Stadion Zürich am Ende: «Jetzt sind die Fans gefordert»
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Stadion Zürich am Ende«Jetzt sind die Fans gefordert»

Das Prestige-Projekt «Stadion Zürich» der Credit Suisse ist gestorben. Doch ein neuer Zürcher Fussballtraum steht in den Startlöchern. Was es nun brauche, sei die Mithilfe der Fans, findet die Stadt: «Wer einen Fussball-Hexenkessel will, soll eine Volks-Aktie kaufen.»

«Die Anwohner haben das Projekt „Stadion Zürich" zu Tode rekurriert», sagte die Zürcher Stadträtin Kathrin Martelli an der heutigen Medienkonferenz. Ein Ende der Rechtsverfahren sei nicht absehbar gewesen, was letztlich das Projekt zum Scheitern gebracht habe. Der Stadtrat sei sehr betroffen, dass der «tolle Wurf des Stadion Zürich scheiterte». Gestorben ist der Traum eines Fussballstadions aber nicht: Die Stadt Zürich hat mit den Zürcher Fussballclubs und der CS ein alternatives Projekt erarbeitet. «Mit dem neuen Projekt wird Zürich das erhalten, was es verdient – einen Fussball-Hexenkessel», so Martelli.

Das neue Konzept beinhaltet ein reines Fussballstadion mit 20 000 Plätzen und soll ohne Mantelnutzung erstellt werden. Dazu ist eine Landaufteilung des Stadiongebietes zwischen der CS und der Stadt nötig. Auf rund 30 000 Quadratmeter soll die neue Arena entstehen, während auf der übrigen Fläche von rund 60 000 Quadtratmeter Büro- und Wohnraum von der CS erstellt werden. Die Bank selbst investiert kein Geld mehr in das Projekt, sondern sucht nur noch Investoren.

Volks-Aktiengesellschaft soll Geld auftreiben

Folglich wird die Stadt das Investitionsvolumen von rund 100 Millionen Franken für die Arena selbst tragen müssen. Die Finanzierung soll durch eine «Volks-Aktiengesellschaft» gesichert werden, wo neben der Stadt, die beiden Zürcher Fussballclubs GC und FCZ sowie mögliche Investoren beteilitgt sein sollen. «Vor allem sind aber auch die Fans gefragt», führte Stadtrat Martin Vollenwyder aus. Die Idee der Volks-Aktie ist es, dass die Fans sich selbst am Stadionbau beteiligen können. «Kaufen nur 10 000 Fans eine Aktie à 100 Franken, ist das bereits eine Million», so Vollenwyder. Seine Hoffnung ist es, dass die Aktie ein Kultgut werde. «Wenn alle, die nach einem reinen Fussballstadion schreien, sich beteiligen, steht dem Projekt nichts im Wege.» Tatsächlich benötigt die Stadt mindestens 20 Millionen Franken Eigenkapital für das neue Projekt.

Clubs sind «sehr glücklich»

Mit den 20 000 Plätzen fällt der neugeplante Bau deutlich kleiner aus als das ursprüngliche Stadion, dürfte dennoch genügend Platz für Fans beider Zürcher Clubs bieten (siehe auch Zuschauerzahlen). Und die Platzanzahl genüge höchsten internationalen Ansprüchen, wie Stadträtin Martelli betonte: «Trotz der kleinen Dimension könnte selbst ein Championsleague-Halbfinale darin stattfinden.» Entsprechend zufrieden sind die Clubs mit dem Bau.

«Wir sind sehr glücklich und stehen zu 100 Prozent hinter dem neuen Projekt», sagte GC-Geschäftsführer Martin Blaser. Die Wende hin zu einem reinen Fussballstadion ohne Mantelnutzung sei sehr sinnvoll. Ähnlich äusserte sich auch Ancillo Canepa. Nur der Zeitplan macht dem FCZ-Präsidenten Sorgen: «Wir können nur hoffen, dass der Bau von Rekursen verschont bleibt.» Ein indirekte Bitte an die Anwohner, die mit zahlreichen Beschwerden das ursprüngliche Projekt zum Scheitern brachten. «Jetzt wird es ein kleineres und reines Fussballstadion», sagte Canepa: «die bisherigen Rekursgründe sind damit weggefallen.»

Ein Hoffnung, die auch Stadträtin Kathrin Martelli hegt: «Die Anwohner versicherten in den Gesprächen nicht gegen ein reines Fussballstadion zu rekurrieren – nun können wir nur noch hoffen.» Das Scheitern des bisherigen Projektes sei nicht nur traurig, sondern auch frustrierend gewesen. Zudem kostete es die Stadt einen tiefen einstelligen Millionenbetrag, wie Martelli erklärte.

Anwohner wehren sich gegen «Verhinderer-Image»

Das neue Projekt sei eine gute Lösung in vernünftiger Grösse, findet IG Hardturm Co-Präsidentin und SP-Kantonsrätin Monika Spring. «Sofern die Baugesetze eingehalten werden, sehen wir bis jetzt keinen Grund für Einsprachen», sagte sie weiter.

Gleichzeitig wehrt sich die SP-Kantonsrätin gegen das «Verhinderer-Image» ihrer Anwohner-Gemeinschaft. «Wären beim alten Projekt die Baugesetze eingehalten worden, hätten wir vor Gericht keine Chance gehabt.» Das Gesetz sei aber an mehreren Orten verletzt worden.

Stadion soll 2014 stehen

Die Baubewilligung für den neuen Zürcher Fussballtraum wird für 2011 erwartet. Im besten Fall könnte das neue Stadion dann 2014 eröffnet werden. «Es soll aber nicht irgendeine Arena werden, sondern ein städtebauliches Zeichen», kündigte Martelli an. Ein kleiner, aber toller Wurf – der Stadt und den Fans gerecht werde. Die geplanten 100 Million Franken Investitionsvolumen seien dazu ausreichend.

Lange Leidensgeschichte

2003 gab die Stadion-Betreiberin Stadion Zürich AG, eine Tochtergesellschaft der Credit Suisse, bekannt, dass sie ihr Stadion im Hardturm durch das aus dem durchgeführten Wettbewerb hervorgegangene Projekt ersetzen wolle. Dieses sah für den Neubau mit 30 700 Sitzplätzen eine Mantelnutzung vor, die eine Shopping-Mall mit Gastronomie, ein Konferenzhotel, einen Bereich mit Fitness- und Gesundheitsangeboten sowie ein Bürohochhaus umfassen würde.

Gegen das Projekt legten Anwohner und schliesslich der VCS immer wieder Einsprachen ein, welche den Bau verhinderten. Um Zürich als Euro 2008-Spielstätte zu retten, musste die Stadt das Letzigrund-Stadion in Rekordzeit neu bauen.

Der ehemalige GC-Präsident Fritz Peter im Dezember 2008 zum Abbruch des alten Hardturmstadions:

$$VIDEO$$

(Video: 20 Minuten Online: Mathieu Gilliand)

(amc/am/sda)

Letzigrund wird aufgerüstet

Der neue Fussballtempel wird frühestens 2014 fertig. Als Übergangslösung werden sich der FC Zürich und der Grasshoppers-Club Zürich weiterhin mit dem Letzigrund zufrieden geben müssen, wie der Stadtrat an der Medienkonferenz erklärte. Nach den Zwischenfällen der vergangenen Wochen und der harschen Kritik am Letzi (20 Minuten Online berichtete) plant der Stadtrat dort aber bauliche Massnahmen. Geplant sind mehr Toiletten ausserhalb des Stadions sowie mehr Getränke- und Essständen im Stadion, vor allem aber bessere Sicherheitsvorkehrungen. Wie diese konkret aussehen werden, konnte Stadträtin Kathrin Martelli noch nicht nennen: «Sicher ist, dass die Massnahmen keine Millionen kosten dürfen und ein Provisorium bleiben.»

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