Aktualisiert 27.04.2020 17:57

Ende des Lockdown

«Jetzt werde ich umso mehr Tattoos stechen»

Seit Montag haben Tattoostudios wieder geöffnet. Sie werden fast überflutet mit Anfragen. Ein Augenschein in einem Zürcher Studio.

von
Joel Probst

Nach sechs Wochen ging es am Montag endlich wieder los: Tä­to­wie­re­rin Denise del Conte durfte ihren ersten Kunden nach dem Corona-Lockdown empfangen. Auf ihrem Stuhl sass David. Wie die Tätowiererin trug auch er eine Schutzmaske, während sie die surrende Nadel ansetzt.

«Ich bin froh, darf ich wieder arbeiten. Ich habe das Tätowieren mega vermisst», sagt sie, stets auf den Rücken ihres Kunden fokussiert. Angst, wieder ihre Kunden zu stechen, hat sie nicht: «Die Hygienemassnahmen sind beim Tätowieren schon immer sehr hoch.»

Schutzmasken und Desinfektionsmittel

Es gelte nach wie vor, alles gründlich zu desinfizieren und Handschuhe zu tragen. Neu ist aber, dass del Conte ihren Kunden beim Eintreten einen Mundschutz verteilt und dass Desinfektionsmittel bereitsteht. «Zudem schauen wir, dass nur ein Kunde aufs Mal im Geschäft ist. Abgesehen von den Masken ist es keine grosse Veränderung.»

Nahe an ihren Kunden zu sein, macht del Conte auch in Zeiten von Corona nichts aus: «Es wird ja mit Tröpfchen übertragen. Wenn beide einen Mundschutz tragen, halte ich das nicht so für ein Problem.»

«Die Pause hat alles herausgezögert»

Auch David, ihr erster Kunde nach dem Lockdown, fühlt sich ausreichend geschützt: «Da kommen keine Tröpfchen.» An die Schutzmaske musste er sich aber zuerst gewöhnen: «Es ist zum Atmen ein bisschen komisch, und es wird ein wenig warm.»

Das Wolfstattoo auf seinem Rücken blieb während sechs Wochen unvollendet: «Eigentlich war ich gewohnt, alle zwei Wochen einen zweistündigen Termin zu haben. Die Pause hat jetzt alles ein wenig verzögert. Aber jetzt kann es wieder vorwärtsgehen.»

Studio wird überrannt

David zögerte nicht lange, als die Tä­to­wie­re­rin ihm einen Termin für heute anbot. Er ist aber nur einer von vielen. Die Tä­to­wie­re­rin kämpft im Moment gegen eine Flut von Anfragen an: «Als klar war, dass wir wieder aufmachen dürfen, haben sich alle gemeldet», so del Conte. «Man merkt, dass die Leute Zeit und Geld haben.»

Für del Conte ist der Andrang sehr willkommen, der Lockdown hat ihr Geschäft finanziell arg gebeutelt: «Sechs Wochen lang keine Einnahmen zu haben, das merke ich schon. Ich habe extrem auf Sparflamme gelebt in dieser Zeit.»

Die Tä­to­wie­re­rin wird deshalb Überstunden schieben: «Jetzt wo ich wieder arbeiten darf, werde ich umso mehr arbeiten, um möglichst wieder aufzuholen.»

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