Geld für TV-Sender: Jetzt müssen TV-Kunden mehr zahlen oder Zwangswerbung ertragen
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Geld für TV-SenderJetzt müssen TV-Kunden mehr zahlen oder Zwangswerbung ertragen

Es gibt eine neue Gebühr fürs Fernsehen. Wer beim Replay-TV Werbung überspringen will, zahlt bei Salt neu 3.95 Franken pro Monat drauf. Swisscom und Sunrise werden nachziehen.

von
Fabian Pöschl
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Das Fernsehen wird teurer oder bietet weniger Optionen beim Replay-TV.

Das Fernsehen wird teurer oder bietet weniger Optionen beim Replay-TV.

Getty Images/iStockphoto
Grund dafür ist eine Tariferhöhung fürs Replay-TV. Salt ist der erste grosse Anbieter, der die höheren Preise den Kundinnen und Kunden aufdrückt.

Grund dafür ist eine Tariferhöhung fürs Replay-TV. Salt ist der erste grosse Anbieter, der die höheren Preise den Kundinnen und Kunden aufdrückt.

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In einem Brief informiert Salt die Kundinnen und Kunden, dass sie ab Mai 3.95 Franken draufzahlen müssen, wenn sie Replay-TV mit Spulfunktion weiterhin nutzen wollen.

In einem Brief informiert Salt die Kundinnen und Kunden, dass sie ab Mai 3.95 Franken draufzahlen müssen, wenn sie Replay-TV mit Spulfunktion weiterhin nutzen wollen.

News-Scout

Darum gehts

  • Salt verschickt Briefe an Kundinnen und Kunden.

  • Darin informiert der Telko über eine Preiserhöhung fürs Replay-TV.

  • Die Branche einigte sich auf die Tariferhöhung, auch bei Swisscom und Sunrise wirds teurer.

  • TV wird damit immer unattraktiver, kritisieren Experten und Expertinnen.

Kundinnen und Kunden von Salt müssen seit Mai bezahlen, wenn sie Replay-TV schauen und bei der Werbung vorspulen wollen. 3.95 Franken verlangt der Telko fürs werbefreie zeitversetzte Fernsehen. Wer nicht zahlt, muss Werbespots schauen und kann ausserdem nur noch 30 Stunden statt sieben Tage zurückgehen.

Salt informiert die Kundschaft über die Änderung in einem Brief, der der Redaktion vorliegt (siehe Bildstrecke oben). Darin schreibt Salt, man bedauere die Änderung, sei aber dazu gezwungen worden. Neu zahlen die Anbieter den TV-Sendern bis zu sieben Franken pro Monat und Nutzer fürs Replay-TV (siehe Box).

TV-Sender bekommen jetzt 7 Franken pro Monat

Die TV-Branche hat sich nach eineinhalb Jahren Verhandlung auf eine neue Gebühr geeinigt. Bisher zahlten die Anbieter den TV-Sendern fürs Replay-TV zwei Franken pro Monat und Nutzer. Neu soll es drei Varianten geben: Die Anbieter zahlen den TV-Sendern fürs klassische Replay-TV sieben Franken pro Monat und Nutzer (acht Franken ab 2026). Für Replay-TV, das wie bei Youtube noch eine Werbung statt eines ganzen Werbeblocks zeigt, zahlen sie den Sendern zwei Franken und für Replay-TV ohne Spulfunktion 1.50 Franken pro Monat und Nutzer. Die Branche begründet die Preiserhöhung damit, dass Werbung beim Replay-TV wegen der Spulfunktion weniger Aufmerksamkeit bringe. Weil immer mehr Replay-TV nutzten, stehe die Existenz der Sender auf dem Spiel.

Salt ist der erste grosse Telko, der jetzt Geld fürs Spulen beim Replay-TV fordert. Auf Anfrage verweist eine Salt-Sprecherin darauf, dass der Replay-Tarif 2021 erhöht wurde und Salt bisher die Kosten für die bestehende Kundschaft übernommen habe, nur Neukunden und -kundinnen müssten seit April 2021 zahlen.

Durch den Schritt seien auch technische Anpassungen nötig, was zusätzliche Kosten verursache. So soll es etwa im Laufe des Jahres weitere Anpassungen zum Überspringen von ganzen Werbeblöcken geben. Salt werde darüber zu gegebener Zeit informieren.

Ausserdem seien alle Schweizer TV-Anbieter von der Vereinbarung betroffen. Mit Init7 habe schon ein weiterer über die neuen Tarife informiert. Auch Swisscom und Sunrise, die zusammen 80 Prozent des TV-Markts ausmachen, werden es umsetzen. Wann es dazu kommt und was es kosten wird, konnten die Telkos auf Anfrage aber nicht sagen.

«Preiserhöhung ist ein Eigengoal»

Laut Digital-Experte Jean-Claude Frick vom Vergleichsdienst Comparis können es sich die grossen Anbieter leisten, einen Teil der Tarife zu übernehmen. Deshalb sei die Gebühr bei den Anbietern unterschiedlich hoch.

Die Tariferhöhung der TV-Anstalten hält Frick für ein Eigengoal. «Fernsehen ist ohnehin immer weniger beliebt in Zeiten des Streamings. Replay-TV ist wohl das Einzige, was die Jungen noch am TV interessiert. Doch jetzt wird es nochmals deutlich weniger attraktiv», sagt Frick zu 20 Minuten.

Sieben Franken Monatsgebühren seien sehr viel angesichts der Tatsache, dass es das günstigste Netflix-Abo schon für 11.90 Franken pro Monat gibt. Die Anbieter seien aber nicht schuld daran, sondern die TV-Sender, die mit fragwürdigen Begründungen mehr Geld forderten.

«Ein schlechter Deal fürs TV-Publikum»

Auch Rechtsexpertin Cécile Thomi vom Konsumentenschutz findet die Tariferhöhung falsch. Den TV-Sendern gehe es gut, sie jammerten auf hohem Niveau. «Leidtragende sind die Kundinnen und Kunden. Sie können nichts dagegen tun, ausser zu dem Anbieter zu wechseln, bei dem der Aufschlag nicht so gross ist», sagt Thomi.

Allerdings müsse man sich auch bewusst sein, dass die Schweiz in Sachen Replay-TV einzigartig dastehe. In vielen Ländern sei zeitversetztes Fernsehen aus urheberrechtlichen Gründen kaum oder gar nicht möglich. Trotzdem zahlten einmal mehr die Konsumierenden die Zeche mit der Wahl zwischen massivem Preisaufschlag oder Zwangswerbung konsumieren. «Ein schlechter Deal für das TV-Publikum», sagt Thomi.

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