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Schliessung von SkigebietenJetzt schaltet sich Daniel Koch in den Skisaison-Streit ein

Frankreich, Italien und Deutschland wollen, dass im Kampf gegen die Corona-Pandemie alle europäischen Skigebiete geschlossen werden. Für Daniel Koch besteht das Leben aber aus mehr als nur «Infektionskontrolle».

von
Daniel Waldmeier
Daniel Krähenbühl
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In Europa soll die Skisaison erst ab dem 10. Januar starten, so die Forderung von Frankreich, Deutschland und Italien.

In Europa soll die Skisaison erst ab dem 10. Januar starten, so die Forderung von Frankreich, Deutschland und Italien.

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«Wir werden uns in Europa um eine Abstimmung bemühen, ob wir alle Skigebiete schliessen könnten», so die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel.

«Wir werden uns in Europa um eine Abstimmung bemühen, ob wir alle Skigebiete schliessen könnten», so die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel.

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Auch Italiens Ministerpräsident Giuseppe Conte und der französische Präsident Emmanuel Macron haben sich für eine spätere Öffnung ausgesprochen.

Auch Italiens Ministerpräsident Giuseppe Conte und der französische Präsident Emmanuel Macron haben sich für eine spätere Öffnung ausgesprochen.

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Darum gehts

  • Frankreich, Italien und Deutschland fordern, dass alle europäischen Skigebiete bis zum 10. Januar geschlossen werden.

  • Schweizer Kantone und Skigebiete winken ab.

  • Nun erhalten sie Unterstützung von Daniel Koch.

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel will im Kampf gegen die Coronavirus-Pandemie durchgreifen: In einer Regierungserklärung hat sie am Donnerstag mit Blick auf die anstehende Skisaison gefordert, alle Skigebiete in Europa bis zum 10. Januar zu schliessen. «Wir werden uns in Europa um eine Abstimmung bemühen, ob wir alle Skigebiete schliessen könnten», so die Kanzlerin.

Touristische Reisen sollten nicht stattfinden, jeder nicht notwendige Kontakt sollte vermieden werden. Auch Italiens Ministerpräsident Giuseppe Conte und der französische Präsident Emmanuel Macron haben sich für eine spätere Öffnung ausgesprochen.

«Das Leben besteht nicht nur aus Infektionskontrolle»

Die Schweizer Bergkantone und Skigebiete zeigen Merkel, Macron und Conte allerdings die kalte Schulter – und sprechen von Willkür. Sie erhalten nun auch Unterstützung von Daniel Koch, dem ehemaligen Corona-Delegierten des Bundesrates.

Dieser sagt zu 20 Minuten: «Wenn die Situation unter Kontrolle ist – die Zahlen sollten noch etwas sinken – und geeignete Schutzkonzepte vorhanden sind, sollte die Skisaison möglich sein. Auf den Skipisten ist das Risiko eher gering.» Er habe schon im Sommer gesagt, dass das Après-Ski schwierig werde. Ein normaler Sportbetrieb sei aber nötig: «Das Leben besteht nicht nur aus Infektionskontrolle. Ein Ausfall der Saison wäre nicht nur bitter für jene, die davon leben. Man muss auch dem Bedürfnis der Leute nach Freizeit gerecht werden – immer mit vertretbarem Risiko.»

«Der Vergleich mit Ischgl ist ungerecht»

Die Forderung von Italien, Frankreich und Deutschland kann der ehemalige Mister Corona zwar nachvollziehen. «Es wäre aber seltsam, wenn alle das Gleiche machen müssten. Die Situation ist in den verschiedenen Ländern unterschiedlich. Wir sagen Frankreich und Italien ja auch nicht, die Tour de France oder der Giro gehe nicht.» Auch vor einem zweiten Ischgl, das während der ersten Welle als Corona-Hotspot in die Schlagzeilen geriet, hat Koch keine Angst: «Der Vergleich mit Ischgl ist ungerecht. Wir haben viel gelernt darüber, wie man sich gegen das Virus schützen kann.»

Koch plädiert dafür, die Massnahmen noch stärker risikobasiert anzuschauen: «Die Länder, die es gut im Griff haben, namentlich die skandinavischen Länder, sind nicht jene mit den strengsten Massnahmen.» Es gehe darum, geeignete Schutzkonzepte zu entwickeln. Zur Befürchtung, dass das Gesundheitssystem durch die Behandlung von Skiunfällen weiter strapaziert werde, meint Koch: «Da müssen wir ehrlich sein. Dass man nach einem Skiunfall auf der Intensivstation behandelt werden muss, ist eher selten.»

«Es wurden neun Monate vergeudet»

Zurückhaltender äussert sich Otto Kölbl, Forscher der Uni Lausanne und Mitglied der derzeit inaktiven Covid-19-Taskforce des deutschen Innenministeriums. Er sieht die Achillesferse beim Mittagessen in der Skihütte – und beim Abendprogramm. «Auf der Skipiste fängt man sich kein Virus ein, aber beim Mittagessen ohne Maske oder in der Hotelbar am Abend.»

Eine Schliessung der Skigebiete habe derzeit politisch kaum eine Chance. Die Skiorte müssten aber schleunigst aufrüsten, sagt Kölbl: «Es wurden neun Monate vergeudet. Bergrestaurants sollten dringend in Schutzscheiben und effiziente Filtersysteme investieren und, wo immer möglich, die Verpflegung ins Freie verlagern.» Komme es in den Skihütten vermehrt zu Ansteckungen, steige der Druck, die Skigebiete dichtzumachen.

Wie der Präsident der Schweizer Taskforce, Martin Ackermann, an der Medienkonferenz am Mittwoch sagte, ist die Schweiz bei der Eindämmung des Coronavirus auf dem richtigen Weg. Je weniger Corona-Fälle es gebe, desto mehr Spielraum habe die Schweiz – auch im Bereich des Wintersporttourismus.

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328 Kommentare
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Jandin

26.11.2020, 17:13

Verzichten schon lange auf vieles! Besser alles zu lassen!! Sonst fängt dassss ganze von vorne an!!!!!

Rolf

26.11.2020, 17:12

Im März haben Virologen u. Experten gesagt, wenn man 2-3Wochen alles zu macht (auch Einzelhandel, Tankstellen, Post usw.) ist der Virus endgültig weg. 9 Monate sind vergangen, jetzt sind wir wieder dort wie am Anfang. Das zeigt das es der EU bzw. den Politiker gar nicht drum geht, den Virus zu besiegen, mehr geht es drum das Volk auf eine indirekt Impfpflicht zu lenken. Wer nicht impfen will, der darf zb. Dann nicht mehr Reisen, Fliegen, auf die Skipiste oder in Restaurants.

Minnie Mouse

26.11.2020, 16:59

Es ginge ja noch, wenn man keine ausländischen Touristen bei uns Skifahren liesse - aber unsere Tore sind ja weit offen für jeden, um das Virus einzuschleppen! Bei uns ist das Wichtigste das Geld, und dass die Hotels ihre Betten gefüllt bekommen! Wir haben eine Wohnung in den Bergen, werden aber nicht Skifahren, da wir nicht in den Schlangen anstehen wollen!