01.04.2020 18:28

Ansturm auf Rasierer und Scheren

Jetzt schneidet sich die Schweiz die Haare selber

Weil die Coiffeursalons geschlossen sind, legen viele selber Hand an. Bei Onlineshops gehen die Absätze von Haarschneidern und Scheren durch die Decke. Das verärgert die Coiffeurbranche.

von
Dominic Benz
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Weil alle Coiffeursalons geschlossen sind, müssen die 20-Minuten-Leser selber Hand anlegen: Hier schneidet die Tochter ihrem Vater die Haare. So sehen eure Corona-Frisuren aus:

Weil alle Coiffeursalons geschlossen sind, müssen die 20-Minuten-Leser selber Hand anlegen: Hier schneidet die Tochter ihrem Vater die Haare. So sehen eure Corona-Frisuren aus:

Leser-Reporter
Vorher, nacher.

Vorher, nacher.

Leser-Reporter
Diese Leserin hat laut eigenen Angaben «aus Verzweiflun»g die Haare selber geschnitten – vor dem Spiegel.

Diese Leserin hat laut eigenen Angaben «aus Verzweiflun»g die Haare selber geschnitten – vor dem Spiegel.

Leser-Reporter

Seit bald drei Wochen sind in der Schweiz fast alle Geschäfte geschlossen. Der Corona-Lockdown trifft auch die Coiffeursalons. Kunden können sich daher in dieser Zeit die Haare nicht professionell schneiden lassen.

Um die immer länger werdende Haarpracht zu bändigen, legen daher viele selber Hand an – und decken sich mit Coiffeur-Equipment ein. Das freut die Onlinehändler: Der Absatz von elektrischen Haarschneidern und Trimmern sowie Scheren geht derzeit durch die Decke.

Was bei euren Coiffeur-Künsten zuhause herausgekommen ist und wie eure Corona-Frisuren aussehen, seht ihr in der Bildergalerie oben.

Absätze vervielfacht

Digitec-Galaxus verzeichnet derzeit eine drastische Zunahme der Verkäufe. Derartige Absätze habe man bei diesen Produkten bisher noch nie gesehen, sagt Sprecher Rico Schüpbach zu 20 Minuten. Für ihn ist klar: «Der Anstieg ist auf die Corona-Krise zurückzuführen.»

Laut eigenen Angaben verkaufte die Migros-Tochter letzten Monat rund dreimal mehr elektrische Haarschneider und Trimmer als im März vor einem Jahr. Gegenüber dem Februar habe man 60 Prozent mehr Geräte versendet. Noch deutlicher ist die Zunahme bei den Coiffeurscheren. Gegenüber dem Vorjahr verkaufte Digitec-Galaxus im März 60-mal mehr Scheren, im Vergleich zum Februar sind es 14-mal mehr. Hoch im Kurs sind zudem Haarfärbemittel und Tönungen. Hier habe sich der Absatz vervierfacht.

Scheren könnten bald ausgehen

Genaue Stückzahlen will der Onlinehändler nicht nennen. Sprecher Schüpbach betont aber: «Allein im März haben wir mehrere Tausend Haar- und Effilierscheren verkauft.» Von den Trimmern und Haarschneidern verkaufe man normalerweise mehrere Hundert pro Jahr.

Zwar sind einige elektrische Haargeräte bereits ausverkauft und über mehrer Wochen nicht mehr lieferbar, doch grundsätzlich zeichnen sich laut Digitec-Galaxus momentan keine Engpässe bei den Geräten ab. Anders sieht es bei den Scheren aus. «Hier könnte es bald knapp werden», so Schüpbach.

Coiffeursalons beantragen Notkredite

Auch andere Onlinehändler verzeichnen einen gestiegenen Absatz. «Die Nachfrage nach Haarschneidern und Rasierern ist in unseren Onlineshops Microspot, Interdiscount sowie Fust in den letzten Wochen sehr stark gestiegen», teilt Coop auf Anfrage mit. Bei Brack registriert man seit rund zweieinhalb Wochen «einen steilen Anstieg bei den Haarschneidegeräten sowie Zubehör, ausserdem auch bei Haarfärbemitteln». Die Migros teilt hingegen mit, dass man einen «augenfälligen Anstieg» bei diesen Produkten noch nicht spüre.

Wie andere Branchen sind auch die Coiffeursalons wegen des Lockdowns in finanzielle Nöte geraten. Viele Geschäfte haben daher Überbrückungskredite von bis zu 10 Prozent des Umsatzes beim Bund beantragt.

«Viele haben Existenzängste»

Folglich haben einige Salons keine Freude daran, wenn die Bevölkerung sich nun auch noch selber die Haare schneidet. Eine Coiffeuse schreibt 20 Minuten: «Muss man das jetzt dringend machen? Kann das nicht warten, bis das Ganze überstanden ist? Es gibt genügend Gründe, wieso wir eine Lehre machen.» Viele in der Branche hätten momentan Existenzängste. «Wenn sich die Leute jetzt auch noch selber die Haare schneiden, verängstigt und verärgert das viele zusätzlich.»

Der Verband Coiffure Suisse hat auf eine Anfrage nicht reagiert. Auf der Website weist er aber darauf hin, dass Coiffeursalons ihre Dienstleistungen im Privaten nicht anbieten können. «Auch zu Hause dürfen Sie Ihren Beruf nicht ausüben», so der Verband.

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