Nach Bundesratsentscheid - Jetzt werden Impfzentren überrannt
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Nach BundesratsentscheidJetzt werden Impfzentren überrannt

An zahlreichen Impf-Standorten nimmt die Nachfrage wegen der allenfalls kostenpflichtigen Tests wieder zu. Eine frisch Geimpfte hält eine Impfung zudem seit Mittwoch für klüger.

von
Bettina Zanni
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Besonders gross war der Andrang am Freitag im Impfzentrum Basel-Stadt.

Besonders gross war der Andrang am Freitag im Impfzentrum Basel-Stadt.

20 Minuten
«Das Impfzentrum wurde heute völlig überrannt. Auch Leute mit einem Termin mussten am Vormittag bis zu zwei Stunden warten», berichtet eine 20-Minuten-Reporterin.

«Das Impfzentrum wurde heute völlig überrannt. Auch Leute mit einem Termin mussten am Vormittag bis zu zwei Stunden warten», berichtet eine 20-Minuten-Reporterin.

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Im Impfzentrum im Rieter-Areal in Winterthur-Töss war am Donnerstag viel los. (Foto vom 10. Juni 2021)

Im Impfzentrum im Rieter-Areal in Winterthur-Töss war am Donnerstag viel los. (Foto vom 10. Juni 2021)

Marc Dahinden/Tamedia

Darum gehts

  • Seit Mittwoch pilgern wieder mehr Menschen in die Impfzentren.

  • Etwa in Basel-Stadt war der Andrang am Freitag besonders gross.

  • «Ich dachte, dass es vielleicht doch klüger sei, die Impfung zu machen, als an Corona zu sterben», sagt die Besucherin eines Winterthurer Impfzentrums.

Nach einer langen Flaute herrscht in den Schweizer Impfzentren wieder reger Betrieb. Seit Mittwoch habe sich die Zahl der Walk-Ins fast verdoppelt, sagt Jan Fehr, Infektiologe der Universität Zürich. «Wir beobachten seit ein paar Tagen, besonders aber seit der Bundesrats-Pressekonferenz, eine Zunahme der Nachfrage – ein Macron-Effekt?» Damit nimmt er Bezug auf Frankreich. Als dort Mitte Juli Hürden für Ungeimpfte angekündigt wurden, schoss die Zahl der neuen Impftermine sofort in die Höhe.

Auch im Impfzentrum im Rieter-Areal in Winterthur-Töss ZH war am Donnerstag viel los. «Ein Arzt sagte mir dort, es seien so viele Leute wie schon lange nicht mehr hier. Auch erfuhr ich, dass sie bis um 14 Uhr pausenlos durchimpften und die meisten zur ersten Impfung kämen», sagt News-Scout A. L.* (39). Das Personal nehme an, dass der kürzliche Auftritt des Bundesrats die Impfnachfrage erhöht habe.

«Ich dachte dann, dass es vielleicht doch klüger sei, die Impfung zu machen, als an Corona zu sterben.»

News-Scout A. L.* (39)

Auch sie habe sich aufgrund der Medienkonferenz des Bundesrats für eine Impfung entschieden, sagt die Sozialarbeiterin aus Winterthur ZH. Lange habe sie eine Impfung für unnötig gehalten. «Ich hatte nur einen milden Verlauf und gleichzeitig Respekt vor der Impfung.»

Als der Bundesrat mitgeteilt hat, dass er mit zusätzlichen Hospitalisationen und Todesfällen rechne, sei es bei ihr zu einem Umdenken gekommen, so A. L. «Ich dachte dann, dass es vielleicht doch klüger sei, die Impfung zu machen, als an Corona zu sterben.» Zudem sei sie auch nicht bereit, den Corona-Test selbst zu berappen.

Grosser Andrang am Donnerstag

Thomas Kraft, Geschäftsleiter des Impfzentrums Winterthur, bestätigt eine erhöhte Nachfrage. Es sei spürbar, dass sich wieder etwas mehr Menschen zur Impfung anmeldeten, sagt er. Sie rechneten mit einem verstärkten Effekt am Ferienende und erst recht aufgrund der politischen Massnahmen.

Den grossen Andrang am Donnerstag begründet Kraft mit den Öffnungszeiten, die sich pro Woche auf Donnerstag und Freitag beschränkten. «So war also am Donnerstag der erste Öffnungstag dieser Woche, an dem es zu einem kleinen Stau kam», sagt Kraft. Am Donnerstag habe das Impfzentrum mit 244 Impfungen einen Rekord an Walk-In-Gästen verbucht.

«200 Meter lange Schlange vor Zentrum»

Besonders gross war der Andrang am Freitag im Impfzentrum Basel-Stadt. «Das Impfzentrum wurde heute völlig überrannt. Auch Leute mit einem Termin mussten am Vormittag bis zu zwei Stunden warten», berichtet eine 20-Minuten-Reporterin. Vor dem Zentrum habe sich eine rund 200 Meter lange Schlange gebildet. «Die Security berichtete von einer total angespannten Stimmung, weil die Leute sehr genervt seien.»

Anne Tschudin, Sprecherin des Gesundheitsdepartements des Kantons Basel-Stadt bestätigt, dass die Nachfrage nach Impfungen bisher leicht angestiegen sei. «Es gab am Freitag leider längere Wartezeiten. Die Registrierung ging recht lange, wodurch sich ein Rückstau gebildet hatte.» Sie prüften Verbesserungen und setzten diese selbstverständlich um.

«Je rund 300 Neuanmeldungen»

Wieder mehr Betrieb herrscht auch in den Impfzentren im Kanton Luzern. «Am Mittwoch und am Donnerstag verzeichneten wir die meisten Anmeldungen im August – je rund 300 Neuanmeldungen», sagt Kantonsapotheker Stephan Luterbacher. Er sieht die gestiegene Nachfrage im Zusammenhang mit den ab Oktober allenfalls kostenpflichtigen Tests für symptomfreie Personen oder dem Ferienende.

Aus dem Stocken gerät die Impfbereitschaft auch im Kanton Schwyz. Seit Ende Juli biete das Spital Schwyz ein Walk-In-Impfangebot an, sagt Flavio Schnider, Marketing Coordinator des Spitals Schwyz. Dieses sei von Anfang an ein Erfolg gewesen und sei deswegen noch ausgebaut worden. «Die Nachfrage danach scheint zuzunehmen.»

Keine erhöhte Nachfrage

In einigen Kantonen wie im Covid-Impfzentrum auf dem Inselcampus in Bern oder im Kanton Zug hingegen haben sich die Impfzentren bisher nicht gefüllt.

Gesundheitsminister Alain Berset (SP) rief an der Medienkonferenz vom Mittwoch erneut zum Impfen auf. «Jetzt ist der Moment für alle, die noch zögern, sich zu impfen.» Dann starte man mit einem guten Schutz in die Herbstzeit. Auch Thomas Kraft, Geschäftsleiter des Impfzentrums Winterthur, beurteilt - abgesehen von rigorosen Schutzmassnahmen – die Impfung als einzige wirksame Massnahmen gegen Corona. «So wäre es wünschenswert, dass sich noch möglichst viele Menschen impfen lassen, bevor noch weitere Mutationen und vielleicht gefährlichere entstehen.»

*Name der Redaktion bekannt.

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