Affäre Nef: «Jetzt muss eine Armeechefin her!»
Aktualisiert

Affäre Nef«Jetzt muss eine Armeechefin her!»

Armeechef Nef ist weg. Wer sein Nachfolger wird, ist völlig offen. Für die SP-Frauen steht fest: Jetzt muss eine Generalin ran. Aber gibt es überhaupt Kandidatinnen aus dem höheren Kader? Die Armee konnte die Frage auf Anhieb nicht beantworten.

von
Aurel Stevens

Die Freundin gestalkt und in deren Namen Sex-Anzeigen beantwortet – das sind die Vorwürfe, die gegen Roland Nef in der Luft liegen. Stossender Sexismus, den ausgerechnet der bislang oberste Schweizer Militär an den Tag legt. An der Spitze derjenigen Organisation, die für die Sicherheit der Bevölkerung sorgen soll, sitzt jemand, der den Frauen Schutz vor Gewalt verweigert, beklagen die SP-Frauen.

Das Verhalten des nun demissionierten Roland Nef an der Spitze ist für sie das augenfälligste Zeichen für fehlende Achtung und Respekt gegenüber der weiblichen Bevölkerung. Für die Sozialdemokratinnen ist klar: Das wäre nicht passiert, wenn der Armeechef weiblich wäre.

Von der Realität überrumpelt

Erst am Montag suspendiert, folgt am Freitag um 10:23 Uhr der Paukenschlag: Armeechef Roland Nef nimmt definitiv den Hut. Damit steht die Schweizer Armee führungslos da. Und damit geht die Suche nach einem Kandidaten für den Posten des Armeechefs los. Als ob sie es geahnt hätten, verschickten die SP-Frauen eine knappe Stunde zuvor eine Medienmitteilung mit dem Titel: «Die SP-Frauen fordern eine Chefin für die Armee!»

Julia Gerber Rüegg, Co-Präsidentin der SP-Frauen, bekräftigt gegenüber 20 Minuten Online die Forderung. Gefragt seien jetzt «Können, Wissen und Lebenserfahrung einer aufgeschlossenen Frau mit Führungskompetenzen». Um die Armee «endlich vom Männerfilz» zu befreien, wie es im Communiqué heisst.

Keine Kandidatin in Sicht

Nachdem die Frauen vom realen Geschehen überrascht worden waren, kam das Telefon von 20 Minuten Online dann aber doch etwas schnell. «Wir sind überrascht von Roland Nefs Rücktritt», so Gerber Rüegg. Sie konnte eine Stunde nach der Forderung nach einer Armeechefin auf Anhieb keine konkreten Vorschläge für einen weiblichen Ersatz für Roland Nef nennen.

«Auf Personalsuche waren wir eigentlich noch nicht», führt die Co-Präsidentin weiter aus. «Zwar kenne ich eine Frau in einer militärischen Führungsfunktion. Konkrete Gespräche wurden aber noch nicht geführt», so Gerber Rüegg.

Im Sinn hatten die SP-Frauen sowieso weniger die überstürzte Einsetzung einer Armeechefin, sondern eine Änderung in der Führungskultur der Schweizer Armee. «Der gesellschaftliche Wandel der letzten 50 Jahre hin zur Gleichstellung von Frau und Mann ist offensichtlich an der Armee vorbeigegangen», sagt Gerber Rüegg. Das Ziel sei jetzt die Anstossung eines Prozesses.

Armee kennt ranghöchste Frau nicht

Kurzfristig kann der Wunsch der Sozialdemokratinnen sowieso nicht erfüllt werden: Unter den 55 Sterne-Generälen der Schweizer Armee findet sich nämlich keine Frau. Alle 4 Korpskommandaten, 19 Divisionäre und 32 Brigadiers sind Männer. Frauen bekleiden in der Schweizer Armee zwar den Rang eines Obersten, vier von ihnen sind laut VBS-Website im Generalstab. Doch diese Grade können nicht zum Chef der Armee gewählt werden.

In der Schweizer Armee mit 100 000 aktiven Mannschaftsmitgliedern, 20 000 Unteroffizieren und 6000 Offizieren dienen nur rund 1000 Frauen. Welche von den tausend Frauen den höchsten Rang bekleidet, konnte die Armee auf Anfrage der SP Schweiz nicht sagen – noch ein Umstand, der den SP-Frauen sauer aufstösst.

(mit Material von SDA)

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