Affäre Gaddafi: Jetzt schaltet sich Amnesty International ein
Aktualisiert

Affäre GaddafiJetzt schaltet sich Amnesty International ein

Wird bald weltweit Druck auf Gaddafi ausgeübt? Die Zentrale von Amnesty International in London prüft derzeit im Fall der Schweizer Geiseln eine «Urgent Action». Diese würde eine Lawine von Briefen an die libysche Regierung auslösen.

von
Annette Hirschberg

Die diplomatischen Bemühungen in Tripolis sind gescheitert. Trotz intensiven Verhandlungen sitzen die zwei Schweizer Geiseln immer noch in Libyen fest - seit mittlerweile rund 15 Monaten. Nun schreiten die Angehörigen zur Tat und schalten Amnesty International ein. Denn diese weltweit vernetzte Organisation kann dem Fall der zwei Geiseln, die vor über einem Monat an einen unbekannten Ort verschleppt wurden, eine neue Tragweite geben.

Die Zentrale der Menschenrechtsorganisation in London prüft, mit den libyschen Behörden Kontakt aufzunehmen oder eine «Urgent Action» auszulösen, wie Pressesprecher Daniel Graf von Amnesty International Schweiz gegenüber 20 Minuten Online bestätigt. Bei einer Urgent Action kann ein internationales Netzwerk von Aktivisten aktiviert werden, die innerhalb weniger Stunden eine Brieflawine an die Regierung in Tripolis versenden.

Bereits Erfolge in Libyen

«Mit solchen Briefaktionen waren wir schon sehr erfolgreich», sagt Graf. Auch in Libyen wurde dank einer Urgent Action schon ein Aktivist aus dem Gefängnis entlassen. Es handelt sich um den Libyer Idriss Boufayed, der 2008 freigelassen wurde und danach zur medizinischen Behandlung in die Schweiz reisen durfte.

Ob eine Urgent Action im Fall der Schweizer Geiseln Sinn macht, entscheidet derzeit die Zentrale in London. «Das letzte Wort haben aber die Angehörigen», so Graf. Denn diese öffentliche Aktion rücke die Angehörigen nochmals mehr ins Zentrum. «Sie müssen bereit sein, die weltweite Thematisierung des Falles zu verkraften.»

Amnesty fordert Kontakt zu Angehörigen

Konkret fordert Amnesty International, dass der Aufenthaltsort der Gefangenen bekannt gegeben wird, dass diese den Kontakt mit der Botschaft und ihren Anwälten wieder aufnehmen können, dass der briefliche und telefonische Kontakt zu den Angehörigen wieder ermöglicht wird und dass die beiden Schweizer Zugang zu medizinischer Behandlung erhalten.

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