Aktualisiert 12.08.2018 17:14

Akuter Lehrermangel

Jetzt müssen Studenten Berner Kinder unterrichten

Im Kanton Bern startet am Montag das neue Schuljahr. Vor vielen Klassen werden aber keine voll ausgebildeten Lehrer, sondern Studenten stehen. Die Meinungen dazu sind gespalten.

von
Benjamin Lauener
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Ab Montag werden 30 Studenten der Pädagogischen Hochschule (PH) an 20 Schulen im Kanton Bern unterrichten. Sie besitzen zwar kein Diplom, aber es gibt zu wenig Lehrer, um alle Stellen zu besetzen.

Ab Montag werden 30 Studenten der Pädagogischen Hochschule (PH) an 20 Schulen im Kanton Bern unterrichten. Sie besitzen zwar kein Diplom, aber es gibt zu wenig Lehrer, um alle Stellen zu besetzen.

Keystone/Christian Beutler
Die PH betont, dass es sich dabei um eine äusserste Notmassnahme handle.

Die PH betont, dass es sich dabei um eine äusserste Notmassnahme handle.

Keystone/Christian Beutler
Sina Dumont ist eine dieser Stellvertreterinnen. Normalerweise müsste sie noch zwei weitere Semester die Schulbank drücken, bevor sie ganz alleine eine Klasse führen darf. Doch sie meldete sich, als bei der Hochschule Anfragen nach Feuerwehrlehrkräften eingingen. Dumont wird ab Montag vor einer Klasse der Primarschule Lauterbrunnen stehen.

Sina Dumont ist eine dieser Stellvertreterinnen. Normalerweise müsste sie noch zwei weitere Semester die Schulbank drücken, bevor sie ganz alleine eine Klasse führen darf. Doch sie meldete sich, als bei der Hochschule Anfragen nach Feuerwehrlehrkräften eingingen. Dumont wird ab Montag vor einer Klasse der Primarschule Lauterbrunnen stehen.

Beat Mathys

Ohne sie könnten viele Kinder nicht zur Schule gehen: An 20 Schulen im Kanton Bern werden ab Montag 30 Studenten der Pädagogischen Hochschule (PH) unterrichten. Sie besitzen zwar kein Diplom, aber es gibt zu wenig Lehrer, um alle Stellen zu besetzen. Die PH betont, dass es sich dabei um eine äusserste Notmassnahme handle, wie die «Berner Zeitung» (kostenpflichtiger Artikel) berichtete.

«Besser kann man es gar nicht haben»

Sina Dumont ist eine dieser Stellvertreterinnen. Die 22-Jährige studiert seit vier Semestern an der PH, um das Primarlehrdiplom zu erhalten. Normalerweise müsste sie noch zwei weitere Semester die Schulbank drücken, bevor sie ganz alleine eine Klasse führen darf. Doch sie meldete sich, als bei der Hochschule Anfragen nach Feuerwehrlehrkräften eingingen. Dumont wird ab Montag vor einer Klasse der Primarschule Lauterbrunnen stehen.

Sie steht der bevorstehenden Erfahrung positiv gegenüber. Vor allem, weil sie durch Schulleitung, Hochschule und andere Lehrer besonders unterstützt wird: «Besser kann man es gar nicht haben. Wenn ich erst nach dem Studium zu unterrichten beginne, dann erhalte ich keine solche Betreuung», sagt Dumont.

«Mit schwierigen Eltern diskutieren»

Doch es gibt auch Vorbehalte zur vorübergehenden Lösung. Beat Zemp, Präsident des Dachverbands Lehrerinnen und Lehrer Schweiz, sagt zu 20 Minuten: «Studenten einzusetzen ist eine absolute Notmassnahme. Ich will ja auch nicht von einem Arzt behandelt werden, der noch nicht fertig studiert hat.»

Zwar sei eine solche Stellvertretung eine Chance für angehende Lehrpersonen, aber die Verantwortung sei gross: «Die PH-Studierenden müssen beispielsweise auch mit schwierigen Eltern auf Augenhöhe über die schulische Zukunft eines Kindes diskutieren können.»

Berner Lehrer verdienen wenig

Als Notlösung sei der Einsatz von PH-Studenten aber sinnvoll. «Das ist immer noch besser, als jemanden ohne Ausbildung vor eine Klasse zu stellen», so Zemp. Dies sei im Kanton Bern anders als etwa in Zürich möglich, falls die Schulleitung bis zum Unterrichtsbeginn keine ausgebildete Lehrperson gefunden habe.

Eine langfristige Lösung ist der Einsatz von Studenten also nicht. Wie Erwin Sommer von der Berner Erziehungsdirektion in der «Berner Zeitung» fordert, müssten Lehrer kurzfristig weiter dazu animiert werden, Kleinstpensen zu erhöhen. Derzeit arbeitet über ein Drittel der Pädagogen im Kanton weniger als 50 Prozent. Laut Sommer täte man mittel- und langfristig gut daran, den Studiengang für die Primarstufe attraktiver zu gestalten. Eine weitere mögliche Massnahme, die er erwähnt: «Konkurrenzfähiger Lohn». Diesbezüglich stehen die Berner Lehrer im interkantonalen Vergleich schlecht da.

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