Schockbilder aus Hühnerställen - Jetzt muss sich der Tierschützer selbst wegen Tierquälerei verantworten

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Schockbilder aus HühnerställenJetzt muss sich der Tierschützer selbst wegen Tierquälerei verantworten

Die Tierrechtsorganisation Tier im Fokus drang vor vier Jahren in mehrere Hühnermastställe ein und filmte die Missstände. Deshalb muss ihr Präsident nun vor Gericht antraben.

Diese Aufnahmen aus Schweizer Hühnerställen veröffentlichte die Tierrechtsorganisation Tier im Fokus vor vier Jahren. Nun steht ihr Präsident vor Gericht.

Tier im Fokus

Darum gehts

  • Tobias Sennhauser, Präsident von Tier im Fokus, verschaffte sich Zugang zu mehreren Hühner-Mastanlagen.

  • Die verdeckt aufgenommenen Bilder aus den Betrieben sorgten schweizweit für Aufsehen.

  • Für seine Aktion muss sich Sennhauser nun wegen Hausfriedensbruch, Sachbeschädigung und Tierquälerei vor Gericht verantworten.

Das Video sorgte schweizweit für Schlagzeilen: Ende Januar 2018 veröffentlichte die Tierrechtsorganisation Tier im Fokus (TIF) Aufnahmen aus fünf Hühnermastställen in den Kantonen Bern, Freiburg und Waadt, auf denen tote und sterbende Tiere von BTS-Mastbetrieben zu sehen sind. BTS steht für «besonders tierfreundliche Stallhaltung» und ist eine offizielle Bezeichnung des Gesetzgebers. Die Stiftung für das Tier im Recht reichte gegen die fünf Schweizer Betriebe daraufhin Strafanzeige wegen mehrfacher Tierquälerei ein.

Nun aber muss sich TIF-Präsident Tobias Sennhauser selbst vor der Justiz verantworten: Weil er sich für die Filmaufnahmen illegal Zugang zu drei der fünf Hühner-Mastanlagen verschaffte, reichten die betroffenen Tierhalter Anzeige gegen ihn ein. Die Staatsanwaltschaft wirft Sennhauser Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung vor. Doch nicht nur das: Der Tierrechtler habe sich selbst der Tierquälerei schuldig gemacht, indem er die Hühner durch sein unbefugtes Eindringen «gestresst und in Angst versetzt» und die «Tierwürde missachtet» habe, wie es im Strafbefehl heisst, der 20 Minuten vorliegt.

«Fleischlobby will von Missständen ablenken»

«Der Vorwurf der Tierquälerei ist absurd», sagt Sennhauser zu 20 Minuten. «Mit dieser Argumentation wäre jede amtliche Kontrolle eine Tierquälerei.» Für den TIF-Präsidenten ist klar: «Die Fleischlobby will den Spiess umdrehen und von den Missständen in der Massentierhaltung ablenken.» Auch den Vorwurf der Sachbeschädigung weist er zurück; er habe sich durch offene Türen und Zäune Zutritt verschafft.

Sennhausers Verteidigerin Lea Hungerbühler fügt an: «Die Dokumentation von derartigen Missständen war zur Wahrung der berechtigten Tierschutz-Interessen notwendig». Es habe in diesen konkreten Konstellationen kein milderes Mittel gegeben, um das Leid der Tiere aufzudecken, insbesondere da eine frühere Meldung beim Veterinäramt versandet sei.

Sennhauser rechnet daher mit einem Freispruch, wie er zu 20 Minuten sagt. Die Verhandlung findet am Mittwochmorgen vor dem Regionalgericht in Burgdorf statt.

Du weisst von einem Tier in Not?

Hier findest du Hilfe:

Feuerwehr, Tel. 118 (Tierrettung)

Polizei, Tel. 117 (bei Wildtieren)

Tierrettungsdienst, Tel. 044 211 22 22 (bei Notfällen)

Schweizerische Tiermeldezentrale, wenn ein Tier entlaufen/zugelaufen ist

Stiftung für das Tier im Recht, für rechtliche Fragen

GTRD, Grosstier-Rettungsdienst, Tel. 079 700 70 70 (Notruf)

Schweizerische Vogelwarte Sempach, für Fragen zu Wildvögeln, Tel. 041 462 97 00

Tierquälerei:

Meldung beim kantonalen Veterinäramt oder beim Schweizer Tierschutz (anonym möglich)

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(sul)

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