Holzknappheit: Jetzt wird das Brennholz knapp – Förster fürchten Holzdiebe

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HolzknappheitJetzt wird das Brennholz knapp – Förster fürchten Holzdiebe

Aus Angst vor einer kalten Wohnung werden in Deutschland vermehrt Baumstämme aus Wäldern geklaut. Auch in der Schweiz wird das Brennholz knapp – die Förster hoffen auf Zivilcourage, um Diebe fernzuhalten.

von
Marino Walser
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Wegen der Energiekrise werden in Deutschland vermehrt Holzdiebstähle in Wäldern registriert. Schweizer Förster befürchten, dass es auch in der Schweiz zu mehr Holzdiebstählen kommen wird. 

Wegen der Energiekrise werden in Deutschland vermehrt Holzdiebstähle in Wäldern registriert. Schweizer Förster befürchten, dass es auch in der Schweiz zu mehr Holzdiebstählen kommen wird. 

Getty Images/iStockphoto
«Wenn das Holz nicht verfügbar ist und die Leute frieren, sinkt die Hemmschwelle», sagt Markus Amhof, Förster und Forstunternehmer im Kanton Zug. Bleibe die hohe Nachfrage bestehen, habe er Ende Oktober kein Holz mehr zum Verkaufen.

«Wenn das Holz nicht verfügbar ist und die Leute frieren, sinkt die Hemmschwelle», sagt Markus Amhof, Förster und Forstunternehmer im Kanton Zug. Bleibe die hohe Nachfrage bestehen, habe er Ende Oktober kein Holz mehr zum Verkaufen.

Markus Amhof
Darum befürchtet Förster Markus Amhof, dass es auch in der Schweiz vermehrt zu Holzdiebstählen in den Wäldern kommen wird.

Darum befürchtet Förster Markus Amhof, dass es auch in der Schweiz vermehrt zu Holzdiebstählen in den Wäldern kommen wird.

20min/Karina Romer

Darum gehts

  • Aufgrund der Energiekrise wird in Deutschland vermehrt Holz aus den Wäldern gestohlen.

  • In der Schweiz könnte dies auch passieren. Dies glauben verschiedene Förster. 

  • Der Grund: Das Brennholz erfährt eine grosse Nachfrage. Bleibt diese gleich, können manche Förster bereits Ende Oktober kein Holz mehr an den Endverbraucher liefern.

  • Um Diebstähle in den Wäldern zu verhindern, zählen die Förster auf Zivilcourage.

Die Sorge vor einem Winter mit Gasknappheit, den damit verbundenen Preiserhöhungen und kalten Wohnungen, beunruhigt die Menschen. In Deutschland treiben sich deshalb vermehrt Holzdiebe in den Wäldern herum, die ganze Baumstämme stehlen. Teils professionell mit Lastwagen.

Holzdiebstähle in Schweizer Wäldern werden bislang kaum verzeichnet. «Die Hürde, mit einem Auto in den Wald zu fahren, um Holz zu klauen, ist sehr hoch», sagt Florian Landolt von Wald Schweiz. Das sei in der Vergangenheit nur selten vorgekommen.

Knappheit könnte zu mehr Diebstählen führen

Das könnte sich jedoch bald ändern, befürchten Schweizer Förster. Den Stück- und Brennholz ist auch in der Schweiz ein viel gefragtes Gut. «Die Nachfrage nach Holz hat in den letzten Wochen stark zugenommen», sagt Markus Amhof, Förster und Forstunternehmer im Kanton Zug.

Darum befürchtet der Förster, dass es auch in der Schweiz vermehrt zu Holzdiebstählen in den Wäldern kommen wird. «Wenn das Holz nicht verfügbar ist und die Leute frieren, sinkt die Hemmschwelle», sagt Amhof. Da das Holz zwischen ein bis drei Jahren lagern müsse, bevor es für Wärme sorgen könne, sei das Angebot bei vielen Holzverkäufern begrenzt. «Bleibt die hohe Nachfrage bestehen, habe ich Ende Oktober kein Holz mehr zum Verkaufen.»

Diese Einschätzung teilt Thomas Studer, Leiter des Forstbetriebs Leberberg im Kanton Solothurn. «Die Holzreserven schmelzen wie Gletscher», sagt Studer. Darum geht auch Studer davon aus, dass es zu mehr Holzdiebstählen in den Schweizer Wäldern kommen wird. Bereits jetzt stellt der Förster fest, dass viele beim Spazieren liegengebliebenes Holz vom Boden aufnehmen und mit nach Hause nehmen.

Auf Zivilcourage angewiesen

Viel tun können die Waldbesitzer gegen Holzdiebstähle jedoch nicht. Die Flächen der Förster sind zu gross, um überall ein wachsames Auge zu haben. «Wir setzen hier ein wenig auf Zivilcourage», sagt Studer.

Oftmals schon sei es passiert, dass die Bevölkerung Diebstähle direkt dem Förster gemeldet habe. «Dafür sind wir dankbar. Wir nehmen dann das Holz an diesem Ort weg», sagt Studer. Der Wald sei kein Selbstbedienungsladen. Werde man beim Holzklau erwischt, werde dies sanktioniert. «Es ist Diebstahl und somit strafbar», so Studer.

Lieferengpässe beim Brennholz

In vereinzelten Regionen, wie beispielsweise in der Stadt Winterthur, ist es aufgrund der grossen Nachfrage bereits jetzt zu Kapazitätsengpässen gekommen. Bis Ende August kann über den Holzshop kein Brennholz gekauft werden. Darüber berichtete TeleZüri.

Auch bei der Verkaufsstelle Landi Schweiz spürt man den Run auf Brennholz. Auf Anfrage schreibt Landi Schweiz: «Wir gehen davon aus, dass gewisse Produkte vorübergehend nicht oder in reduzierter Menge ausgeliefert werden können.» Die Landi sei jedoch mit verschiedenen Lieferanten in Kontakt, um neue Beschaffungsmöglichkeiten zu finden.

Würdest du Brennholz in den Wäldern stehlen, um damit deine Wohnung zu heizen?

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