Bielersee-Drama: Jetzt müssen die Super-Fahnder ran
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Bielersee-DramaJetzt müssen die Super-Fahnder ran

Die obersten Kriminaltechniker Deutschlands untersuchen jetzt den Fall Angela A. Ihr Gutachten soll neue Erkenntnisse zum dramatischen Bootsunfall bringen.

von
ann
Das Gebäude des Kriminaltechnischen Instituts in Wiesbaden an der Äppelallee.

Das Gebäude des Kriminaltechnischen Instituts in Wiesbaden an der Äppelallee.

Die 24-jährige Angela A. wird am 11. Juli 2010 beim Paddeln über den Bielersee von einem Motorboot erfasst und verblutet. Seither hat das Drama zahlreiche Wissenschaftler monatelang in Atem gehalten. Auf der Suche nach Spuren, die den Täter überführen, haben sie Proben genommen und ausgewertet sowie zahlreiche weitere Tests durchgeführt.

Zwei Gutachten wurden bereits erstellt, die den verdächtigten Unternehmer weder ent- noch belasten. Nun soll eines der renommiertesten Institute der Welt den Fall analysieren: Das Kriminaltechnische Institut (KTI) in Wiesbaden. Es gehört zum Bundeskriminalamt - der höchsten Liga der deutschen Kriminaltechniker also.

20 Millionen teurer Maschinenpark

Unter Forensikern gilt Wiesbaden als eine Art Harvard der Fahnder. Rund 300 Mitarbeiter aus 60 verschiedenen Berufsgattungen sind dort angestellt. Physiker, Chemiker, Mathematiker, Biologen, Elektroniker, Mineralogen, Ballistiker, Phonetiker und Linguisten geben den stummen Zeugen eines Verbrechens eine Stimme. Sie untersuchen pro Jahr 10 000 nationale und internationale Kriminalfälle und analysieren in je nach Fall interdisziplinär zusammengesetzten Teams Spuren und rekonstruieren Tathergänge.

Nebst einer Vielzahl von Spezialisten verfügt das KTI auch über die allerneusten technischen Hilfsmittel. In den Räumen an der Äppelallee in Wiesbaden steht ein 20 Millionen teurer Maschinenpark zu dem ein weltweit einzigartiges Rasterelektronenmikroskop gehört, das Geschosspartikel bis zu 100 000-fach vergrössern kann. Ein weiteres wichtiges Instrument ist ein Oberflächenscanner, der Spuren, Abdrücke und Gegenstände erfasst und dreidimensional darstellt.

Einige prominente Verbrecher konnten dank den Wissenschaftler in Wiesbaden geschnappt werden. Im Verfahren gegen die Kölner Koffer-Bomber, die 2006 in Regionalzügen Bomben hochgehen lassen wollten, waren über ein Dutzend Fachbereiche des BKA involviert. Sie schafften es, die jungen Männer erkennbar zu machen und zur Fahndung auszuschreiben. Andere wurden dank DNA-Spuren überführt. Dank dem Fleiss der Bildbearbeitungs-Spezialisten des BKA konnten auch international gesuchte Verbrecher dingfest gemacht werden. So entschlüsselten sie 2007 das verwischte Bild des kanadischen Kinderschänders Christopher Paul Neil. Danach wurde er innert kürzester Zeit in Thailand verhaftet.

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