Virus-Mutation an Schulen: «Jetzt werden viel öfter ganze Klassen in Quarantäne geschickt»
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Virus-Mutation an Schulen«Jetzt werden viel öfter ganze Klassen in Quarantäne geschickt»

Die Kantone wollen die Schulen nicht schliessen. In Graubünden müssen jetzt Schüler regelmässig zum Covid-Test. So will der Kanton den Fernunterricht abwenden.

von
Daniel Graf
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Infektionen mit der mutierten Coronavirus-Variante an Schulen häufen sich.

Infektionen mit der mutierten Coronavirus-Variante an Schulen häufen sich.

20min/Marco Zangger
Die Kantone wollen Schulschliessungen verhindern.

Die Kantone wollen Schulschliessungen verhindern.

20min/Marco Zangger
Auch Gesundheitsminister Alain Berset sagt, Schulschliessungen seien für den Bund derzeit keine Option.

Auch Gesundheitsminister Alain Berset sagt, Schulschliessungen seien für den Bund derzeit keine Option.

20min/Marco Zangger

Darum gehts

  • Infektionen mit dem mutierten Coronavirus an Schulen nehmen zu. Oft müssen ganze Klassen in Quarantäne. Das verunsichert die Eltern.

  • Der Kanton Graubünden will den Präsenzunterricht mit wiederholten Massentests an Schulen aufrechterhalten.

  • Für Bund und Kantone ist klar: Schulschliessungen sollen das letzte Mittel sein.

In Winterthur musste kürzlich eine ganze Schule für einige Tage geschlossen werden, weil mehrere Personen sich mit dem Coronavirus angesteckt hatten – teils offenbar auch mit ansteckenderen mutierten Varianten. Meldungen über Ausbrüche an Schulen häuften sich in den letzten Tagen und Wochen, die Behörden ordneten im Kampf gegen die Ausbreitung des Virus’ Massentests an und schickten ganze Klassen in Quarantäne.

Auch der Kanton Graubünden setzt alles daran, den Präsenzunterricht weiterführen zu können.
Er hat eine Vorreiterrolle übernommen bei Massentests. Als in einer Aroser Schule drei Infektionen mit einer mutierten Variante entdeckt wurden, ordneten die Behörden umgehend die Testung von fast 2800 Personen an. 76 Personen wurden positiv getestet.

Ansteckungen vor allem im schulischen Umfeld

«Die positiven Fälle sind hauptsächlich auf die schulische Umgebung, also auf Schüler, Lehrpersonen und Eltern zurückzuführen», heisst es von der Kommunikationsstelle Coronavirus des Kantons. Die höchste Positivitätsrate sei im Alter von 0 bis 15 Jahren festgestellt worden. Auch eine Studie aus Genf kam kürzlich zu dem Schluss, dass Kinder sich gleich häufig anstecken wie Erwachsene. Ab Mitte Februar soll in Bündner Schulen regelmässig breitflächig getestet werden, um Ausbrüche zu entdecken und den Präsenzunterricht weiterführen zu können.

In Zug nehmen die effektiven Infektionszahlen laut Bildungsdirektor Stephan Schleiss ab. «Seit das BAG aber entschieden hat, dass bei einer Infektion mit einer mutierten Variante auch die Kontakte zweiten Grades in Quarantäne müssen, werden viel öfter ganze Klassen in Quarantäne geschickt.» Zuvor hätten bei einer Infektion lediglich die engen Kontakte in Quarantäne müssen – nicht aber gleich die ganze Klasse.

Mehr Mails von verunsicherten Eltern

Das sorge für Verunsicherung: «Wir erhalten seither viel mehr Mails von verunsicherten Eltern. Sie machen sich Sorgen um ihre Kinder oder haben Angst, dass diese das Virus nach Hause tragen könnten», sagt Schleiss. Auch drohende Schulschliessungen seien für die Eltern eine Herausforderung.

Doch die Kantone seien sich einig: «Schulschliessungen respektive Fernunterricht soll das letzte Mittel sein.» Sollte sich die epidemiologische Lage tatsächlich wieder verschlechtern, werde Zug in Absprache mit den Gesundheitsbehörden erst wieder Massnahmen wie Halbklassenunterricht prüfen.

Berset: «Punktuelle Schliessungen funktionieren gut»

Silvia Steiner, Präsidentin der eidgenössischen Erziehungsdirektorenkonferenz, bestätigt, dass Ferunterricht das letzte Mittel sein soll: «Aus schulischer Sicht ist eine Grenze erreicht, wenn der Unterricht aufgrund von ausgedehnten Quarantäneanordnungen nicht mehr aufrechterhalten werden kann.» Von rund 500 öffentlichen Volksschulen im Kanton Zürich sei das bislang erst in zwei Fällen nötig gewesen. «Da macht es Sinn, lokal zu reagieren», sagt Steiner.

Das sieht auch Gesundheitsminister Alain Berset so: «Für den Bund sind Schulschliessungen derzeit keine Option», sagt er am Dienstag. Letztlich bleibe es aber Sache der Kantone: «Bei lokalen Ausbrüchen funktionieren die punktuellen Schliessung von Schulen gut», sagt Berset. Die Schliessung von allen Schulen habe aber weitreichende Konsequenzen.

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BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

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Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Tel. 147

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