Tiktok-Videos – So springen Wernli und Coop auf den «Squid Game»-Hype auf
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Tiktok-VideosSo springen Wernli und Coop auf den «Squid Game»-Hype auf

In der Brutalo-Hit-Serie stapeln sich die Leichen. Trotzdem machen Coop und Wernli Tiktok-Werbevideos dazu. Für Schweizer Firmen ist die Anlehnung an den Streaming-Erfolg ein Spagat.

von
Fabian Pöschl

Coop und die Guetzli-Bäcker von Hug zeigen auf Tiktok Videos mit «Squid Game»-Bezug.

20 Min/Tizian Fürer

Darum gehts

  • Die Netflix-Serie «Squid Game» bricht zahlreiche Rekorde.

  • Auf Tiktok stellen Userinnen und User die brutalen Challenges nach.

  • Auch Coop und Wernli machen mit.

  • Je nach Marke sind solche Aktionen aber nicht zu empfehlen.

Die Erfolgsserie «Squid Game» stürmt die weltweiten Netflix-Charts und bricht einen Rekord nach dem anderen. Auch in den sozialen Medien schlägt das brutale Überlebensspiel aus Südkorea hohe Wellen. Auf Tiktok wimmelt es nur so von Videos, in denen die Userinnen und User die Aufgaben nachspielen.

Jetzt sind auch Schweizer Firmen auf den Hype aufgesprungen. Die Marketingabteilungen von Coop und Guetzlibäcker Hug mit den Marken Wernli und Darvida posten ebenfalls Tiktok-Videos, in denen sie die Challenges testen.

«Die beste Werbung, die ich bisher gesehen habe»

Im Coop-Video versuchen sich zwei Personen in einer Filiale am Couvert-Spiel, bei dem sie mit einem Couvert das zweite umdrehen sollen. Wernli und Darvida witzeln über das Spiel mit den vorgestanzten Formen, die sie aus einer Art Guetzli herausbrechen sollen (siehe Video oben).

Dafür gibts Lob von der Community. Tausende Herzchen sammeln die Kurz-Videos und Hunderte positive Kommentare. «Ein Hoch auf die Marketingabteilung», schreibt User Percephone zum Coop-Video. User «Lazxr_4500» findet das Wernli-Video die «beste Werbung, die ich bis jetzt gesehen habe.»

Coop und Wernli verzichten auf die Gewalt

Doch im Gegensatz zu den Heile-Welt-Werbevideos von Coop und Hug ist die Serie äusserst brutal, in manchen Szenen stapeln sich die Leichen. Denn wenn die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Spiele nicht bestehen, werden sie getötet. So auch beim Keks-Spiel, wenn das Guetzli zerbricht. Unter dem Wernli-Video fragt User «Bro» deshalb, was passiert, wenn das Wernli-Guetzli kaputtgeht. «Dann wirst du zum Herzensbrecher», witzelt Wernli.

Auch Coop verzichtet in seinem Video auf Gewalt, die kräftigen Ohrfeigen kommen nicht vor, die beim Couvert-Spiel in der Serie dazugehören, wie zig Userinnen und User in den Kommentaren schreiben. Eine Coop-Sprecherin sagt dazu, dass die Detailhändlerin auf den Social-Media-Kanälen «selbstverständlich keine Gewalt zeigt». Coop wolle Trendthemen kreativ und mit einem Augenzwinkern umsetzen.

«Coop darf es nicht übertreiben»

Marketing-Expertin Sarah Seyr von der Hochschule Luzern lobt die Firmen fürs Aufgreifen der Serie. Solche düsteren Geschichten seien derzeit extrem beliebt. Fürs Anlehnen an die gewalttätige Serie könne es aber auch Kritik geben. «Coop darf es nicht übertreiben und hat sich wohl von der internen Ethikkommission beraten lassen, als man auf die Ohrfeigen verzichtete», sagt Seyr.

Sie könne auch verstehen, wenn Firmen nicht in Verbindung mit der brutalen Serie gebracht werden wollen. «Solche Kampagnen sind je nach Brand nicht zu empfehlen. Ein Wernli-Guetzli ist an sich harmlos, aber bei einem Werkzeug wäre die Werbung schon umstritten», sagt Seyr.

Werber Frank Bodin glaubt nicht, dass Coop und Hug wegen der «Squid Game»-Videos Probleme bekommen könnten. «Es ist immer noch eine Serie und nicht die Realität und James Bond ist ja auch zwischendurch brutal», sagt Bodin. Vielmehr lobt er die Schweizer Firmen, dass sie mit den Videos gezeigt hätten, dass sie nahe am Zeitgeist und der Aktualität sind.

Mit den Videos können Coop und Hug die vielen Fans der Serie zum Lächeln bringen und signalisieren, dass sie ihre Lebensrealität teilen, sagt Jonas Bayona, Social Creative Director bei der Werbeagentur Jung von Matt/Limmat. «Smarte, lustige oder überraschende Umsetzungen werden von der Community wohlwollend aufgenommen, langweilige oder zu sehr aus der Innensicht von Unternehmen gedachte Inhalte abgestraft.»

Erfolgreich dank «Squid Game» ist etwa die Sneaker-Marke Vans. In der Serie tragen alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer weisse Sneaker der Marke. Laut dem britischen Branchenportal «Sole Supplier» reissen sich deshalb die Leute um die Schuhe. Die Verkaufszahlen sind seit der Premiere der Serie um 7800 Prozent gestiegen.

Schlägerei wegen «Squid Game Café»

Netflix eröffnete kürzlich in Paris ein Pop-up namens «Squid Game Café». Das Café im 2. Arrondissement sollte die Fans in die Welt von «Squid Game» entführen. Doch die Firma unterschätzte wohl den Hype um die Hit-Serie. Das Interesse war enorm: Hunderte Menschen warteten stundenlang im strömenden Regen, um in das Café zu gelangen, berichtet 20minutes. Die Wartezeit schien die Nerven einiger Fans so sehr zu strapazieren, dass in der Warteschlange ein handfester Streit ausbrach. Fäuste flogen und es brach kurzzeitig Panik aus. Sicherheitskräfte mussten schliesslich eingreifen, um die Streithähne zu trennen.

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