenen Jahr seinen protzigen Hummer als Elektrovariante vorgestellt. GM-Chef Mark Reuss nannte den E-Koloss bei der Ankündigung einen «Leuchtturm», der zeige, wohin die Reise für GM und den Rest der Branche geht.

Nun hat der Konzern mit der Auslieferung des PS-Monsters in den USA zum Preis ab 112’595 Dollar begonnen. Die Nachfrage ist riesig. Die 125’000 Modelle der Einführungsversion sind bereits weg, Bestellungen nicht mehr möglich. Nachschub an Elektro-Hummern soll es erst im Herbst in den USA geben, Pläne für Europa gibt es noch nicht, wie die Schweizer Vertretung auf Anfrage sagt.

Das einstige Militärfahrzeug wird von drei Elektromotoren angetrieben. Das sorgt für viel Leistung. Mit seinen 1000 PS kommt der Vier-Tönner in drei Sekunden von null auf 100 und erinnert damit an einen Sportwagen. Ausserdem bietet das Gefährt absurde Gadgets für den Offroad-Trip wie etwa einen Krabben-Modus (siehe Box).

Hummer mit Krabben-Modus

Der Krabben-Modus hilft dem Hummer in Stadt und Land, wenn das Gelände besonders eng und kurvig ist. Denn damit lassen sich alle vier Räder gleichzeitig um zehn Grad in dieselbe Richtung drehen und seitwärts rollen. Der Wagen übersteht ausserdem Fahrten durch 60 Zentimeter tiefes Wasser und kann sich selbst um 15 Zentimeter in die Höhe pumpen, um unwegsames Gelände zu überwinden. Die Reichweite des Elektro-Hummers soll laut Hersteller bei 560 Kilometern liegen. Der E-Hummer kam in den USA als SUV- und Pick-up-Variante auf den Markt.

Ford will seinen Pick-up F150 ebenfalls elektrifizieren. Er ist seit Jahrzehnten das meistverkaufte Auto der USA. Und auch bei der elektronische Version Lightning ist der Run gross. Rund 200’000 Reservierungen soll es laut Berichten bereits geben. Da die Verfügbarkeit begrenzt ist, verlangen nun Ford-Händler nun einen Aufpreis von 30’000 Dollar – zusätzlich zum Listenpreis von mindestens 40’000 Dollar. Ford will in diesem Jahr rund 15’000 Exemplare des Lightning von Band lassen.

XXL-Autos boomen auch hierzulande . Fast 50 Prozent aller verkauften Neuwagen in den ersten sechs Monaten des vergangenen Jahres waren SUVs. Entsprechend gut könnten die Elektro-Varianten der SUVs mit der Portion Extra-Leistung bei der Schweizer Kundschaft ankommen.

«Das Auto ist emotional und das geht über die Kraft der Motoren. Der Autokäufer will kein simples Auto, sondern Spass haben beim Fahren», sagt der deutsche Auto-Papst Ferdinand Dudenhöffer vom Duisburger Center Automotive Research. Solche PS-Monster hätten einen hohen Energieverbrauch. «Deshalb ist es wichtig, dass die Energie CO2-frei ist. Daran wird gearbeitet», sagt Dudenhöffer.

Auto-Experte Andreas Schlegel von PwC Strategy & Schweiz findet: «Elektroautos können auch gross sein.» Das sei etwa sinnvoll, um viele Personen transportieren zu können, oder wenn viel Zuglast gefragt ist, um etwa das Boot in den See hereinlassen zu können, so Schlegel. «Wenn der Strom aus erneuerbaren Quellen kommt, wie bei uns in der Schweiz aus Solar- oder Wasserkraftwerken, kann das durchaus sinnvoll sein.»

«Das ist ein totaler Ressourcenverschleiss»

Nicht sinnvoll findet die Entwicklung hingegen Georg Klingler, Klimaexperte bei Greenpeace Schweiz. Falls überhaupt ein Auto nötig sei, solle das klein und leicht sein, weil jede Masse Energie verbrauche. «Es ist verrückt, wenn man mit einem Vier-Tonnen-Auto alleine herumfährt, das ist ein totaler Ressourcenverschleiss», sagt Klingler.

Zudem sei ein so grosses Auto sicherheitsgefährdend für alle Verkehrsteilnehmer. «Um sich zu schützen, kaufen andere dann auch ein solches Auto und die Spirale der Strassenaufrüstung setzt ein. Das sollte man nicht zulassen und solche Autos politisch verbieten», so Klingler.

«Der Platz wird knapp»

Günter Hörmandinger, stellvertretender Direktor der deutschen Denkfabrik Agora Verkehrswende, befürwortet eine Regulierung. Er plädiert auf einen möglichst geringen Ressourcenverbrauch. «Das Auto der Zukunft muss elektrisch, sparsam und kompakt sein, wenn wir ein nachhaltiges Verkehrssystem verwirklichen wollen», so Hörmadinger.

Ausserdem werde der Platz für grosse Autos knapp. Gerade in dicht besiedelten Regionen sei der öffentliche Raum eine seltene Ressource, die bisher viel zu leicht dem Auto überlassen worden sei. «Städte gehen immer mehr dazu über, Verkehrsflächen für Fussgänger, Radfahrer, Kinder oder Gastronomie zurückzugewinnen und den öffentlichen Verkehr auszubauen.»

«Je grösser das Auto, desto grösser die Batterie»

Ebenfalls kritisch sieht die Entwicklung Anja Schulze, Direktorin des Zentrums für Automobilforschung an der Universität Zürich. «Je grösser das Auto, desto grösser muss die Batterie sein. Da stellt sich die Frage, wie ökologisch sinnvoll das noch sein kann», so Schulze. Zwar würden neue Batterietypen ein geringeres Gewicht versprechen, diese seien aber noch nicht serienreif.

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