«Als wir gekommen sind, war niemand mehr da»

Die Stadtpolizei Zürich ist am Samstagmorgen zur Räumung des Juch-Areals nach Altstetten ausgerückt. Als sie vor Ort eintrafen, war es jedoch bereits leer.

Samstag, 23.5.2020

«Am Morgen zmörgeleten die Besetzer noch»

«Um 7:30 Uhr haben die Besetzer noch zmörgelet», sagt FDP-Gemeinderätin Martina Zürcher. «Es hat einen Nachmieter, der das Areal braucht. Darum ist es auch richtig, dass es jetzt geräumt wurde.»

So sieht es im Inneren des Areals aus

1 / 14

BRK-News

BRK-News

BRK-News

«Areal wird unbewohnbar gemacht»

Marco Cortesi gibt auf dem Juch-Areal Auskunft über die Räumungsaktion. «Als wir gekommen sind, war das Areal bereits verlassen.» Demnach ist es auch zu keinen Verhaftungen gekommen. Die Baracken werden nun unbewohnbar gemacht, etwa indem Fenster und Türen demontiert werden. Eine private Sicherheitsfirma wird das Gelände nun bis auf Weiteres bewachen.

Zu Solidaritäts-Party aufgerufen

Bereits am Freitag bezog die Stadtpolizei Stellung um das Areal, weil die Besetzer zu einer Solidaritäts-Party aufgerufen hatten. Solche Versammlungen sind wegen des Coronavirus aktuell verboten. Die Polizei wies deshalb mehrere Personen weg.

In der Nacht noch gefeiert

In der Nacht hatten die Besetzer sich noch als Sieger gefeiert, weil die Polizei abgezogen war. Für Samstagmorgen war ein Corona-Brunch auf dem Areal angekündigt.

Frist verlängert

Eigentlich hätten die Besetzer schon am 24. April ausziehen sollen. Das Sicherheitsdepartement verlängerte aber überraschenderweise die Frist bis ans Auffahrts-Wochenende. Die Verlängerung begründete es damit, dass sich mehr Personen auf dem Areal aufhielten als angenommen und ein fristgerechter Auszug wegen der Corona-Verhaltensregeln nicht sichergestellt werden könne.

Räumung beginnt

Am Samstagmorgen um 8 Uhr ist die Polizei mit einem Grossaufgebot nach Altstetten ausgerückt, wie der «Tagesanzeiger» berichtet. Die Räumung des Juch-Areals beginnt jetzt. Sie war eigentlich für Mitternacht am Freitag angekündigt worden. Die Polizei musste dann aber offenbar abziehen, wie es im Bericht weiter heisst.

Der Hintergrund

Bis Ende September 2019 wurden Asylsuchende im Rahmen des Testbetriebs in den ehemaligen Gastarbeiterunterkünften auf dem Juch-Areal untergebracht. Ursprünglich wollte die Eigentümerin der Unterkünfte, die Asyl-Organisation Zürich (AOZ), die Gebäude nach notwendigen Sanierungen weiterhin für die Unterbringung von Asylsuchenden nutzen. Laut der Stadt Zürich zeigte sich zwischenzeitlich, dass es auf Teilen des Juch-Areals zu Bodenabsenkungen kam. Diese hätten sichtbare Schäden an einem der Gebäude zur Folge. Auch seien weitere Schäden an der Kanalisation festgestellt worden. Daher könnten das Areal und das betroffene Gebäude nicht mit einem vertretbaren Aufwand saniert werden und liessen auch keine längerfristige Besetzung zu. Seit Oktober 2019 besetzen die Aktivisten das Areal in Zürich-Altstetten und nutzen es als «Kultur- und Lebensraum».

Am 22. Mai um Mitternacht, so war es angekündigt, sollte Schluss damit sein: Dann soll das Areal des ehemaligen Bundesasylzentrums menschenleer sein. Für 2,5 Jahre will die Stadt Zürich das Gelände dem Generalunternehmen HRS Estate als Bauplatz für den Bau des neuen Eishockeystadions auf dem Nachbargelände vermieten. Mit der Petition «Kein Lastwagen-Wendeplatz auf dem Juch-Areal» kämpfen die Besetzer gegen das Vorhaben. «Keine Räumung und kein Abriss des Juch-Areals zugunsten von ‹Bauplatzinstallationen› der HRS Real Estate. Das Areal gehört der Stadt und die Stadt gehört den Menschen, die darin leben», fordern sie. Über 1500 Personen, darunter auch linke Zürcher Kantons- und Gemeinderäte, haben die Petition bisher unterzeichnet.