Belegungsanzeige: Jetzt zeigt die SBB-App, wie voll jeder Wagen ist
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BelegungsanzeigeJetzt zeigt die SBB-App, wie voll jeder Wagen ist

Die SBB informiert neu auf den Wagen genau, wie viele Leute im Zug sind. Damit soll die Bahn pünktlicher werden.

von
ehs

So funktioniert die neue Belegungsanzeige: Die Schritt-für-Schritt-Anleitung im Video.

Seit dieser Woche können Pendler in der SBB-App bei jedem Zug sehen, wie voll die einzelnen Wagen sind. Über die Fahrplanabfrage und die Funktion «Zugformation einblenden» zeigt die App für alle Teilstrecken die Belegung an. Dargestellt wird dies mit drei Figuren, wobei drei rot ausgefüllte Figuren einer sehr hohen Belegung entsprechen, zwei weiss ausgefüllte einer hohen Belegung und eine ausgefüllte Figur einer tiefen Belegung (die Anleitung sehen Sie im Video oben).

Bereits aktiv ist die Funktion auf der iPhone-App, in der Android-App wird sie in den nächsten Tagen aufgeschaltet. Ebenfalls funktioniert die Anzeige auf der Internetseite. Das Hauptziel der Funktion sei der Komfort für die Reisenden, die so einfacher einen Sitzplatz fänden, sagt SBB-Sprecher Raffael Hirt. «Dank der wagengenauen Prognose erkennen sie, in welchen Wagen sie einsteigen müssen, damit sie laut Prognose noch freie Plätze finden.»

Lassen sich Pendler lenken?

Die Bahn will dank der neuen Funktion aber auch pünktlicher werden. «Wir erhoffen uns, dass sich die Reisenden besser auf alle Wagen verteilen. Das lastet die Sitzplätze besser aus und verkürzt unter Umständen die Ein- und Aussteigezeit», sagt Hirt. Wenn sich nicht mehr alle Reisenden bei wenigen Türen versammeln und den Einsteigeprozess so verlangsamen, könnten Züge schneller wieder abfahren und pünktlicher werden.

Die SBB wolle nun ausprobieren, ob sich die Pendler mit der Prognose lenken lassen, sagt Hirt. In der Vergangenheit hatte die Bahn damit keinen Erfolg. Nach der Eröffnung des neuen Bahnhofs Löwenstrasse in Zürich wurden Kundenlenker eingesetzt, die Pendler darauf aufmerksam machten, sich auf dem ganzen Perron zu verteilen und alle Türen zu nutzen. «Eine flächendeckende Wirkung wurde damit nicht erzielt», erklärt Hirt. Die Lenkung mit physischen Kundenlenkern habe nicht geklappt.

Prognose statt Echtzeitdaten

Neben der App und der Internetseite wird die Belegung neu auch auf den Anzeigetafeln am Perron angezeigt – zumindest auf den neuesten Modellen. Auf diesen wird die Belegung nicht anhand von drei Figuren dargestellt. Stattdessen wird eine Figur angezeigt, die je nach Belegung verschieden stark gefüllt erscheint.

Bei der Belegungsanzeige handelt es sich nicht um Echtzeitdaten, sondern um eine Prognose, die basierend auf den Frequenzerhebungen erstellt wird. Dabei würden zusätzliche Faktoren wie Ferien- und Feiertage am Start- und Zielort, das Wetter oder Gruppenreservationen berücksichtigt, so Hirt. Die SBB gleiche die so erstellten Prognosen laufend mit den gemessenen Frequenzen ab. «Dadurch lernt das Prognosesystem dazu und wird noch besser.»

Eine Analyse von 20 verschiedenen Fernverkehrszügen, die in der Hauptverkehrszeit ab dem Zürcher Hauptbahnhof in der Halle abfahren, zeigt: Die meisten freien Plätze gibt es in der zweiten Klasse jeweils ganz vorne am Zug, also dort, wohin der Weg am weitesten ist. Voll sind dafür meist die Wagen, die gleich auf die 1. Klasse folgen. Und bei vielen Zügen, etwa nach Genf oder Basel, bringt die Belegungsprognose in den Stosszeiten sowieso nichts: Dann sind nämlich alle Wagen mit drei roten Figuren ausgefüllt und damit «sehr hoch» belegt.

SBB bietet Gratis-Internet für eine Minderheit

Seit Dienstag bietet die SBB den Pendlern in Intercity-Neigezügen kostenloses Internet. Wer teilnehmen will, muss die App FreeSurf herunterladen und sich einmalig registrieren. Dafür genügt die Angabe der Handynummer. Die App ermöglicht die kostenlose Nutzung des Mobilfunknetzes. Die Lösung hat einen Haken: Vorerst können nur Pendler mit einer SIM-Karte von Sunrise oder Salt teilnehmen. Die beiden Anbieter vereinen knapp 40 Prozent Marktanteil. Mit der Swisscom liefen Gespräche, so die SBB. Ebenfalls noch in Prüfung sei eine Lösung, die Touristen ohne SIM-Karte den Internetzugriff ermögliche. Auf internationalen Zügen setzt die SBB hingegen auf WLAN. Im Ausland sei die Verbindung einzelner Mobilfunkanbieter oft schnlechter, deshalb mache WLAN dort Sinn, weil die Signale aller Anbieter gebündelt werden könnten, so die Bahn.

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