29.03.2020 13:33

Wegen Coronavirus

Jetzt werden Ausländer in China angefeindet

Fast täglich vermelden die chinesischen Behörden neue «eingeschleppte» Corona-Fälle. Das befeuert das Misstrauen gegen Ausländer.

von
tam
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Fast 600 Corona-Fälle sollen laut den chinesischen Behörden von Ausländern eingeschleppt worden sein.

Fast 600 Corona-Fälle sollen laut den chinesischen Behörden von Ausländern eingeschleppt worden sein.

epa/Jerome Favre
Das lässt befeuert die Fremdenfeindlichkeit, wie Ausländer berichten. Sie dürfen etwa nicht mehr in Restaurants oder werden von Einheimischen gemieden.

Das lässt befeuert die Fremdenfeindlichkeit, wie Ausländer berichten. Sie dürfen etwa nicht mehr in Restaurants oder werden von Einheimischen gemieden.

epa/yfc
«Wenn ich an jemandem vorbeigehe und sie meine blauen Augen sehen, springen sie einen Schritt zurück», wird etwa ein 33-jähriger Ire aus Shanghai zitiert.

«Wenn ich an jemandem vorbeigehe und sie meine blauen Augen sehen, springen sie einen Schritt zurück», wird etwa ein 33-jähriger Ire aus Shanghai zitiert.

AP/ng han Guan

Die chinesischen Behörden haben in den vergangenen Wochen immer wieder Corona-Infektionen vermeldet, die etwa über Flughäfen ins Land geschleppt worden waren. Insgesamt sollen es fast 600 Fälle sein, vor allem aus dem Vereinigten Königreich. Das hat Folgen für die in China wohnhaften Ausländer. Ihnen wird mit Angst und Abweisung begegnet, wie «The Guardian» berichtet. Sie dürfen nicht mehr in Restaurants oder werden von Einheimischen gemieden.

«Wenn ich an jemandem vorbeigehe und sie meine blauen Augen sehen, springen sie einen Schritt zurück», wird etwa ein 33-jähriger Ire aus Shanghai zitiert. Ein Amerikaner sagt, dass seine chinesischen Arbeitskollegen angewiesen worden seien, sich von Ausländern fernzuhalten. Er sei vergangene Woche in einem Laden gewesen. Vor dem Eingang habe ein Paar gewartet, bis er den Shop verlassen hatte.

«Ausländisches Gesindel»

Auch andere berichten, wie ihnen Einheimische aus dem Weg gehen – etwa in der U-Bahn oder im Park. Eine Frau etwa soll ihr Kind genommen und in die andere Richtung gegangen sein, als sie eine Gruppe Ausländer sah. Die Rede ist sogar davon, dass Ausländer als «ausländisches Gesindel» bezeichnet werden. Eine Zunahme von Fällen der Diskriminierung stelle man auch in der afrikanischen Community fest, wie ein Insider sagt.

Mike Gow, Experte für Chinapolitik an der Universität Coventry, sagte dem «Guardian»: «Bietet sich die Möglichkeit, mithilfe der öffentlichen Angst selber stark und kompetent zu wirken, dann wird die chinesische Regierung diese ergreifen.» Wenn das die Fremdenfeindlichkeit befeuere, werde das in Kauf genommen, so Gow weiter.

Auch in anderen Ländern

Das Problem gibt es offenbar auch in anderen Ländern, wie aus dem Artikel hervorgeht. In Vietnam etwa haben die Behörden laut dem Artikel dazu aufgefordert, mit der Feindseligkeit gegenüber Ausländern aufzuhören. In Thailand soll es einen Tweet des Gesundheitsministers gegeben haben. Darin wird vor Menschen aus dem Westen gewarnt, weil sie nie duschen oder Masken tragen. Der Minister bestreitet diesen Tweet geschrieben zu haben.

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