Lufthansa-Aktionäre stimmen Rettungspaket zu

Am Donnerstagmittag steht die Zukunft der Lufthansa und ihrer Töchter Swiss und Edelweiss auf dem Spiel. Die Aktionäre entscheiden, ob sie das Hilfspaket akzeptieren. Verfolge die Lufthansa-Hauptversammlung ab 12 Uhr im Live-Ticker.

Deine Meinung

Donnerstag, 25.6.2020

Zusammenfassung

Nach einer wochenlangen Zitterpartie ist die staatliche Rettung der Lufthansa vor einer durch die Corona-Krise verursachten Pleite beschlossene Sache. Die Aktionäre gaben am Donnerstag auf einer ausserordentlichen Hauptversammlung grünes Licht für das bis zu neun Milliarden Euro schwere Finanzpaket des Bundes.

Sie stimmten mit 98,04 Prozent für eine Kapitalerhöhung, mit der deutsche Staat mit 20 Prozent bei der Fluggesellschaft einsteigt, wie Aufsichtsratschef Karl-Ludwig Kley sagte. Die Lufthansa-Spitze hatte gewarnt, ohne die Kapitalspritze drohe eine Insolvenz und der Totalverlust für die Aktionäre. Die Lufthansa-Aktie baute nach der Abstimmung ihre Kursgewinne im Späthandel aus und stieg um 9,1 Prozent auf 10,47 Euro. (reu)

Die Pause ist zu Ende. Die Hauptversammlung wird fortgeführt. Karl-Ludwig Kley verkündet das Abstimmungsergebnis: 98,04 Prozent Ja-Stimmen: Die Swiss und die Lufthansa können also aufatmen, ihre Rettungspakete sind gesichert.

Die Abstimmung des einzigen Tagungsordnungspunkt ist beendet. Es läuft die Datenerfassung, die etwa 10 Minuten dauern soll.

Fragerunde beendet

Die Fragerunde ist zu Ende. Es folgt eine kurze Pause, bis es zur Abstimmung über das Rettungspaket geht.

Die Fragestunde läuft mittlerweile seit etwa 5 Stunden. Die Aktionäre stellten deutlich über 600 Fragen. Das Informationsbedürfnis der Aktionäre ist gross. Viele Fragen sind aber fast identisch, weshalb sich der Aufsichtsrat in seinen Antworten oft wiederholt.

22'000 Stellen überzählig

Nun folgen personalbezogene Fragen: Betriebsbedingte Kündigungen wolle die Lufthansa mindestens bis Juni nächsten Jahres vermeiden, sagt Niggemann. Die Beschäftigung des Kabinenpersonals sei vorerst gesichert, eine Restrukturierung in allen Unternehmungen der Gruppe sei aber unausweichlich. Rund 22'000 Vollzeitstellen seien überzählig, davon etwa die Hälfte in Deutschland. Neuanstellungen gebe es seit einiger Zeit nicht mehr.

1 Million Verlust pro Stunde

Die flüssigen Mittel der Lufthansa reichen nicht mehr lange. Pro Stunde verliere die Lufthansa etwa eine Million Euro. Laut CEO Spohr müsste das Unternehmen kurz nach der Hauptversammlung einen Insolvenzantrag anmelden. Fusionen mit anderen Airline-Gruppen sind laut Spohr nicht in Betracht gezogen worden.

Slot-Verkäufe

Weitere Aktionäre sind mit Fragen an der Reihe. Sie wollen wissen, was die vorgesehene Abtretung von Start- und Landerechten an den Flughäfen München und Frankfurt bedeutet. Welche dieser sogenannten Slots verkauft werden und an welche Wettbewerber sie gehen, sei noch nicht bekannt, sagt Aufsichtsratsmitglied Niggemann. Zuerst sollten aber nur neue Wettbewerber die Slots bekommen. Die Lufthansa erwarte ein langsames Hochfahren des Flugverkehrs, deshalb seien die Effekte der Veräusserung gering.

Grossinvestor hakt nach

Der Grossinvestor Heinz Hermann Thiele lässt mehrere Fragen an den Aufsichtsrat stellen. Unter anderem fragt er, ob die staatlichen Präventionsmassnahmen wirklich verhältnismässig waren. Lufthansa-CEO Spohr verweist auf die unklare Situation, sagt aber auch, dass es im Nachgang widersprüchliche Meinungen dazu geben wird. Thiele will auch wissen, warum die Lufthansa nicht wie Fluglinien in anderen Ländern Unterstützung ohne Staatsbeteiligung bekommt. Spohr relativiert, dass auch andere Airlines staatliche Unterstützung in Anspruch nahmen, die an politische Bedingungen wie Klimaziele geknüpft sind.

Nun beantwortet CEO Spohr Fragen von Aktionären zu Grossinvestor Heinz Hermann Thiele. Eine Aktionärin will wissen, wie viel Einflussmacht er hat. Spohr sagt, Aktionäre könnten mit Wortmeldungen und dem Abstimmungsverhalten Einfluss nehmen. Weiteres wolle er dazu nicht sagen. Konkrete Finanzierungstools habe Thiele dem Lufthansa-Vorstand nicht unterbreitet.

Der Staat sitzt im Aufsichtsrat

Ein weiterer Kritikpunkt der Aktionäre ist der Einsitz der Regierung im Aufsichtsrat. Diese seien Bedingung der Verhandlungen gewesen, sagt Niggemann. Die Bundesregierung habe zugesichert, nicht in die operativen Arbeiten einzugreifen. Ein weiterer Aktionär will wissen, ob die Vertreter der Regierung im Lufthansa-Aufsichtsrat ihr Salär spenden werden. Niggemann antwortet, dazu habe es keine Regelung gegeben.

Tieferer Aktienkurs

Mehrere Aktionäre kritisieren die Verwässerung des Aktienkurses durch die Neuauflage der Aktien für den deutschen Staat. «Es wird zu einer Verwässerung der Aktie kommen», bestätigt Niggemann. Eine andere Möglichkeit sei aber nicht verhandelbar gewesen. Ausserdem sei der Effekt bereits im heutigen Kurs reflektiert.

Bund verhandelte hart

Viele Aktionäre wollen wissen, warum der Bund die Lufthansa-Aktien zum Vorzugspreis bekommt. Niggemann sagt, das sei der Nennwert der Aktie und spiegle das Verhandlungsergebnis wieder und sei in Abstimmung mit der EU-Kommission gewesen. Bei einem Insolvenzverfahren hätte der Totalverlust gedroht, ergänzt er.

Schnelle Rückzahlung geplant

Der deutsche Staat soll die Aktienanteile bis Ende 2023 zurückgeben. Voraussetzung ist, dass alle Kredite zurückgezahlt sind. Ob das realistisch ist, scheint aber unklar. Die Lufthansa plane die schnellstmögliche Rückzahlung der Instrumente des Finanzpakets, sagt Vorstandsmitglied Niggemann.

Jetzt beantwortet Lufthansa-Vorstandsmitglied Michael Niggemann weitere Fragen. Die Sparanstrengungen würden nicht ausreichen, um aus der Krise zu kommen. Eine Deckung des gesamten Liquiditätsbedarf von 9 Millionen Euro sei ohne das Finanzpaket nicht möglich. Fragen zu alternativen Finanzierungsquellen will er nach Spohr nicht nochmals beantworten.

Suche nach Alternativen

Zahlreiche Aktionäre wollen wissen, warum die Lufthansa den Deal mit dem Staat eingegangen ist und ob es keine privaten Investoren mit besseren Bedingungen gegeben hätte. Lufthansa-CEO Spohr verteidigt den Deal und sagt, dass es dazu keine Alternative gegeben habe. Eine ausschliessliche Fremdkapitalfinanzierung hätte zu einer hohen Schuldenlast geführt.

Öffentlicher Teil zu Ende

Der öffentliche Teil der Hauptversammlung ist beendet. Nun haben nur noch Aktionäre und Pressevertreter Zugriff auf die Videoübertragung. Es folgen die Beantwortung der Aktionärsfragen und die Abstimmung über das Rettungspaket.

Lufthansa wird kleiner

«Die Lufthansa wird eine kleinere Lufthansa sein», sagt CEO Spohr. Die Flotte soll sich um rund 100 Flugzeuge reduzieren.

Spahr spricht von schmerzhaften Sparmassnahmen, die nötig seien. Dafür habe die Lufthansa bereits Vereinbarungen mit mehreren zuständigen Gewerkschaften getroffen. Nur mit der Gewerkschaft Verdi verliefen die Gespräche schleppend.

«Die Folgen der Krise werden sich noch Jahre negativ auf die Lufthansa auswirken», sagt Spohr. Eine drohende Insolvenz wolle die Lufthansa mit allen Mitteln verhindern. Spohr erklärt, wie sich die 20-prozentige Aktienbeteiligung des Staates aufteilt über stille Einlagen.

50 Kommentare
Kommentarfunktion geschlossen

Heuteschongelacht

26.06.2020, 11:43

Mit Steuergeldern dubiosen Konstrukte retten hat schon fast Tradition. Wir Schweizer geben noch einen drauf und retten diese grenzüberschreitend. Wohlverstanden, die eigenen kleinen lässt man fallen. Das wird garantiert noch eine Quittung geben lieber BR.

gerd

25.06.2020, 13:13

liebe eu staaten, macht doch eine eu fluggesellschaft..

Erinnerungen

25.06.2020, 12:37

Wir haben es zugelasse, dass unser bürgerliche Bundesrat mit Milliarden die Swiss gerettet hat, welche das Geld nach Deutschland überwiesen hat. Aufen auf bei den nächsten Wahlen!