Misshandlungen in Magglingen: Jetzt wehren sich die Kunstturnerinnen und verteidigen die Trainer
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Misshandlungen in MagglingenJetzt wehren sich die Kunstturnerinnen und verteidigen die Trainer

Die Frauen und Männer des Nationalkaders verteidigen in einem offenen Brief die Trainingsmethoden. Und stärken ihren Trainern somit den Rücken.

von
Nils Hänggi
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In einem offenen Brief schreiben die Turnerinnen und Turner: «Unsere Trainer und unsere Trainerin helfen, fördern und begleiten uns, und wir werden dabei immer mit Respekt behandelt.»

In einem offenen Brief schreiben die Turnerinnen und Turner: «Unsere Trainer und unsere Trainerin helfen, fördern und begleiten uns, und wir werden dabei immer mit Respekt behandelt.»

Foto: Keystone 
Und: «Unser Verhältnis zu den Trainern würden wir nicht als ein kollegiales betrachten, aber das erwarten wir auch nicht.»

Und: «Unser Verhältnis zu den Trainern würden wir nicht als ein kollegiales betrachten, aber das erwarten wir auch nicht.»

Foto: Keystone 
Mit dem offenen Brief verteidigen die Sportlerinnen und Sportler die Trainingsmethoden und stärken ihren Trainern den Rücken. 

Mit dem offenen Brief verteidigen die Sportlerinnen und Sportler die Trainingsmethoden und stärken ihren Trainern den Rücken.

Foto: Freshfocus

Darum gehts

Der Schweizer Turnverband (STV) kommt nicht zur Ruhe. Viel war in den letzten Wochen los. Zunächst war da die Enthüllung. Dem «Magazin» (mit Bezahlschranke) erzählten ehemalige Spitzensportlerinnen aus der Rhythmischen Gymnastik und dem Kunstturnen von ihren jahrelangen Qualen im Leistungszentrum in Magglingen. Ihre Worte und Erzählungen waren erschütternd.

«Ich wurde fertig gemacht, ich sei als Mensch unfähig, ich sei dumm», erzählte beispielsweise Lynn Genhart. Lisa Rusconi meinte: «Manchmal schlugen sie uns auf die Beine und Arme, kniffen uns so hart, dass ich blaue Flecken bekam.» Viele hätten Probleme mit dem Essen gehabt. Minus fünf Kilo in einer Woche – das sei normal. «Ich kann bis heute nicht essen, wenn jemand zusieht.» Kurz: Die ehemaligen Athletinnen sprachen über Depressionen, Essstörungen, posttraumatische Belastungsstörungen und Suizidgedanken. Der STV stritt die Vorwürfe ab, STV-Präsident Erwin Grossenbacher kündigte an, auf Ende Jahr zurückzutreten. Auch teilte der Verband mit, dass er die Vorwürfe untersuchen werde.

Und jetzt? Jetzt meldeten sich Turnerinnen und Turner des Nationalkaders Kunstturnen in einem offenen Brief zu Wort und verteidigten die Verantwortlichen.

«Unsere Trainer und unsere Trainerin helfen uns»

Die Kunstturnerinnen beschreiben im Brief beispielweise, wie sie 25 Stunden pro Woche, sechs Tage lang trainieren für ihren Traum von einer Olympiateilnahme. Auch Schmerzen und Enttäuschungen gehörten dazu. «Wir haben gelernt, damit zu leben, damit umzugehen», heisst es im Brief.

Und: «Unsere Trainer und unsere Trainerin helfen, fördern und begleiten uns, und wir werden dabei immer mit Respekt behandelt. Unsere Anliegen werden angehört und die bestmöglichen Lösungen für uns Athletinnen gesucht, damit wir unseren Zielen näherkommen können. Wir alle sind sehr glücklich, in einem äusserst gesunden und familiären Klima in der Halle trainieren zu können. Es herrscht eine offene und ehrliche Kommunikation.»

Die Männer schrieben: «Unser Verhältnis zu den Trainern würden wir nicht als ein kollegiales betrachten, aber das erwarten wir auch nicht. Eine gewisse Hierarchiestufe ist für uns unvermeidlich, damit der Trainer seinen Job machen kann. Das Trainingsklima empfinden wir als ein sehr gutes. [...] Es geht uns gut und deshalb stört es uns, wenn in der momentanen Berichterstattung ganz Magglingen in den gleichen Topf geworfen wird.»

Untersuchung gibt es dennoch

Namen der Verantwortlichen nennen die Sportlerinnen und Sportler zwar nicht. Doch klar ist: Der offene Brief kann durchaus als Verteidigung für den Nationaltrainer Fabien Martin verstanden werden. Und interessant ist auch, dass der Brief das Gegenteilige beschreibt, von dem, was die Sportlerinnen dem «Magazin» erzählten.

Das ist wohl auch Grossenbacher bewusst. Stellte er doch gegenüber dem SRF klar, dass der Brief an der Untersuchung der erhobenen Vorwürfe nichts ändern werde. «Wir nehmen die Vorwürfe sehr ernst. Die Untersuchung wird normal vonstattengehen», so Grossenbacher.

Ein ausführlicher Text zum Thema ist hier (Bezahlschranke) zu lesen.

Bist du oder jemand, den du kennst, von sexualisierter, häuslicher, psychischer oder anderer Gewalt betroffen?

Hier findest du Hilfe:

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Fachstelle Frauenberatung

Onlineberatung für Frauen (BIF)

Onlineberatung für Männer

Onlineberatung für Jugendliche

Frauenhäuser in der Schweiz und Liechtenstein

Zwüschehalt, Schutzhäuser für Männer

LGBT+ Helpline, Tel. 0800 133 133

Pro Juventute, Tel. 147

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