Wintersaison trotz Coronavirus: Jetzt rufen die Bergbahnen zum Skifahren auf
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Wintersaison trotz CoronavirusJetzt rufen die Bergbahnen zum Skifahren auf

«Die Schweiz fährt Ski» – und zwar trotz Coronavirus. Das verkünden die Schweizer Skigebiete und Bergbahnen. Sie haben bisher vergeblich auf ein Signal der Politik gewartet.

von
Raphael Knecht

Die ersten Skigebiete eröffnen die Saison bereits jetzt – doch noch buchen nicht viele Gäste.

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Darum gehts

  • Den hiesigen Skigebieten fehlen die Buchungen für den Winter.
  • In einem offenen Brief an Wintersportfans verkünden sie, dass Skifahren dieses Jahr möglich sein wird.
  • Das Schutzkonzept will Seilbahnen Schweiz demnächst vorstellen.
  • In der Schweiz vermissen die Unternehmer positive Signale von der Politik.

Die Schweizer Skigebiete fürchten, dass die grosse Unsicherheit um das Coronavirus die diesjährigen Wintersportler vergraulen wird. Es gebe in den Schweizer Destinationen bisher noch kaum Buchungen, heisst es in einer Mitteilung von Seilbahnen Schweiz. Dies, weil nicht klar signalisiert wurde, ob der Wintersport dieses Jahr überhaupt möglich sein wird.

Das wollen die Schweizer Bergbahnen mit der Unterstützung von verschiedenen Politikern und Sportlern nun ändern. In einem offenen Brief richtet sich das Komitee «Die Schweiz fährt Ski» an Wintersportfans im In- und Ausland: «Die Schweiz fährt Ski – das gilt in der Schweiz auch mit Corona.»

Storno-Garantie

Um die Gäste zum Buchen anzuregen, verspricht das Komitee «Die Schweiz fährt Ski» eine Storno-Garantie: «Im Fall eines Corona-Ereignisses vor Ort garantieren wir Ihnen die Stornierung Ihrer Buchungen ohne Kostenfolge für Sie.» Die Bergbahnen hoffen, dass mit diesem Angebot die Trägheit beim Buchen verfliegt und sich die Gästebücher für den Winter endlich füllen. Zu den Initianten von «Die Schweiz fährt Ski» gehören ausser Seilbahnen Schweiz auch der Verband der Schweizer Skischulen Swiss Snowsports und die Fluggesellschaft Swiss.

Die Bergbahnen sind überzeugt, dass ihre Schutzkonzepte den Gästen Sicherheit bieten. Die bisherigen Bemühungen der Bergbahnen hätten beste Noten erhalten: «Die Schutzkonzepte, welche ich gesehen habe, sind sehr gut und beinhalten alle Punkte, welche wichtig sind», wird Kathrin Summermatter vom Institut für Infektionskrankheiten und des Biosicherheitszentrums der Uni Bern in der Mitteilung zitiert.

Das genaue Schutzkonzept für den Winter will Seilbahnen Schweiz allerdings erst in der kommenden Woche vorstellen. Es ist zu erwarten, dass sich das Winter-Konzept nicht massgeblich von dem im Sommer unterscheiden wird. Die konkreten Massnahmen dürften sich zudem zwischen den verschiedenen Gebieten leicht unterscheiden. Bei Fahrten mit Seilbahnen wird generell eine Gleichstellung zu Reisen im öffentlichen Verkehr angestrebt.

Wie bisher wird in den Seilbahnen ein Mund-Nasen-Schutz nötig sein. Im offenen Brief heisst es jedoch: «Hierfür müssen nach derzeitigem Wissensstand nicht zwingend klassische Schutzmasken getragen werden, sondern auch zertifizierte Multifunktionstücher sorgen für die nötige Sicherheit.» Die Bergbahnen setzen auf eine Art Halsschlauch statt der herkömmlichen Gesichtsmaske. Weitere Auflagen oder Einschränkungen seien in den Kabinen und Gondeln hingegen nicht zu erwarten.

Österreich streicht Après-Ski

Der private Aufruf der Bergbahnen erfolgt, nachdem der Bund bisher mit Zusicherungen bezüglich des Wintersports sehr zurückhaltend war. Im Gegensatz dazu hatte etwa der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz kürzlich verkündet, dass der Wintersport unter bestimmten Auflagen – Après-Ski werde es nicht geben – auch diese Saison möglich sein werde.

«Ein solches Signal vermissten wir bisher von der Schweizer Politik», sagt Matthias In-Albon, CEO der Bergbahnen Gstaad. Gerade weil die umliegenden Länder Gewissheit schaffen, sei es für die Schweizer Unternehmen besonders schwierig, wenn hier weiterhin Unklarheit herrscht. Darum habe man die Sache in die eigene Hände genommen.

Bund kann nicht selbst entscheiden

Dass der Bund kein so klares Signal wie die österreichische Regierung gibt, habe auch politische Gründe, erklärt Berno Stoffel, Direktor von Seilbahnen Schweiz. Denn hierzulande würden die Schutzkonzepte auf Kantonsebene ausgearbeitet. Der Bund sei darum gar nicht in der Lage, selbst zu entscheiden, in welcher Form der Wintersport dieses Jahr möglich sein wird.

Tourismus-Minister Guy Parmelin sei aber eine Art Schirmherr für die Aktion, heisst es in der Mitteilung. «Soweit ich es mitbekommen habe, sind unsere Tourismusorte bereit», wird Parmelin zitiert. Ob und wie es in der Schweiz dieses Jahr Après-Ski geben wird, ist aber derzeit noch unklar.

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