Aktualisiert 05.06.2019 17:01

SMS-Gewinnspiel

Jetzt wirft Vibez einem die Tickets gratis nach

Das Vibez-Openair hat ein SMS-Gewinnspiel lanciert, bei dem offensichtlich jeder Teilnehmer Tickets gewinnt. Doch das ist nicht der einzige Grund, weshalb Leser Zweifel hegen.

von
sul
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Auf seiner Homepage wirbt Vibez derzeit für das SMS-Gewinnspiel.

Auf seiner Homepage wirbt Vibez derzeit für das SMS-Gewinnspiel.

Offenbar «gewinnt» jeder, der mitmacht. «Einige meiner Freunde dachten, dass sie ja mitmachen könnten und eventuell einer gewinnt – doch ‹gewonnen› haben alle von uns», sagt ein Leser. Tatsächlich: Auch 20 Minuten machte versuchsweise mit – und erhielt ebenfalls eine Gewinnbenachrichtigung.

Offenbar «gewinnt» jeder, der mitmacht. «Einige meiner Freunde dachten, dass sie ja mitmachen könnten und eventuell einer gewinnt – doch ‹gewonnen› haben alle von uns», sagt ein Leser. Tatsächlich: Auch 20 Minuten machte versuchsweise mit – und erhielt ebenfalls eine Gewinnbenachrichtigung.

Zugleich wird man aufgefordert, sich innert 30 Minuten beim Drittanbieter Horisen zu registrieren, «so dass wir dir die Tickets in den nächsten 48 Stunden per Mail zustellen können». Per E-Mail also. Nur: Bei der Registration muss die E-Mail-Adresse gar nicht zwingend angegeben werden (hier nicht zu sehen).

Zugleich wird man aufgefordert, sich innert 30 Minuten beim Drittanbieter Horisen zu registrieren, «so dass wir dir die Tickets in den nächsten 48 Stunden per Mail zustellen können». Per E-Mail also. Nur: Bei der Registration muss die E-Mail-Adresse gar nicht zwingend angegeben werden (hier nicht zu sehen).

Per SMS-Gewinnspiel verlost das Vibez-Openair Tickets für den Festivalstart am Donnerstag. Die Teilnahme ist simpel: Man muss lediglich das Keyword VIBEZ an die Zielnummer 919 senden.

Bei 20 Minuten meldeten sich gleich mehrere Teilnehmer, die der Wettbewerb stutzig machte. Einer schreibt: «Einige meiner Freunde dachten, dass sie ja mitmachen könnten und eventuell einer gewinnt – doch ‹gewonnen› haben alle von uns.» 20 Minuten machte die Probe aufs Exempel – und erhielt ebenfalls eine Gewinnbenachrichtigung.

Werden Daten an Dritte weitergegeben?

Darin wird man zugleich aufgefordert, sich innert 30 Minuten beim Drittanbieter Horisen zu registrieren, «so dass wir dir die Tickets in den nächsten 48 Stunden per Mail zustellen können». Bei der Registration allerdings muss die E-Mail-Adresse nicht zwingend angegeben werden. Wie soll ich dann meine Tickets bekommen?, fragt sich der aufmerksame Teilnehmer.

Der erwähnte Leser und seine Kollegen entschieden sich gegen eine Registration, «da wir den Verdacht hegen, die Daten könnten verkauft oder anderweitig verwendet werden». Vibez verspricht zwar auf seiner Website das Gegenteil. Horisen hält in seinen Datenschutzbestimmungen aber fest, dass persönliche Daten durchaus an Dritte weitergegeben werden können.

Auch kamen bei den Lesern Zweifel auf, ob die Teilnahme tatsächlich kostenlos ist, so wie dies Vibez versichert. Denn: In den Teilnahmebedingungen zu den Horisen-Gewinnspielen heisst es, dass die SMS 1.50 Franken koste. Im Fall von 20 Minuten ergab eine Abfrage beim Telekomanbieter jedoch, dass die SMS an 919 keine Kosten verursachte.

Ernüchternder Vorverkauf?

Ein Teil der Leser, die die Registration abgeschlossen und ihre E-Mail angegeben hatten, erhielt bis Dienstagabend tatsächlich die Tickets. Dass Vibez diese nun gratis hergibt, mag manche erstaunen. Jedoch passt die Massnahme zum bisherigen Verlauf des Vorverkaufs: Vor einem Monat wurden die Ticketpreise um die Hälfte reduziert; der Tagespass kostete fortan noch 59 statt 120 Franken. Am vergangenen Montag dann verschenkte Vibez an den Bahnhöfen Biel und Solothurn Gratis-Tickets. Es macht den Anschein, als müssten die Eintritte den Leuten nachgeworfen werden, damit die Acts – zumindest jene am Donnerstag – einigermassen gut besucht sind.

Wird man also doch deutlich unter den 50'000 Zuschauern bleiben, die man über die ganzen drei Openair-Tage erreichen wollte? Die Veranstalter wollten sich am Dienstag nicht dazu äussern – genau so wenig wie zum Gewinnspiel. Zumindest in der letzten Medienmitteilung vom 30. Mai sprachen sie von einem «erfreulichen» Vorverkauf.

Der Sponsor, der keiner war

Letzte Woche geriet Vibez wegen seines angeblichen Hauptsponsors in die Schlagzeilen. Ende April präsentierten die Veranstalter die Fluggesellschaft Emirates als Presenting Partner. Die will aber nichts von einer Partnerschaft wissen und forderte Vibez auf, ihr Logo umgehend von der Website zu entfernen – was bis dato nicht passiert ist. Emirates hat rechtliche Schritte eingeleitet. Auch Fragen diesbezüglich liess Vibez am Dienstag unbeantwortet.

Nachtrag: Am Mittwochabend liess die Vibez-Pressestelle 20 Minuten eine Bestätigung des Drittanbieters Horisen zukommen, wonach «keine Daten oder persönliche Information aus dem SMS-Gewinnspiel, wie Namen, Adressen, Telefonnummern, Emailadressen an Dritte» weitergegeben würden. Dass die E-Mail-Adresse kein Pflichtfeld sei, gründe zudem «auf technischen Gegebenheiten», so die Vibez-Organisatoren.

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