Get Shorty!: Jetzt schiessen sie den Vogel ab
Aktualisiert

Get Shorty!Jetzt schiessen sie den Vogel ab

Die Tage von Waldrapp Shorty in Freiheit sind gezählt: Am Sonntag soll er eingefangen werden. Deutsche Vogelspezialisten reisen mit Netzkanonen an den Zugersee, um ihn zu retten.

von
L. Hanselmann

Seit bald drei Monaten hält sich Shorty in der Schweiz auf, nachdem er sich im Dezember auf dem Flug ins Winterquartier in der Toskana verirrt hatte. Vergeblich suchte er im Wallis und im Kanton Zürich nach seinen Artgenossen. Mittlerweile wurde er in Risch am Zugersee beobachtet.

Die Tour de Suisse des derzeit prominentesten Vogels der Schweiz dürfte aber bald vorbei sein: Am Sonntag wollen ihn die Ornithologen einfangen, wie Johannes Fritz, Leiter des europaweiten Waldrappteams, auf Anfrage sagt. Sie fürchten um das Leben des jungen Waldrapps.

Da die bisherigen Versuche scheiterten, Shorty mit Futter anzulocken und ihn zu betäuben, fahren die Ornithologen diesmal gröberes Geschütz auf: Spezialisten werden sich mit Wurfnetzen an Shorty anschleichen.

Vom Netz in den Tierpark...

«Die Netze können wir aus zirka fünf Metern Entfernung abschiessen. Hoffentlich verfängt sich Shorty dann darin», sagt Dina Dechmann vom Max-Planck-Institut für Ornithologie. Der Vogel werde dabei nicht verletzt. Falls es gelingt, soll der Vogel in einem Käfig in den Tierpark Goldau gebracht werden. Dort gibt es bereits eine Waldrapp-Kolonie mit 17 Tieren. «Waldrappe sind sehr soziale Vögel, die die Gesellschaft von Artgenossen brauchen», sagt Dechmann.

Fritz ist vorsichtig optimistisch: «Mit dem Netz haben wir nun endlich eine Chance, Shorty zu fangen.» Das Wetter könnte den Vogeljägern allerdings einen Strich durch die Rechnung machen - oder Shorty selbst, wenn er sich plötzlich entscheidet, noch andere Gegenden der Schweiz auszukundschaften.

...und zurück zu seiner Familie

Dass für einen einzelnen Vogel ein so grosser Aufwand betrieben wird, hat mit der extremen Gefährdung der Art zu tun. In Europa wurden die Waldrappe im 17. Jahrhundert ausgerottet. Heute gibt es weltweit nur noch zwei Dutzend Exemplare, die in freier Wildbahn als Zugvögel leben.

Shorty hätte einer von ihnen werden sollen, als er sich auf seinem ersten Flug ins Winterquartier verirrte. Doch er kriegt eine zweite Chance: Von Goldau wollen ihn die Ornithologen zu seiner Kolonie in die Toskana transportieren. Anfang April soll er mit ihnen zurück in seine Heimat in Bayern fliegen. «Wenn er dann den Weg findet, hat sich der ganze Aufwand gelohnt», so Fritz.

Wie Shorty in der Schweiz auf Nahrungssuche geht, zeigt dieses Video:

Quelle: Youtube/

Tierschützer setzen Netzkanonen ein, wenn alle anderen Methoden scheitern. Im Oktober 2011 fingen sie in Deutschland eine Gans, um ihr einen Angelhaken aus der Schwimmhaut zu entfernen.

Quelle: Youtube/Vogelschutz

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