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KrähenattackeJetzt sollen die Krähen in die Falle gehen

In Bern hackten aggressive Krähen Passanten in den Kopf, einem Mobile Reporter von 20 Minuten Online versetzten Krähen gar eine blutige Fleischwunde. Auch im Waadtland hat man Probleme mit dem schwarzen Federvieh – und eine neue Strategie zur Bekämpfung.

«Der Angriff war wie im Hitchcock-Film», «ich spazierte mit meinen Hunden einem Weiher entlang, als sich zwei Krähen auf mich stürzten», «der Schock sitzt mir immer noch im Nacken»: In diesem Frühjahr häuften sich in der Schweiz die Meldungen über Angriffe von Vögeln auf Menschen. Oft in der Rolle des Angreifers: die Krähen. Doch nicht nur die Angriffe sorgen für Diskussionen, auch die Landwirte leiden unter den Vögeln. Ein Beispiel aus dem Kanton Waadt.

Im Kanton Waadt gibt es rund 100 000 Krähenpaare, die ein Territorium verteidigen und keine Probleme machen. Anders sieht es bei jenen Krähen aus, die sich aus Platzmangel nicht fortpflanzen können und in der Landwirtschaft grosse Schäden anrichten, wie der kantonale Wildaufseher Sébastien Sachot gegenüber der Nachrichtenagentur SDA erklärte.

Die lärmigen Jungvögel leben zu Hunderten oder gar zu Tausenden in der Nähe von Städten, vor allem an der Riviera des Genfersees. Tagsüber fallen sie gerne über Abfallkörbe her. Sie scheuen sich auch nicht, in Friedhöfen Blumentöpfe nach Gewürm zu durchsuchen.

Oder sie schwärmen aufs Land. Die Krähen lieben junge Maissprösslinge über alles, ebenso die zarten Knospen von Reben oder Fruchtbäumen - gar nicht zur Freude der Bauern.

Keine Entschädigung

Für die Verluste erhalten die Bauern im Kanton Waadt nämlich keine Entschädigung. Früher plünderten sie im Frühling jeweils die Nester, was die Population der Krähen regulierte. Doch dies wurde 1986 durch ein kantonales Gesetz verboten.

Die Wildaufseher versuchten in der Folge, die Krähenpopulation durch den Abschuss überzähliger Tiere zu regulieren - doch der erhoffte Erfolg blieb aus. «Die Krähen sind intelligent, sie erkennen unsere Fahrzeuge. Da die Vögel bis zu 17 Jahre alt werden, mussten wir unser Vorgehen ändern», erklärt Sachot.

Jagd mit Fallen

Die Landwirte sollen nun Käfige von zwei Metern Höhe und einem Meter Breite aufstellen. Kostenpunkt: rund 600 Franken. Geködert werden die Vögel mit Nahrung oder durch Artgenossen.

Die Tötung wird vom kantonalen Tierarzt vorgeschrieben: die Vögel müssen zuerst in Schlaf versetzt werden. Bei dieser Methode sei zwar ein täglicher Besuch der Felder nötig; sie sei jedoch wirksamer als das Abschiessen, sagt Sachot.

Viele Methoden - aber kein Wundermittel

Ausserdem gebe es noch eine «prähiostorische» Methode, um Rabenvögel in die Flucht zu schlagen. Sie bestehe darin, zur Abschreckung der Artgenossen eine tote Krähe auf ein Feld zu legen. Dieses Vorgehen sei relativ effizient. Auch der Einsatz von Raubvögeln wirke abschreckend. Diese Methode werde zunehmend angewendet.

Für Sachot gibt es jedoch kein Wundermittel. Jeder Kanton habe sein eigenes Vorgehen. Auf den Einsatz von Chemie will der Kanton Waadt verzichten. Im Kanton Bern hatte ein solcher Einsatz vor drei Jahren zu heftigen Protesten geführt und wurde wieder abgebrochen.

Dieser freche Vogel attackierte keinen Menschen, sondern klaute ein Stück Fleisch von einem Balkongrill (Bild: Mobile-Reporter).

(mlu/sda)

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