Pädophilie-Prozess in Solothurn: «Jetzt spielen alle Detektiv»
Aktualisiert

Pädophilie-Prozess in Solothurn«Jetzt spielen alle Detektiv»

Unter anderem im Skilager suchte ein 60-Jähriger sexuelle Kontakte zu Minderjährigen. Nun wurde er zu einer Haftstrafe von drei Jahren verurteilt. Im Bezirk ist der Schock gross.

von
cho/nc
Der Fall wurde im Bezirksgericht Bucheggberg-Wasseramt verhandelt.

Der Fall wurde im Bezirksgericht Bucheggberg-Wasseramt verhandelt.

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Es sind happige Vorwürfe, die die Staatsanwaltschaft des Kantons Solothurn gegen einen 60-jährigen Mann erhebt. Er soll unter anderem mehrfach sexuelle Handlungen mit Kindern vorgenommen und ihnen Alkohol zur Verfügung gestellt haben. Am Dienstag hat das Richteramt Bucheggberg-Wasseramt den Angeklagten nun teilweise für schuldig erklärt.

Das Gericht sah die Tatbestände der mehrfachen Pornografie, der mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern und des Verabreichens von gesundheitsgefährdenden Stoffen an Kindern teilweise als erfüllt an. Der Mann wurde zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren verurteilt. Diese wird zugunsten einer stationären therapeutischen Massnahme aufgeschoben.

Mit dem Auto zur Schule gefahren

«Im Bezirk Wasseramt herrscht grosse Aufregung und Betroffenheit. Wir wussten alle nichts davon, bis wir gestern aus den Medien davon erfuhren», sagt eine Leser-Reporterin. «Hier kennt jeder jeden und nun wird wild spekuliert, wer der Übeltäter sein könnte.» Das sorge für Unsicherheiten innerhalb der Bevölkerung: «Einige Mütter wollen ihre Kinder deswegen nicht mehr zur Schule laufen lassen», sagt sie.

Ausserdem hätten viele kein Verständnis, dass die Einwohner nicht über die Übergriffe informiert wurden, schliesslich müsse man seine Kinder schützen können. Auch bei den Jungen sei der Pädophile das Thema Nummer eins. «Ich bin mir sicher, dass ich mit seinen Opfern zur Schule ging. Aber niemand weiss, wer die Jungs sind, an denen er sich vergriffen haben soll», so die Solothurnerin. «Jetzt spielen alle Detektiv.» Die Stimmung im Dorf sei sehr merkwürdig.

Stationäre therapeutische Massnahme

Das Bezirksgericht Bucheggberg-Wasseramt hat den Beschuldigten am Dienstag nicht nur wegen der oben genannten Delikte verurteilt, sondern eine Teilstrafe von 2007 wiederrrufen und für vollziehbar erklärt.

Die Staatsanwaltschaft hatte in ihrem Plädoyer am Montag vier Jahre Gefängnis und eine stationäre Behandlung gefordert. Gemäss Radio 32 gestand der Angeklagte seine Schuld nicht ein. Die Verteidigung hatte eine mildere Strafe von einem Jahr und neun Monaten verlangt. Das Argument: Die Geschädigten seien älter als 14 Jahre gewesen.

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