Aktualisiert 18.12.2008 16:20

Lehman-GeschädigteJetzt verklagt die CS den Sprecher der Opfer

Die CS verträgt keine Kritik, wenn es um den Umgang mit den eigenen Kunden geht, die mit der Pleite der Lehman Brothers Geld verloren haben. Den Sprecher der Schutzgemeinschaft hat sie kurzerhand verklagt. Dieser sagt: «Die Grossbank ist tief beleidigt statt tief beschämt.»

von
Dajan Roman

René Zeyer ist der Sprecher von mehr als 500 Lehman-Opfern, die unter anderem bei der CS in «Lehman-Schrottpapiere» investierten. Am 26. Oktober 2008 verfasste er einen Gastkommentar in der Zeitung «Sonntag». Der Titel: «Ein 'Bankraub' mit System». Zeyer schrieb dort unter anderem, der Verkauf von Lehman-Produkten durch die CS sei «von reiner Geldgier und der Jagd nach Kommissionen getrieben» und die von der CS verkauften Lehman-Brothers-Produkte seien «hoch spekulativ und riskant» gewesen.

Zeyer entschuldigt sich nicht

Schon unmittelbar nach dem Erscheinen forderten CS-Anwälte von Zeyer eine Entschuldigung. Laut Zeyer forderten die Anwälte ausserdem, dass er künftig nur noch erkläre, «dass die Credit Suisse stets bemüht war und ist, ihre Kunden nach bestem Wissen und Gewissen zu beraten». Darauf liess sich Zeyer «natürlich» nicht ein, so dass die CS schliesslich Klage einreichte. Zeyer: «Typisch CS, dass sie Zeit, Geld und Energie auf den untauglichen Versuch verschwendet, einen Kritiker an ihrem skandalösen Geschäftsgebaren mundtot zu machen, statt sich mit ihren mehr als 4000 Lehman-Anlageopfern zu einigen.»

Will CS Exempel statuieren?

Zeyer ist überzeugt, dass die CS an ihm ein Exempel statuieren möchte und ihn in den Ruin treiben will. «In einer ihrer Eingaben setzen die Anwälte den Streitwert auf über 30 000 Franken an und verlangen die Austragung des Rechtsstreits vor dem Handelsgericht - einem Sondergericht für Handelssachen», ärgert sich Zeyer und ist sicher: mit den ihm entstehenden Anwalts- und eventuellen Gerichtskosten soll er finanziell ruiniert werden.

Keine Einigung beim Friedensrichter

Die beiden Parteien haben sich bereits vor dem Friedensrichter getroffen – zu einer Einigung kam es nicht. In der Verhandlung bezeichnete Zeyer die Klage als «ungeheuerlicher Angriff auf die Presse- und Meinungsfreiheit» und ergänzte: «Der von mir verfasste Kommentar ist eine in jeder Hinsicht zulässige Meinungsäusserung; die darin enthaltenen Wertungen sind alle von der verfassungsrechtlichen Meinungsfreiheit gedeckt und beachten die Grenzen, die diesem Grundrecht gesetzt sind.»

«Masters of desaster»

Zeyer ist sich sicher: Die CS will ihn mundtot machen und er pocht auf sein Recht zur Kritik: «Eine Geschäftsbank, die ihre eigenen Kunden im Regen stehen lässt, die so tut, als könne sie nichts dafür, dass tausende von Kleinsparern zusammen Abermillionen verloren haben, muss sich auch öffentlich für ihre Haltung und ihr Versagen kritisieren lassen.»

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