Aktualisiert 10.06.2009 19:30

Airbus-UnglückJetzt sucht ein Atom-U-Boot nach der Blackbox

Grosse Hoffnungen ruhen auf dem französischen Atom-U-Boot «Emeraude»: Seit heute sucht das Schiff mit einem hochempfindlichen passiven Sonar nach den Flugschreibern des abgestürzten Flugzeugs. Doch die Zeit wird knapp.

Von den Flugschreibern wird Aufklärung über die Ursache des Absturzes der A330 der Air France in den Atlantik erwartet, bei dem 228 Menschen den Tod fanden. Die «Emeraude» durchkämme eine Zone von 20 mal 20 Seemeilen (37 mal 37 Kilometer), sagte ein Pariser Militärsprecher: «Die Erfolgschancen sind aber nicht sehr, sehr hoch.»

«Das wäre schon ein Stück Glück», führt Christophe Prazuck, Sprecher des Generalstabs der französischen Streitkräfte, die Erfolgschancen aus. Beim Absturz in Scharm-el-Scheich 2004 mit 184 Toten kannte man die exakte Abstzurzposition - und benötigte dennoch zwei Wochen, bis die Blackbox lokalisiert war.

Noch etwa drei Wochen Zeit

Der Flugdatenschreiber und der Gesprächsaufzeichner werden in einem zerklüfteten Gebiet in bis zu 4000 Metern Tiefe vermutet. Das 74 Meter lange Atom-U-Boot muss sich den beiden Flugschreibern bis auf etwa 1000 Meter nähern, um deren «Ping», also Funksignale, empfangen zu können.

Einmal geortet, könnten die orange leuchtenden Flugschreiber von Tauchrobotern geborgen werden. Zeit für die Suche bleibt ungefähr bis Ende des Monats. Dann dürften die Batterien der Flugschreiber leer sein.

Die «Emeraude» unterstützen werden ab Ende der Woche auch zwei US- Schiffe, die ebenfalls mit sensiblen Sonaren ausgestattet sind. Schon am Donnerstag soll das französische Forschungsschiff «Pourquoi Pas» eintreffen, das Tauchroboter an Bord hat.

Harmlose Namensvetter

Neue Erkenntnisse zu den Ursachen des Absturzes des Airbus A330 vom Pfingstmontag gab es nicht. Ungeachtet der Diskussion über den Ausfall von Bordcomputern und Geschwindigkeits-Messsonden verfolgen die Behörden weiter auch die Spur eines möglichen Terroranschlages.

Der französische Geheimdienst überprüfe zwei verdächtige Insassen des Flugzeuges, berichtete die Nachrichtenseite lexpress.fr am Mittwoch. Zwei Passagiere trügen Namen von Personen, die Verbindung zu islamistischen Terroristen hätten. Am Abend gab die Polizei bekannt, es habe sich lediglich um Namensgleichheiten gehandelt.

Extrem heftiger Sturm

Ein Anschlag gilt weiter als möglich, wird angesichts der Serie automatischer Fehlermeldungen der Airbus A330 vor dem Absturz aber nicht für wahrscheinlich gehalten. Satellitenbilder sollen darauf hindeuten, dass das Flugzeug in einen extrem heftigen Sturm geraten war, bei dem die Temperatur unter minus 80 Grad fiel.

Auch hier könnten die Flugschreiber Hinweise für die Aufklärung bieten. Die französischen und brasilianischen Bergungsmannschaften zogen bis Dienstagabend 41 Leichen aus dem Wasser. Mit der Sicherung von Fingerabdrücken begann die Identifizierung. (sda)

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