SRF-Pannenstudios - Jetzt muss das Schweizer Fernsehen Spezialisten aus China zu Hilfe holen
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SRF-PannenstudiosJetzt muss das Schweizer Fernsehen Spezialisten aus China zu Hilfe holen

Das SRF bekommt seine neuen Pannenstudios nicht in den Griff. Wie CH-Media berichtet, kommen nun Spezialisten aus China zum Einsatz. Der NDB warnt allerdings vor Werkspionage, das SRF wiegelt ab.

von
Matthias Giordano
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Das SRF bekommt die Pannenserie rund um die Studios des neuen Sport- und Newscenters offenbar nicht allein in den Griff. Chinesische Experten sollen die Probleme nun beheben.

Das SRF bekommt die Pannenserie rund um die Studios des neuen Sport- und Newscenters offenbar nicht allein in den Griff. Chinesische Experten sollen die Probleme nun beheben.

20min/Marco Zangger
Die neuen Studios sind bereits zwei Jahre später als geplant in Betrieb gegangen. Seither ist es bereits zu mehreren Pannen gekommen. Mitte Dezember musste das «Sportpanorama» mittendrin abgebrochen werden.

Die neuen Studios sind bereits zwei Jahre später als geplant in Betrieb gegangen. Seither ist es bereits zu mehreren Pannen gekommen. Mitte Dezember musste das «Sportpanorama» mittendrin abgebrochen werden.

20min/Matthias Spicher
Bedenken wegen des chinesischen Supports hat das SRF trotz Warnungen des NDB nicht. Man habe sich technisch und vertraglich abgesichert, sagte Andreas Lattmann, Leiter Technologie Management bei SRF, der «Aargauer Zeitung».

Bedenken wegen des chinesischen Supports hat das SRF trotz Warnungen des NDB nicht. Man habe sich technisch und vertraglich abgesichert, sagte Andreas Lattmann, Leiter Technologie Management bei SRF, der «Aargauer Zeitung».

20min/Marco Zangger

Darum gehts

  • Die neuen Fernsehstudios im News- und Sportcenter des SRF funktionieren noch immer nicht richtig. Beheben können das offenbar nur noch Spezialisten aus China.

  • Der Schweizer Geheimdienst NDB warnt jedoch vor Werkspionage aus China. Chinesische Aktivitäten seien zunehmend eine Bedrohung für die Schweiz.

  • Das SRF fühlt sich allerdings in Sicherheit und verweist auf vertragliche Absicherungen.

Die Pannenserie beim SRF reisst nicht ab. Nachdem die Fernsehstudios im neuen News- und Sportcenter im letzten Jahr mit gut zwei Jahren Verspätung den Betrieb aufnahmen und damit zehn Millionen Franken zusätzlicher Gebührengelder verschlangen, funktioniert die Technik offenbar noch immer nicht. Mitte Dezember musste das «Sportpanorama» sogar abgebrochen werden wegen der Technik, wie es vom SRF hiess. Jetzt müssen chinesische Spezialisten das Problem lösen, wie die Zeitungen der CH-Media berichten.

Konkret geht es um das relativ neue Schnittsystem «Hive» von Sony. Es ist der Nachfolger des bei vielen TV-Sendern eingesetzten, aber in die Jahre gekommenen «Sonaps». Da Sony im Dezember das Problem auf der zweiten Ebene seines Kundenservices nicht habe lösen können, sei nun die dritte Stufe zum Einsatz gekommen, erklärt Andreas Lattmann, Leiter Technologie Management bei SRF, der «Aargauer Zeitung».

Experten aus China müssen es lösen

«Aufgeboten wurde der technische Support von Sony Europa mit Sitz in Holland und einem operativen Techniker aus Deutschland. Dieser hat dann auf Spezialisten in China zurückgegriffen.» Die Techniker arbeiten für das Unternehmen Sobey, das seinen Hauptsitz in Chengdu in Zentralchina hat.

Dass chinesische Techniker zum Einsatz kommen, ist zudem kein Einzelfall. Bereits in früheren Fällen seien Spezialisten in Zürich vor Ort in den Studios am Leutschenbach gewesen. «Zur Begleitung der Inbetriebnahme und zur Behebung von Fehlern», sagt Lattmann. Für die aktuellen Reparaturen reiste diesmal allerdings niemand aus China nach Zürich; die Spezialisten schalteten sich von aussen ins System des Schweizer Fernsehens ein, wie es hiess.

Doch: Demnächst soll wieder ein chinesischer Spezialist vor Ort sein. Das Schweizer Fernsehen bemühe sich derzeit um ein Visum, erklärt Lattmann. Demnach soll der Techniker bestehende Probleme lösen und das neue Schnittsystem ins Westschweizer Fernsehen bringen.

«Abwehr von Spionageaktivitäten erfordert immer mehr Aufwand»

Brisant ist in diesem Zusammenhang, dass der Nachrichtendienst des Bundes (NDB) seit Jahren vor Spionage durch chinesische Unternehmen warnt. Im Lagebericht 2021 schreibt der NDB: «Spionageaktivitäten Chinas stellen eine bedeutende Bedrohung für die Schweiz dar.» Zu erwarten ist demnach, dass ausländische Nachrichtendienste führende, in der Schweiz ansässige Unternehmen verstärkt ins Visier nehmen werden.

Dies betrifft etwa Unternehmen in den Bereichen Informationstechnologie, Chemie- und Pharmatechnologie, Mobilität, erneuerbare Energien und Rüstungstechnik. «Die Abwehr von Proliferations- und Spionageversuchen erfordert immer mehr Aufmerksamkeit und Aufwand.»

Und weiter: «China verfolgt konsequent seinen Ansatz der zivilen und militärischen Fusion. Güter, die es in der Schweiz zu beschaffen versucht, weisen regelmässig eine technische Nähe zu laufenden Fähigkeitserweiterungen des Militärs auf.»

Beim Schweizer Fernsehen zerstreut man derartige Bedenken. SRF-Technikchef Lattmann dazu: Es sei sowohl technisch wie auch vertraglich abgesichert, dass Supportmitarbeitende auf keine Inhaltsdaten und keine anderen datenschutztechnisch relevanten Informationen Zugriff haben oder solche herunterladen können.

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