Frühlingswetter: «Jetzt sind Zecken besonders aktiv»

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Frühlingswetter«Jetzt sind Zecken besonders aktiv»

Die milden Temperaturen locken viele Menschen nach draussen. Das bietet Zecken neuen Nährboden. Ein Experte sagt, wie man sich schützen kann.

von
F.Dubler
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Ab 7 Grad werden die Zecken wieder aktiver und lauern auf Blättern und Ästen.

Ab 7 Grad werden die Zecken wieder aktiver und lauern auf Blättern und Ästen.

Patrick Pleul
Eine Zecken-Nymphe ist im Entwicklungsstadium zwischen Larve und adultem Tier. Sie ist lediglich einen Millimeter lang.

Eine Zecken-Nymphe ist im Entwicklungsstadium zwischen Larve und adultem Tier. Sie ist lediglich einen Millimeter lang.

ZHAW, Frank Brüderli
Schützen kann man sich gegen einen Zeckenstich durch langarmige Kleidung, eine Kopfbedeckung, geschlossene Schuhe und die Impfung gegen Zecken-Enzephalitis. Auch Insektensprays können helfen.

Schützen kann man sich gegen einen Zeckenstich durch langarmige Kleidung, eine Kopfbedeckung, geschlossene Schuhe und die Impfung gegen Zecken-Enzephalitis. Auch Insektensprays können helfen.

Keystone/Lukas Lehmann

Die letzte Kältewelle hatte es in sich. Doch seit einigen Tagen beschert uns Petrus milderes, sonnigeres Wetter. Das zieht die Menschen in Massen ins Freie – und erhöht die Gefahr eines Zeckenstichs.

Trotz der eisigen Kälte dürften die meisten Krabbeltierchen überlebt haben, wie Werner Tischhauser, Zeckenforscher an der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW), sagt. «Zecken sterben erst ab, wenn es über mehrere Tage lang nicht wärmer als -14 Grad ist. Dazu reichte die Kältewelle nicht aus.» Sobald die Temperaturen 7 Grad übersteigen, würden die Spinnentiere aktiv werden und sich zum Wachstum neue Blutquellen suchen.

Höchststand bei Zecken-Enzephalitis-Fällen

So kommt es, dass in den Monaten März bis Juli am meisten Stiche verzeichnet werden. Grosse Sommerhitze reduziert die Zeckenaktivität, die Stichzahlen gehen dann markant zurück. Deshalb sei jetzt erhöhte Vorsicht geboten, wenn man sich im Wald, hohen Wiesen oder städtischen Naherholungsgebieten aufhalte. Die Tierchen lauern in der bodennahen Vegetation sowie im Unterholz und lassen sich von vorbeikommenden Tieren oder Menschen abstreifen.

Menschen müssen sich vor allem vor den Zecken-Nymphen, also dem Stadium zwischen Larve und erwachsener Zecke, in Acht nehmen, weil diese potenziell mit Erregern geladen sind. Auf Tieren lassen sich eher die adulten Zecken nieder. Beim Stich übertragen sie Erreger, die Krankheiten wie Borreliose oder Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) auslösen können.

Von letzterer Krankheit verzeichnete das Bundesamt für Gesundheit letztes Jahr 273 Fälle, was dem höchsten Wert seit 1988 und dem Beginn der FSME-Meldepflicht entspricht. 24'000 Arztbesuche wurden wegen Zeckenbissen registriert. Borreliose-Fälle gab es im Jahr 2017 rund 9000.

Gefahr im Freien

Auch Zeckenexperte Tischhauser verzeichnet mit der Präventions-App Zecke, die er an der ZHAW entwickelt hat, eine Zunahme. «Tendenziell werden immer mehr Fälle registriert und Menschen in Zusammenhang mit Zeckenstichen behandelt.» Der Grund dafür seien aber nicht zwingend mehr Zecken, deren Bestand man nicht abschätzen könne.

Schuld sei vielmehr das Verhalten der Menschen im Freien. «Viele halten sich mit Kurzarmkleidung an hochfrequentierten Orten in der Natur auf, wo es viele Zecken hat. Das kann beim Sport, Picknick oder Grillieren sein.» So sei die Gefahr eines Stichs gross.

Richtige Bekleidung kann schützen

Deshalb empfiehlt Tischhauser, sich so weit es geht zu schützen. «Langarm-Kleidung, geschlossene Schuhe und Kopfbedeckung reduzieren das Risiko eines Zeckenstichs. Besonders Kinder werden oft im Kopf- und Halsbereich gestochen», sagt der Forscher.

Gegen Zecken-Enzephalitis gebe es zudem eine Impfung, so Tischhauser. Insektensprays könnten ebenfalls helfen, jedoch komme es auf den eigenen Körpergeruch an, ob diese auch wirksam seien. Wirke der Körpergeruch auf Zecken stark anziehend, nütze ein Zeckenspray nur mässig.

In jedem Fall rät Tischhauser, den Körper nach dem Aufenthalt im Freien nach Zecken abzusuchen und diese sofort mit einer Pinzette oder notfalls den Fingernägeln zu entfernen.

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