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Auge um Auge Jetzt werden Fernlicht-Rüpel geblendet

Die Polizei in der chinesischen Stadt Shenzhen bestraft rücksichtslose Autofahrer mit einer sonderbaren Massnahme. Ob die Strafe legal ist, bleibt zu bezweifeln.

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cfr
Die Verkehrspolizei im chinesischen Shenzhen will härtere Strafen für Autofahrer, die ihre Fernlichter nicht regelkonform einsetzen (Symbolbild).

Die Verkehrspolizei im chinesischen Shenzhen will härtere Strafen für Autofahrer, die ihre Fernlichter nicht regelkonform einsetzen (Symbolbild).

«Auge um Auge, Zahn um Zahn»: Das scheint das Motto der Verkehrspolizei in der chinesischen Stadt Shenzhen zu sein. Auf ihrer Website kündigte sie eine neue Massnahme an, um Verkehrsrüpel zu bestrafen. Autofahrer, die ihre Fernlichter unangemessen einsetzen, sollen fünf Minuten lang direkt in die grellen Lichter schauen, berichtet die «Washington Post».

Die Massnahme soll Verkehrsteilnehmer darauf sensibilisieren, welche Gefahren mit übermässigem Gebrauch des Fernlichts einhergehen. «Traust du dich immer noch, deine Scheinwerfer fahrlässig einzusetzen?», fragt die Verkehrspolizei in einer Web-Ankündigung. Und: «Wenn ja, zwingen wir dich von nun an, fünf Minuten lang in unser Fernlicht zu starren.»

Ist Strafe angemessen?

Eine «unangemessene» Nutzung der Fernlichter bedeutet beispielsweise, wenn Fahrer der entgegengesetzten Richtung von der Helligkeit der Lichter geblendet und in ihrem Sehvermögen eingeschränkt werden. Zusätzlich zu der Blendungsstrafe sollen Verkehrsrowdies eine Geldstrafe von umgerechnet rund 45 Franken zahlen.

Ob es sich bei der Drohung um eine echte Strafmassnahme handelt? Internetnutzer sind auf jeden Fall alarmiert. «Die Verkehrspolizei sollte dem Gesetz folgen. Sagen Sie mir bitte, auf welchem Gesetz diese Strafe beruht?», fragt einer. Auch andere Bürger zeigen sich besorgt über das Wohlbefinden der bestraften Fahrer. «Das Blenden wird die Gesundheit des Fahrers beeinträchtigen und kann sogar für grössere Gefahren auf den Strassen sorgen, weil der Fahrer nach der Bestrafung müde wird», schrieb ein anderer.

«Setz einfach eine Sonnenbrille auf»

Doch es gibt auch positive Resonanzen im Netz. «Auge um Auge, Zahn um Zahn! Diese Strafe sollte breit genutzt werden. Wann wird sie gebraucht, um Über-Rot-Fahren und Fahrerflucht zu bestrafen?», äussert sich ein Internetnutzer.

Einer witzelt sogar: «Wenn alle Stricke reissen, setz einfach eine Sonnenbrille auf, wenn du gezwungen wirst, in einen Scheinwerfer zu starren.»

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