Töffgangs bekämpfen sich: Jetzt spricht der Hells-Chef über den Rocker-Krieg von Belp
Aktualisiert

Töffgangs bekämpfen sichJetzt spricht der Hells-Chef über den Rocker-Krieg von Belp

Die Aussagen unterscheiden sich teilweise und lassen doch tief blicken: Erstmals werden konkrete Details um das blutige Aufeinandertreffen von Hells Angels, Broncos und Bandidos vom Mai 2019 bekannt.

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In Belp BE war am Samstagabend, 11. Mai 2019 ein Polizeieinsatz um einen Revierkampf von Rockergangs im Gang.

In Belp BE war am Samstagabend, 11. Mai 2019 ein Polizeieinsatz um einen Revierkampf von Rockergangs im Gang.

Foto: Leser-Reporter
Anwohner sprachen von Schüssen und Männern mit Baseballschlägern.

Anwohner sprachen von Schüssen und Männern mit Baseballschlägern.

Leser-Reporter
«Drei Personen wurden beim Vorfall verletzt, zwei davon schwer», teilte Kapo Sprecherin Jolanda Egger damals mit.

«Drei Personen wurden beim Vorfall verletzt, zwei davon schwer», teilte Kapo Sprecherin Jolanda Egger damals mit.

Leser-Reporter

Darum gehts

  • Mitglieder von Hells Angels und Broncos gingen am 11. Mai 2019 auf Rocker der Bandidos los.

  • Bei dem Streit handelte es sich um einen Revierkampf.

  • Ein Tätowierer aus Bern sitzt seither in U-Haft. Er schoss beim Vorfall auf Menschen.

  • Laut dem Hells-Chef soll sich ein solcher Zwischenfall nicht wiederholen.

Noch immer ist unklar, was sich am 11. Mai 2019 in Belp BE genau zugetragen hat. An jenem Nachmittag kam es zur blutigen Fehde zwischen Anhängern der Zürcher Hells Angels, der Berner Broncos und der Bandidos, die in der Schweiz noch nicht richtig Fuss fassen konnten. Recherchen der «Sonntagszeitung» bringen nun ein wenig Licht ins Dunkel. Alles begann an einem Töfftreffen in Murten FR, als einige Bandidos ihre Lederkutte offen zur Schau trugen. Am selben Abend feierten rund ein Dutzend Bandidos an der Steinbachstrasse in Belp den Geburtstag eines Kollegen. Dabei waren auch ehemalige Broncos-Mitglieder, die wegen ihrer Bandidos-Sympathien aus dem Club geworfen worden waren, anwesend.

Die ausgelassene Verhalten der Konkurrenz passte den Hells Angels offenbar nicht und aus diesem Grund tauchten sie sie um 18 Uhr beim Fest in Belp auf. Dafür hatten sie beim befreundeten Motorradclub Broncos Unterstützung angefordert. Bezüglich Tathergang unterscheiden sich die Versionen der beiden Lager. Wie die Zeitung schreibt behaupten die Angreifer, sie hätten die Bandidos lediglich «zur Rede stellen wollen». Die Gegenseite spricht hingegen davon, dass sie «unvermittelt angegriffen» wurde.

Tätowierer feuerte Schüsse ab

Unter den geladenen Gästen war auch ein Tätowierer aus Bern. Der Bandidos-Sympathisant hat einem Gegner eine Waffe über den Kopf gezogen, wie er selber aussagte. Dabei habe sich ein Schuss gelöst. Diesr habe zur völligen Eskalation geführt: Broncos hätten mit Holzlatten auf Bandidos eingeschlagen, diese hätten sich versucht mit Messern und Warnschüssen in die Luft zu verteidigen. Schliesslich soll ein Auto der Hells Angels auf die Bandidos zugerast sein – der Tätowierer feuerte mehrere Kugeln auf die Insassen. Ein Mann wurde von einer Kugel in die Brust getroffen und musste notoperiert werden. Insgesamt wurden drei Männer verletzt.

Der Berner Tätowierer sitzt heute noch in Untersuchungshaft. Er war nach einer ersten Einvernahme bei der Polizei untergetaucht. Weit kam er nicht: «Er verlässt die Liegenschaft nie und lässt sich das Essen dorthin liefern», heisst es im Protokoll, das die Polizisten erstellten, die den Mann beschatteten. 6300 Franken fanden die Beamten bei der Hausdurchsuchung. Diese waren im Kühlschrank gelagert. Der Angeklagte wartet seither auf den Prozess. Sein Anwalt Beat Luginbühl: «Als er zur Waffe griff, geschah dies aus Notwehr. Wir werden das vor Gericht so geltend machen.» Wann der Prozess stattfindet, kommunizieren die Behörden noch nicht.

Frieden zwischen den Clubs?

Patrick «Hemi» Hermetschweiler, Präsident der Zürcher Hells Angels, äussert sich gegenüber der «Sonntagszeitung» erstmals zum Zwischenfall von Belp: «Durch bereits gemachte Agreements unter allen beteiligten Clubs sollen Zwischenfälle wie in Belp in Zukunft verhindert werden.» Laut dem Rocker-Chef würden die Motorradclus in der Schweiz ein «freundschaftliches und friedliches» Verhältnis pflegen. Die Clubs würden sich dafür einsetzten, dass dies so bleibe. Laut Recherchen der Zeitung arbeiten die Bandidos jedoch daran, sich hierzulande niederzulassen: Die Gründung eines eigenen Chapters soll bevorstehen.

Rocker in der Schweiz

Die Hells Angels aus Zürich sind die vorherrschende Rockergang der Schweiz. Seit 1970 sind sie hierzulande aktiv – als erster europäischer Ableger aus den USA. Sie waren laut dem Bundesamt für Polizei etwa massgeblich daran beteiligt, dass sich ein anderer Motorrad-Club in der Schweiz auflöste: die Black Jackets. Seit einiger Zeit hält sich hartnäckig das Gerücht, dass die Rockergruppe Bandidos in der Schweiz einen eigenen Ableger gründen will. Die Gruppe ist bereits in vielen europäischen Ländern aktiv, etwa in Deutschland, Frankreich oder Italien. Die Hells Angels wollen dies verhindern. Dabei mischen auch die Berner Broncos mit. Diese handeln nach eigener Aussage nicht mehr illegal, sie pflegen jedoch ein nahes Verhältnis zu den Hells aus Zürich und es kommt nicht selten vor, dass sich Broncos vor der Justiz verantworten müssen.

(cho)

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