27.06.2020 06:17

«Eine der kaputtesten Familien der Welt»

Jetzt will Trumps Nichte Mary mit ihm abrechnen

Donald Trumps Nichte Mary will nach zwanzig Jahren Streit nun Familiengeheimnisse lüften und ein Enthüllungsbuch veröffentlichen. Trump dürfte alles daran setzen, dies bis zum 28. Juli zu verhindern.

von
Ann Guenter
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«Es ist ihr nicht erlaubt, ein Buch zu schreiben», sagt US-Präsident Donald Trump über das Vorhaben seiner Nichte Mary, ein Enthüllungsbuch über ihn und die Familie zu veröffentlichen.

«Es ist ihr nicht erlaubt, ein Buch zu schreiben», sagt US-Präsident Donald Trump über das Vorhaben seiner Nichte Mary, ein Enthüllungsbuch über ihn und die Familie zu veröffentlichen.

keystone-sda.ch
Mary Trump – promovierte Psychologin – ist die Tochter von Donald Trumps älterem Bruder Fred Junior.

Mary Trump – promovierte Psychologin – ist die Tochter von Donald Trumps älterem Bruder Fred Junior.

Screenshot Linkedin
Das 240 Seiten lange Buch soll am 28. Juli erschienen und heisst «Zu viel und nie genug – Wie meine Familie den gefährlichsten Mann der Welt geschaffen hat».

Das 240 Seiten lange Buch soll am 28. Juli erschienen und heisst «Zu viel und nie genug – Wie meine Familie den gefährlichsten Mann der Welt geschaffen hat».

 Screenshot Simon & Schuster

Darum gehts

  • Donald Trumps Nichte will ein Buch über ihn und die Familie veröffentlichen.
  • Ein Richter hat einen Antrag, die Veröffentlichung zu unterbinden, in einem ersten Schritt abgelehnt.
  • Das Buch soll am 28. Juli veröffentlicht werden. Sein Inhalt verspricht explosiv zu sein.

Eben erst ist das vernichtende Enthüllungsbuch von Donald Trumps ehemaligem Sicherheitsberater John Bolton erschienen, jetzt wird eine zweite Bombe erwartet: Ein Richter im New Yorker Bezirk Queens wies einen ersten Antrag von Donald Trumps jüngerem Bruder Robert zurück, der die geplante Veröffentlichung eines Buches von Trumps Nichte Mary verhindern wollte.

Die einstweilige Verfügung weise «mehrere Unregelmässigkeiten» auf und hätte beim Supreme Court des Staates New York eingereicht werden müssen, so die Begründung des Gerichts.

Der Anwalt von Mary Trump, Ted Boutrous, begrüsste die Entscheidung des Gerichts und betonte, das Buch sei von «äusserstem öffentlichen» Interesse. Der Anwalt von Robert Trump erklärte gegenüber «The Daily Beast» allerdings, dass Robert Trump den Fall vor dem Supreme Court in New York weiterverfolgen wolle. Denn, so die Argumentation, mit dem Buch verstosse Mary Trump gegen eine Vertraulichkeitsvereinbarung, die im Zusammenhang mit der Nachlassregelung ihres Grossvaters Fred Trump, des Vaters des Präsidenten, geschlossen worden sei.

Wer ist Mary Trump?

Mary Trump – promovierte Psychologin – ist die Tochter von Donald Trumps älterem Bruder Fred Junior. Dieser starb 1981 im Alter von 42 Jahren infolge einer Herzattacke. Fred Trump war Alkoholiker gewesen. Donald Trump hatte immer wieder erklärt, dass er wegen seines Bruder keinen Alkohol trinke. Der Tod von Fred Trump zerriss die Familie. Der Streit wurde im Jahr 2000 öffentlich, als die Kinder von Fred Trump Jr. wegen Erbschaftsansprüchen vor Gericht zogen.

Im gleichen Jahr gab die 55-jährige Mary Trump ein Interview, in dem sie erklärte, dass ihre «Onkel und Tanten sich schämen sollten», wie sie das Testament von Fred Trump Senior gehandhabt und andere Familienmitglieder behandelt hätten. «Aber ich bin sicher, sie schämen sich nicht.»

Bereits vor zwanzig Jahren warf Nichte Mary Donald Trump und seine beiden Geschwister vor: Sie hätten der Familie des verstorbenen Bruders den Geldhahn zugedreht – und damit auch die Behandlung eines Neffen verunmöglicht, der an zerebraler Kinderlähmung litt. Dies sei eine Bestrafung dafür gewesen, dass dieser Teil der Familie wegen der Erbschaftsstreitigkeiten vor Gericht gezogen war.

Worum geht es in dem Buch?

Mary Trump sei das einzige Mitglied der Familie, «das Willens ist, die Wahrheit über eine der mächtigsten und kaputtesten Familien der Welt preiszugeben», erklärte Simon & Schuster, der Verlag, der das Buch von Trumps Nichte herausgeben will. Das 240 Seiten lange Buch soll am 28. Juli erschienen und heisst «Zu viel und nie genug – Wie meine Familie den gefährlichsten Mann der Welt geschaffen hat». Die Nichte des US-Präsidenten erläutere darin, wie ihr Onkel Donald Trump «der Mann wurde, der jetzt die Gesundheit der Welt, die wirtschaftliche Sicherheit und den gesellschaftlichen Zusammenhalt bedroht».

Unter anderem soll sie Gespräche mit Donald Trumps Schwester Maryanne aufgezeichnet haben. Die mittlerweile pensionierte Richterin gibt dabei ihre «intimen und vernichtenden Gedanken über ihren Bruder preis», wie «The Daily Beast» schreibt.

In dem Buch erhebt Mary Trump auch den Vorwurf, dass Donald Trump zum frühen Tod ihres Vaters beigetragen, ihn unter Druck gesetzt und ihm in der Zeit der Alkoholsucht nicht beigestanden habe. Donald Trump selbst hat diesen Vorwurf in einem Interview letztes Jahr aufgegriffen: Er habe seinen Bruder unter Druck gesetzt, sich nicht vom Immobiliengeschäft der Familie abzuwenden, obwohl dieser daran kein Interesse gehabt habe. «Ich bereue, ihn so unter Druck gesetzt zu haben», so Trump.

Nichte offenbar Informantin der «New York Times»

In dem Buch soll Mary Trump auch offen legen, wie sie mit Journalisten der «New York Times» zusammen gearbeitet und ihnen geheime Dokumente wie die Steuererklärung von Trumps Vater Fred Sen. weitergegeben habe. Resultat war eine preisgekrönte Serie der New York Times, inklusive eines Podcasts «Eine Milliarde Dollar Verlust: Ein Jahrzehnt Steuern der Trumps».

Nur wenige Monate vor der Präsidentschaftswahl werde das Buch der Trump-Nichte «Schockwellen» durch Washington und die Trump-Familie jagen, prognostiziert «The Daily Beast». Immerhin sei es das erste Enthüllungsbuch über den US-Präsidenten aus der Feder eines Familienmitglieds. Entsprechend gross ist der Widerstand eines Teils der Trump-Familie gegen eine Veröffentlichung. Es bleibt abzuwarten, ob das Buch am 28. Juli aber auch wirklich erscheinen wird. Der US-Präsident hat die Pläne mit Verweis auf die Vertraulichkeitsvereinbarung als rechtswidrig bezeichnet: «Es ist ihr nicht erlaubt, ein Buch zu schreiben.»

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107 Kommentare
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katy

28.06.2020, 10:23

Ich mag Menschen nicht die in der Öffentlichkeit abrechnen. Die sind genau so schlimm.

Anti Trump

27.06.2020, 10:04

Sie kriegt nur was vom Erbe wenn sie die Klappe hält!? Das ist Erpressung!

Was ihr wollt

27.06.2020, 10:02

In einer Doku über Trump sagen ehem. Mitarbeiter (nicht gefeuert!), dass er sich einzig und allein um seine eigenen Interesse kümmere, alles andere sie ihm "schnurtz!" Wenn das ein guter Leader für einen Staat wie die USA sein soll, weiss ich gar nichts mehr!In der Doku gab's noch viel mehr, z.T. Bekanntes, aber auch ziemlich "krasses," um nicht mehr zu sagen.