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Neues LabelJetzt wird Schweizer Milch grün – und teurer

Ein neues Label kommt im September in die Schweizer Läden. Swissmilk Green soll das Tierwohl und die Nachhaltigkeit von Milchprodukten fördern.

von
Raphael Knecht
Bern

Bundespräsident Ueli Maurer findet 3 Rappen Aufpreis mehr als gerechtfertigt. (Video: RKN)

Bald prangt ein neues Logo auf Schweizer Milchprodukten: Swissmilk Green. Die Schweizer Milchbranche hat den Branchenstandard am Dienstag vorgestellt. Eingeladen war auch Bundespräsident Ueli Maurer (siehe Video oben).

Um das ab September lancierte Label nutzen zu dürfen, müssen insgesamt zehn Anforderungen aus den Bereichen Tierwohl, Fütterung und Nachhaltigkeit erfüllt sein. Dazu gehören:

Haltung: Kühe müssen an einem der beiden Tierwohlprogramme des Bundes teilnehmen. Dabei handelt es sich um BTS für besonders tierfreundliche Stallhaltung oder RAUS für regelmässigen Auslauf.

Melken: Kühe müssen mindestens zweimal täglich gemolken werden und die maximale Zwischenmelkzeit beträgt 14 Stunden.

Futter: Wird Sojaschrot verfüttert, muss es aus nachweislich nachhaltigem Anbau stammen. Futter darf zudem kein Palmfett oder -öl enthalten.

Antibiotika: Ohne ärztliche Anordnung dürfen keine kritischen Antibiotika verwendet werden.

Biodiversität: Mindestens sieben Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche müssen im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Leistungsnachweis besondere Leistungen zur Biodiversität erfüllen.

Name: Jede Kuh hat einen Namen, der in der Tierverkehrsdatenbank eingetragen ist.

Zu den zehn verpflichtenden Kriterien kommen acht zusätzliche, von denen aber lediglich zwei nach Wahl erfüllt werden müssen. Darunter sind etwa der Verzicht auf vorbeugende Antibiotika oder die Ausbildung von Lernenden im Betrieb. Laut der Branchenorganisation Milch soll sämtliche in der Schweiz produzierte Milch den Standard Swissmilk Green spätestens in vier Jahren erfüllen.

Milch wird teurer

Für die Produzenten gibts auch einen Anreiz, die Anforderungen zu erfüllen: Sie erhalten 3 Rappen mehr pro Liter Molkereimilch des A-Segments. Das betrifft die meisten in der Schweiz abgesetzten Milchprodukte ausser Käse.

Das dürfte bedeuten, dass Schweizer Milchprodukte teurer werden. Bundespräsident Ueli Maurer sagt dazu: «Bauern bekommen ja nicht einfach nur mehr Geld, sondern müssen viele Leistungen für die Umwelt und das Tierwohl erbringen. Ein Aufpreis von drei Rappen ist da mehr als gerechtfertigt.» Ob die Milchprodukte effektiv um diesen Betrag teurer werden, ist noch unklar.

«Überflüssiges» Label

Kritik kommt von der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS): Sie bezeichnet das neue Label als «überflüssig». Es verspreche den Konsumenten einen Mehrwert, den es gar nicht gebe, schreibt die SKS in einer Mitteilung. Grund dafür sei, dass die Anforderungen kaum über die gesetzlichen Standards hinausgingen.

Dass sich die Branche darüber einigen müsse, wie man die Milchproduktion nachhaltiger gestalten wolle, sei klar, sagt SKS-Geschäftsleiterin Sara Stalder: «Dieses nachhaltige Ziel müsste nun aber mit mutigen Verbesserungen angepeilt werden.»

Strengere Kriterien gefordert

Stalder geht davon aus, dass es noch Jahre dauern dürfte, bis Vorgaben wie der Verzicht auf Kraftfutter oder vorbeugenden Antibiotika-Einsatz ebenfalls eingehalten werden müssen. Laut Stalder ist die Einführung solcher Regeln aber bereits jetzt überfällig.

Stefan Kohler, Geschäftsführer der Branchenorganisation Milch, räumt ein, dass es zwar Produkte gebe, die den Standards bereits jetzt genügten. Mit dem Label habe der Konsument nun aber eine Garantie dafür. Und: Der Branchenstandard hebe Schweizer Produkte im internationalen Vergleich besonders hervor.

Das sagen die Tierschützer

Zwar begrüsst die Stiftung für das Tier im Recht, dass die Branche mehr Tierwohl fordert und den Produzenten Vorgaben macht. Das Label bietet aus Tierschutzsicht aber keinen echten Mehrwert, wie die stellvertretende Geschäftsleiterin Christine Künzli sagt. Auch die Haltungsbedingungen unter dem neuen Label würden keine artgerechte Haltung ermöglichen. So lasse das Label das Enthornen der Kühe in Laufställen weiterhin zu. Auch die Trennung von Mutterkuh und Kalb sei bei Swissmilk Green kein Thema. Die Programme BTS und RAUS seien zudem nur eine minimale Verbesserung für die betroffenen Tiere.

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