Aktualisiert 29.03.2020 14:34

Weniger Nahrung

«Jetzt verhungern die Tauben elendiglich»

Basler Tierschützer sorgen sich um die Stadttauben. Diese fänden wegen des Lockdowns kaum noch Nahrung. Bei den Behörden winkt man ab.

von
jil
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In Baselstadt herrscht ein Fütterungsverbot für Tauben.

In Baselstadt herrscht ein Fütterungsverbot für Tauben.

Taubenschutz Basel
Damit will man der Überpopulation entgegenwirken.

Damit will man der Überpopulation entgegenwirken.

Keystone/Keystone
Die Vögel ernähren sich hauptsächlich von Essensresten, die Leute im öffentlichen Raum hinterlassen.

Die Vögel ernähren sich hauptsächlich von Essensresten, die Leute im öffentlichen Raum hinterlassen.

Taubenschutz Basel

In Basel-Stadt ist das Füttern von Tauben verboten, damit will der Kanton der Überpopulation der Tiere entgegenwirken. Dennoch ist es vor allem der Mensch, der die Tiere ernährt: durch Essensresten, die auf belebten Plätzen, vor Restaurants oder Imbissbuden liegenbleiben. Da sich in Zeiten der Corona-Krise aber kaum mehr Menschen in den Strassen aufhalten, Restaurants und Bars geschlossen sind, fällt für die Tauben weniger ab.

Jetzt setzen sich etliche Tierschutzverbände für ein Notfütterungs-Konzept zugunsten der Stadttauben ein. So auch der Taubenschutz Basel: «Wir wollen das Füttern der Vögel wieder legalisieren. In solch einer Ausnahmesituation kann man die Tiere nicht einfach ihrem Schicksal überlassen», sagt Oliver Meili, Mitglied des Taubenschutzes Basel.

Die Tauben stürzen sich auf das restliche Futter. (Video: Taubenschutz Basel)

Freiwillige Helfer wollen die Tauben nun mit artgerechtem Futter füttern, wie sie sagen. Dabei wolle man auch nicht Angst haben müssen, eine Busse zu kassieren. Finanziert werde die Aktion durch Spenden.

Fütterungsverbot sinnlos

Das Fütterungsverbot, das in Basel herrscht, sei sowieso keine Lösung, findet Meili. Denn: Die Essensreste seien für die Vögel sehr schädlich. Diese liessen ihre Organe verkleben und sie so im Endeffekt sterben. «Die einzig richtige, langfristige Lösung wäre ein Taubenschlag, wo man die Geburten kontrolliert und den Vögeln das richtige Futter gibt», meint Meili.

Der gleichen Meinung ist auch die NetAP, eine international tätige Tierschutzorganisation. In Zeiten von Corona werde man von verschiedensten Seiten Hinweise, dass die Stadttauben nichts mehr zu fressen hätten, heisst es dort. «Mangels Taubenschlägen und Geburtenkontrolle gibt es zuviele Tauben in den Städten. Es ist schon traurig genug, dass sich die Tiere mit Essensresten über Wasser halten müssen, aber da sie auch diese nun nicht mehr finden, verhungern sie elendiglich. Deshalb sollte man die Fütterungsverbote für den Moment aussetzen und nach Corona das ganze Taubenmanagement neu überdenken», sagt Esther Geisser, Präsidentin und Gründerin von NetAP.

«Tauben sind sehr anpassungsfähig»

Anders sieht es Tobias Leiss, von der Kantonalen Jagdaufsicht. Er sieht keinen Grund, an der bestehenden Regelung etwas zu ändern. «Es gibt generell genug Nahrung für Wildtiere», sagt er und fügt an: «Tauben sind sehr anpassungsfähig. Man muss sie nach wie vor nicht füttern.» Zudem seien, da keine Ausgangssperre herrsche, immer noch Leute unterwegs, die Brotkrummen, Dönerreste oder ähnliches liegen lassen würden.

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