Trendwende: Jetzt sinken in der Schweiz endlich die Mieten

Aktualisiert

TrendwendeJetzt sinken in der Schweiz endlich die Mieten

Jahrelang sind die Mieten in der Schweiz gestiegen. Der Anstieg ist nun vorbei. Erstmals stagnieren die Mieten – oder sinken sogar leicht.

von
kwo

Gute Nachricht für die Mieternation Schweiz: Die Mieten haben ihren Plafond erreicht. So ergab sich für das vierte Quartal 2015 im Vergleich zum Vorjahresquartal erstmals seit langem eine Stagnation. Im Zeitraum von 2005 bis 2015 waren die Mieten um insgesamt 29 Prozent gestiegen. Pro Jahr betrug der Anstieg im Schnitt 2,6 Prozent, wie aus dem neusten Immo-Monitoring von Wüest & Partner hervorgeht.

Zur Trendwende hätten vor allem Mietpreisrückgänge im hohen Preissegment in den Mieterhochburgen Kanton Zürich und Genfersee-Region beigetragen. Auch in den kommenden Quartalen werde nur noch in wenigen Regionen mit einem Preisanstieg gerechnet, heisst es in dem Bericht weiter. Hauptgrund für den Rückgang sei die rege Bautätigkeit bei den Mietwohnungen. «Damit konnte einerseits ein Nachfrageüberhang aus der Vergangenheit abgebaut werden, andererseits kann die durch das Bevölkerungswachstum ausgelöste Zusatznachfrage nun ebenfalls besser befriedigt werden», schreiben die Experten von Wüest & Partner.

Agglo besser als Stadt

Schaut man die Analyse im Detail an, so zeigt sich: Besonders entspannen dürfte sich die Lage in Gemeinden ausserhalb der Zentren und Agglomerationen, also auf dem Land. Weniger gut sieht es hingegen in den Städten aus, allen voran Zürich. In der grössten Schweizer Stadt stiegen die Mieten auch im letzten Quartal 2015 im Vergleich zum Vorjahr noch um 1,2 Prozent.

Experte Dominic Hidas, Geschäftsführer der Immobilienfirma Hidas Estates, hat hierfür eine Erklärung: «In der Stadt steigen die Preise weiterhin, da hier immer noch ein Mangel herrscht.» Das Gesamtbild sei somit durch die Verbesserung in den Agglomerationen verfälscht worden. Dort werde sich die Entspannung aber fortsetzen. Im Stadtgebiet hingegen sei von Entspannung keine Rede, kleinere Wohneinheiten oder Familienwohnungen zum bezahlbaren Preis seien weiterhin eine Seltenheit.

Prognosen für 2017

Im kommenden Jahr werde sich das Angebot an Mietwohnungen über die gesamte Schweiz hinweg betrachtet weiter erhöhen, was sich preisdämpfend auswirke, schreiben die Experten von Wüest & Partner. Hinzu kommt, dass der hypothekarische Referenzzinssatz* laut ihrer Analyse gleich bleiben sollte, nämlich bei einem Wert von 1,75 Prozent.

Personen auf der Suche nach günstigen Wohnungen hilft das allerdings nur begrenzt, denn die Nachfrage nach preisgünstigen Wohnungen wird wohl anhalten. So würden derzeit in den Suchabos der Immobilienwebsites zu 38 Prozent Kleinwohnungen gesucht. Im Angebot seien diese hingegen nur zu 25 Prozent enthalten

Auch zum Einfluss der Politik äussern sich die Studienautoren. Die Volksinitiative «Mehr bezahlbare Wohnungen», für die derzeit noch gesammelt wird, könnte bei Zustandekommen zu einer weiteren Abschwächung der Preise führen. Die Initianten fordern eine Erhöhung des preisgünstigen Wohnungsbaus und eine Einführung von Bauland-Vorkaufsrechten für Gemeinden.

*Die Berechnung des durchschnittlichen Hypothekarzinssatzes basiert auf einer von der Nationalbank im Auftrag des Bundes durchgeführten quartalsweisen Erhebung. Diese erfolgt bei Banken, deren inländische Hypothekarforderungen den auf Franken lautenden Gesamtbetrag von 300 Millionen Franken übersteigen.

Videoüberwachung illegal

Auch nach Einbrüchen oder Vandalenakten darf ein Vermieter in allgemein zugänglichen Bereichen einer Liegenschaft mit Mietwohnungen nicht in allen Fällen Überwachungskameras installieren. Das hat das Bundesgericht entschieden. Entscheidend ist, ob mit den Aufnahmen die Persönlichkeitsrechte der Bewohner widerrechtlich verletzt werden. Das Bundesgericht hatte zum ersten Mal über einen solchen Fall zu befinden. Eine klare Regelung, in welchen Fällen eine Videoüberwachung zulässig ist oder nicht, liefert das heute publizierte Urteil nicht. Entscheidend sind nämlich immer die Umstände des jeweiligen Einzelfalles.

Teure Eigentumswohnungen

Die Preise für Eigentumswohnungen steigen weiter. Grund dafür ist vor allem, dass professionelle Bauherren schneller als erwartet Projekte gestoppt haben. Das heisst jedoch nicht, dass der Bauboom ungebremst weitergehen wird. Wüest & Partner war sich im letzten Herbst sicher: Das stete Aufwärts der Preise am Wohnungsmarkt hat 2016 ein Ende. Konkret prognostizierte das Beratungsunternehmen, dass die Preise für Eigentumswohnungen im laufenden Jahr um 0,6 Prozent fallen, Mieten von angebotenen Wohnungen sollten sich um 0,3 Prozent reduzieren. Drei Monate später sieht sich Wüest & Partner zur Korrektur bei den Eigentumswohnungen gezwungen. Die neue Prognose lautete auf ein Plus von 0,4 Prozent.

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