Sehnenverletzungen – Jetzt warnen Ärzte vor Adidas-, Nike- und On-Sneaker
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SehnenverletzungenJetzt warnen Ärzte vor Adidas-, Nike- und On-Sneaker

Weiche Laufschuhe liegen im Trend. Doch nun stehen die Sneaker von Adidas, Nike und On in Kritik. Denn immer mehr Hobby-Jogger klagen über Sehnenentzündungen.

von
Barbara Scherer
Dominic Benz
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Seit der Pandemie haben viele Schweizerinnen und Schweizer das Joggen für sich entdeckt.

Seit der Pandemie haben viele Schweizerinnen und Schweizer das Joggen für sich entdeckt.

20min/Matthias Spicher
Darum boomt auch das Geschäft mit den Laufschuhen. 

Darum boomt auch das Geschäft mit den Laufschuhen.

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Doch jetzt wird Kritik an den Sneakern laut: Die weichen Laufschuhe führen zu Sehnenentzündungen.

Doch jetzt wird Kritik an den Sneakern laut: Die weichen Laufschuhe führen zu Sehnenentzündungen.

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Darum gehts

  • Sportschuhe von Adidas, Nike und On boomen.

  • Doch die weichen Sneaker können zu Sehnenverletzungen führen.

  • Denn viele Menschen haben zu wenig Muskeln an den Füssen für weiche Laufschuhe.

Joggen boomt seit der Corona-Krise. Denn Laufen ist fast überall möglich, günstig und braucht kein Zertifikat. Das einzig wichtige dabei sind die Laufschuhe. Entsprechend gut läuft das Geschäft mit Sneaker. So etwa auch bei der Zürcher Sneakerfirma On. Spätestens seit dem Einstieg von Tennisstar Roger Federer sind die Schuhe weltweit begehrt.

Mitte September ging das Unternehmen gar an die New Yorker Börse. Dort hat On mittlerweile einen Wert von fast zehn Milliarden Dollar. Zu den Kunden von On hat bisher auch die Schweizer Wortakrobatin Stefanie Grob gehört. Doch jetzt äussert sie Bedenken an dem Sneaker.

Ihre Achillessehne habe sich wegen den On-Schuhen entzündet, wie sie kürzlich in der SRF Sendung «Zytlupe» sagt. «Ich bin Hobby-Joggerin und mich hat ein On-Schuh voll ins Off gebracht», sagt Grob zu 20 Minuten. Der Schuh sei ihr im Fachhandel empfohlen worden, sie liebte das Laufgefühl, doch bald habe sie Schmerzen bekommen.

Grob musste deswegen in die Physiotherapie. Dort erfuhr sie, dass der On-Schuh zu weich für ihren Fuss war: Es kam zu einer Überbelastung der Sehne. «Die Experten haben mir nach einer Laufanalyse dann ein lebenslanges Verbot von On- und andern weichen Schuhen verpasst», so Grob.

Mit ihrer Erfahrung ist Grob nicht alleine. Viele hätten ein Problem mit den On-Schuhen, bestätigt ein kantonaler Leichtathletikverband gegenüber 20 Minuten. «Die Sneaker von On sind gute Freizeitschuhe, aber zum Joggen sind sie nicht geeignet», sagt ein Verbandstrainer, der anonym bleiben möchte.

Füsse sind nicht genug trainiert

On-Schuhe seien tendenziell zu weich und haben eine flache Sohle, bestätigt Johannes Scherr, Leiter Sportmedizin an der Zürcher Uniklink Balgrist gegenüber «Saldo». Deutsche Orthopäden raten darum allgemein von weichen Turnschuhen ab, wie etwa dem «Bounce S2» von Adidas oder den «Nike Free».

Allgemein bestehe bei weichen Schuhen ein grösseres Risiko, den Fuss zu überlasten, sagt Lukas Weisskopf, Sportorthopäde im Altius Swiss Sportmed Center in Rheinfelden zu 20 Minuten. «Der Boom mit ultraweichen Sportschuhen führt dazu, dass es mehr Leute gibt, die Problem mit ihren Füssen haben.»

Zwar könne mit weichen Schuhen gezielt Muskulatur aufgebaut werden. Doch bei längerem Gebrauch überlasten die Sneaker Muskeln, Sehnen und Bänder. Das treffe vor allem Hobby-Sportler: «Sie haben zu wenig trainierte Füsse», so Weisskopf. Um den passenden Schuh zu finden, sei eine Laufanalyse zu empfehlen.

Schuhe werden zu lange genutzt

Der aktuelle Modetrend hin zu leichten und weichen Schuhen stelle für viele Personen ein Problem dar, sagt auch Christian Wild, Präsident Physio St. Gallen-Appenzell: «Viele Leute haben eine zu schwache Fussmuskulatur für diese Schuhe.»

Ein weiteres Problem dabei: «Die meisten Personen nutzen Schuhe zu lange.» Dabei verliere die Sohle ihre Stabilität und könne den Fuss nicht mehr genügend stützen. Darum sollten sich gerade Menschen mit Fussproblemen unbedingt vom Sportartikelhändler beraten lassen.

Schuhe für verschiedene Lauftypen

Bei On kann man die Kritik nicht verstehen: «Jede Woche melden sich Läufer, die verletzt waren und davon berichten, dass sie dank On-Schuhen wieder ihrem Hobby nachgehen können», sagt eine Sprecherin. Auch zeige das starke Wachstum, dass Läufer weltweit bei On ihren Lieblingslaufschuh gefunden haben.

Schliesslich biete On Schuhe für unterschiedliche Lauftypen an, heisst es vonseiten des Unternehmens. Dabei sei die Wahl des richtigen Laufschuhs für jede Läuferin und jeden Läufer zentral. «Deshalb arbeitet On mit den besten Laufsportspezialisten zusammen, die professionelle Beratungen bieten», erklärt eine Sprecherin.

Auch Adidas betont, dass bei der Wahl des Laufschuhs individuelle Eigenschaften der Läuferin oder des Läufers beachtet werden müssen. So seien etwa Laufschuhe mit starken Dämpfungseigenschaften für die meisten Jogger geeignet. Nike hat auf Anfragen von 20 Minuten nicht reagiert.

Das ist On:

On ist ein Zürcher Sportschuhhersteller mit Sitzen in Zürich, Portland, Berlin, Yokohama und Shanghai. Das Unternehmen wurde von ehemaligen Sportlern rund um Ironman-Sieger und Weltmeister Olivier Bernhard und Ingenieuren gegründet. Aus dem Startup in einer Garage in Zollikon ZH wird innert fünf Jahren eine internationale Marke. Seit 2019 ist Roger Federer Mitbesitzer von On. Wie viel Geld Federer in das Unternehmen gesteckt hat, ist nicht bekannt. Branchenkennerinnen und -kenner gehen von 50 bis 100 Millionen Franken aus. Leisten kann er es sich: Das Wirtschaftsmagazin «Bilanz» schätzt sein Vermögen auf 500 bis 600 Millionen Franken.

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