13.10.2020 04:45

Coronavirus-Fälle steigenJetzt schicken die ersten Firmen ihre Mitarbeiter wieder ins Homeoffice

Die Zahl der Coronavirus-Fälle in der Schweiz steigt seit einigen Wochen an. Aldi, Coop und Lidl reagieren und lassen ihre Büro-Mitarbeiter wieder vermehrt von zu Hause aus arbeiten.

von
Barbara Scherer, Fabian Pöschl
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Für viele Schweizer Arbeitnehmer geht es wieder ins Homeoffice.

Für viele Schweizer Arbeitnehmer geht es wieder ins Homeoffice.

KEYSTONE
Grund dafür sind die steigenden Corona-Infektionszahlen.

Grund dafür sind die steigenden Corona-Infektionszahlen.

Pixabay
Neu wieder mit Homeoffice arbeiten die Mitarbeiter von Coop.

Neu wieder mit Homeoffice arbeiten die Mitarbeiter von Coop.

Keystone

Darum gehts

  • Weil die Zahl der Corona-Fälle steigt, schicken Firmen ihre Angestellten wieder ins Homeoffice.
  • Damit werden Angestellte geschützt und der Betrieb aufrechterhalten.
  • Arbeitgeber müssen aber auch im Homeoffice ihre Pflichten erfüllen und etwa ergonomische Arbeitsgeräte zur Verfügung stellen.

Die Coronavirus-Fälle steigen schweizweit schnell in die Höhe. Das beunruhigt auch den Bund: «Es ist unser aller Aufgabe, zu verhindern, dass dieser Anstieg weitergeht», sagte BAG-Direktorin Anne Lévy an der Pressekonferenz am Freitag.

Weil sich die Corona-Lage verschärft, reagieren nun die ersten Firmen: Coop und Aldi setzen seit Montag wieder vermehrt auf Homeoffice fürs Personal in der Administration. «Wir haben die Möglichkeit auf Homeoffice im Wechselmodell wieder eingeführt», sagt ein Aldi-Sprecher. Teams werden in Gruppen eingeteilt, und diese Gruppen gehen zeitlich versetzt ins Homeoffice. So haben die Gruppen keinen physischen Kontakt zueinander.

Meetings finden nur noch virtuell statt

Auch Lidl Schweiz lässt seit dem Anstieg der Corona-Fälle vor etwa drei Wochen wieder mehr Mitarbeiter von zu Hause arbeiten: «Wir beobachten die aktuelle Lage permanent und haben auf den Anstieg entsprechend mit einer Ausweitung von Homeoffice reagiert», sagt ein Sprecher zu 20 Minuten.

Die Schutzmassnahmen am Hauptsitz in Weinfelden habe Lidl ausserdem verstärkt. Aufgrund der Grösse des Bürogebäudes könne der Abstand generell immer eingehalten werden. Meetings fänden seither nur noch virtuell statt.

Den Betrieb aufrechterhalten

Dass die Chefs ihre Mitarbeiter wegen des Coronavirus wieder vermehrt ins Homeoffice schicken, findet Personalexperte Michel Ganouchi von Recruma nachvollziehbar: «Die Arbeitgeber wollen mit dem Homeoffice die Angestellten schützen, aber auch den operativen Betrieb aufrechterhalten.» Täten sie das nicht, müssten bei einem Infektionsfall ganze Teams in Quarantäne gehen.

Angesichts der steigenden Fallzahlen bestehe auch vonseiten der Arbeitnehmer der Wunsch, wieder vermehrt zu Hause zu arbeiten. «Arbeitgeber sind in dieser Situation gut beraten, die Zügel wieder zu lockern», so Ganouchi.

Dass Mitarbeiter, die nicht unbedingt vor Ort sein müssen, wieder mehr von zu Hause aus arbeiten, ist laut HR-Experte Jörg Buckmann richtig. «Man sollte aber auch nicht übertreiben. Es lassen sich auch im Büro die Abstände einhalten.»

Arbeitgeber müssen ihre Pflichten erfüllen

Der Schweizerische Gewerkschaftsbund hält verordnetes Homeoffice für eine akzeptable Sicherheitsmassnahme in der ausserordentlichen Lage, wie der Chef-Jurist Luca Cirigliano sagt. «Wenn es keine andere Möglichkeit gibt, überhaupt Platz in der Wohnung vorhanden ist und die Massnahme verhältnismässig ist, kann man nicht gegen Homeoffice sein.»

Der Arbeitgeber müsse aber auch im Homeoffice seine Pflichten erfüllen und etwa ergonomische Arbeitsgeräte zur Verfügung stellen oder die Spesen dafür übernehmen. In Fällen von verordnetem Homeoffice in Zeiten der Pandemie gehören auch Anteile an Miete und Heizung dazu. «Das machten bisher die wenigsten Arbeitgeber», so Cirigliano.

Homeoffice als Standard

Viele Firmen bieten in der Schweiz seit Beginn der Krise Homeoffice an. Dabei sind einige Unternehmen sogar noch einen Schritt weiter: Der Siemens-Konzern hat im Unternehmen Homeoffice zum weltweiten Standard gemacht. Mehr als die Hälfte der Mitarbeiter arbeitet zwei bis drei Tage von zu Hause aus. Das betrifft weltweit um die 140’000 Arbeitskräfte.

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469 Kommentare
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Nick

14.10.2020, 13:13

Liebe 20min Redaktion, einfach bei der Bildauswahl immer etwas Fingersptzengefühl. Es gibt Arbeitgeber, welche immer noch randvoll mit Voruteilen gegen HO sind!

Simon Wagner

14.10.2020, 08:59

Richtig so! Man hätte HomeOffice NIE abschaffen dürfen. Ist mit ein Grund warum jetzt die Zahlen nach oben gehen. Mehr Leute im ÖV, mehr Leute im Grossraumbüro, logisch gibt's mehr Infektionen. Von wegen im ÖV könne man sich nicht anstecken. Reist man aus einem EU Land ein das auf der Quarantäneliste steht, so muss man nach Hause laufen, das eigene Auto oder ein Taxi nehmen, ÖV ist auch mit Maske untersagt.

Sugus

13.10.2020, 08:43

Wann wir unsere Regierung wieder normal ??????? Das gilt auch für die Medien. Wollt Ihr wirklich das ganze Land and die Wand fahren. Wir werden so viele Arbeitslose bekommen wie noch nie. Und dies wegen eines Virus der sich in die Sparte Grippe einreihen wird. Vortrag von Pietro Vernazza. Der Professor ist Chefarzt Infektiologie am Kantonsspital  Gallen. das kann man nachvollziehen.