Drohende Entlassungen – Jetzt zittern Firmen vor dem Ende der Kurzarbeitsentschädigung
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Drohende EntlassungenJetzt zittern Firmen vor dem Ende der Kurzarbeitsentschädigung

Die am schlimmsten von den Corona-Massnahmen getroffenen Betriebe befürchten, dass sie noch auf unabsehbare Zeit Unterstützung brauchen. Doch ausgerechnet jetzt droht das Ende der Kurzarbeitsentschädigung.

von
Fabian Pöschl
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Betriebe wie Clubs und Bars haben stark unter den Corona-Massnahmen gelitten.

Betriebe wie Clubs und Bars haben stark unter den Corona-Massnahmen gelitten.

imago images/Rainer Weisflog
Dank Kurzarbeitsentschädigung war der Lohn gesichert. Doch wer nach Anfang der Pandemie darauf zugreifen musste, der könnte bald keine Entschädigung mehr bekommen.

Dank Kurzarbeitsentschädigung war der Lohn gesichert. Doch wer nach Anfang der Pandemie darauf zugreifen musste, der könnte bald keine Entschädigung mehr bekommen.

imago images/Belga
Die Clubs und Bars hatten während der ganzen Pandemie nie Normalbetrieb.

Die Clubs und Bars hatten während der ganzen Pandemie nie Normalbetrieb.

Tamedia AG

Darum gehts

  • Die Kurzarbeitsentschädigung hat vielen Angestellten den Lohn gesichert.

  • Doch jetzt droht das Ende der Entschädigung.

  • Betroffene Betriebe befürchten Entlassungen.

  • Der Bundesrat prüft deshalb eine erneute Verlängerung.

In der Corona-Krise waren Bars und Clubs geschlossen, Reisebüros warteten vergeblich auf Kunden und Kundinnen. Die Massnahmen zur Bekämpfung der Pandemie haben zahlreiche Geschäfte bluten lassen. Dank Kurzarbeitsentschädigung war der Lohn der Angestellten aber gesichert.

Doch ab März 2022 könnte sich das ändern. Denn die Ausnahmeregelung der maximalen Bezugsfrist von 24 Monaten innerhalb der Rahmenfrist von zwei Jahren dauert nur noch bis Ende Februar. Danach fällt die Bezugsfrist wieder auf zwölf Monate, wie ein Sprecher vom zuständigen Bundesamt Seco bestätigt.

Drohende Lücken

Firmen, die erst nach Ausbruch der Pandemie im März 2020 auf die Kurzarbeitsentschädigung zugriffen und das seither länger als zwölf Monate tun, drohen nun Lücken.

Denn: Wer etwa seit Mai 2020 durchgehend Kurzarbeitsentschädigung erhielt, bekommt sie für die kommenden Monate März und April nicht mehr, weil ab März nur noch zwölf Monate Höchstbezugsdauer gelten.

Erst ab Mai könnte diese Firma nach Ablauf ihrer Rahmenfrist von zwei Jahren wieder Kurzarbeit in einer neuen Rahmenfrist beantragen. Dann wieder für zwölf Monate innerhalb von zwei Jahren.

Knapp 8000 Firmen beziehen noch Kurzarbeitsgeld

Für die betroffenen Firmen wären diese Lücken ein «herber Schlag», wie ein Sprecher von Knecht Reisen zu 20 Minuten sagt. Zwar sind das nur noch wenige Unternehmen, so waren es im Oktober laut ZKB-Chefökonom Schweiz David Marmet weniger als 8000 Betriebe, die aufs Kurzarbeitsgeld zurückgriffen. Und seither dürften es noch weniger geworden sein.

Doch 60 Prozent der Bars und Clubs in Zürich haben aktuell Angestellte in Kurzarbeit, wie eine Umfrage unter den Mitgliedern der Bar & Club Kommission Zürich ergab. Laut Alexander Bücheli, Sprecher des Branchenverbands, hatten die meisten Firmen während der ganzen Dauer der Pandemie Angestellte in Kurzarbeit, «weil für unsere Branche nie Normalbetrieb war».

Entlassungen unumgänglich

Entsprechend viele Betriebe wären vom Ende der Kurzarbeit betroffen und hätten Probleme. «Für geschlossene, aber auch halbgeöffnete Betriebe ist die Bezahlung des Personals, auch nur für einen Monat, nicht mehr finanzierbar nach zwei Jahren Pandemie», so Bücheli.

Betroffen wäre etwa der Zürcher Club X-Tra, der wegen der aktuellen 2G-Plus-Regel bis 24. Januar geschlossen hat. Solle die Kurzarbeitsentschädigung auslaufen, während die Massnahmen bestehen bleiben, käme man um Entlassungen nicht herum, sagt Geschäftsleiter Jürg Burkhardt zu 20 Minuten.

«Aber auch mit weiteren Lockerungen der Massnahmen kommt ein anspruchsvolles Jahr auf uns zu», so Burhardt. Bereits jetzt würden Konzerte und Firmenevents verschoben, die für den Frühling/Frühsommer geplant sind. Burkhardt sagt deshalb: «Wir rechnen damit, dass wir auf noch unabsehbare Zeit auf Unterstützung angewiesen sind.»

Bundesrat prüft Verlängerung

Es gibt aber Hoffnung. Der Bundesrat soll in den kommenden Wochen eine Verlängerung der maximalen Bezugsdauer bis 30. Juni 2022 prüfen und wird dann zeitnah darüber entscheiden, heisst es beim Seco (siehe Box).

Verlängerung bis Ende 2022 möglich

Die maximale Höchstbezugsdauer der Kurzarbeitsentschädigung wurde bereits von den sonst üblichen zwölf Monaten auf 24 Monate verlängert. Der Bundesrat könnte diese aber nochmals bis Ende des Jahres verlängern. Sollte dann noch mehr Zeit nötig sein, bräuchte es eine Gesetzesänderung. Die Kurzarbeit garantiert laut Seco nur Arbeitsausfälle, die nicht selbstverschuldet sind, aber nicht den entgangenen Umsatz. Als weitere Instrumente können Selbständige und Firmeninhaber einen Erwerbsersatz beantragen. Zudem gibt es laut Seco immer noch die Möglichkeit, Unternehmen über die Härtefallregelung zu unterstützen, damit diese einen Teil ihrer fixen Kosten decken können.

David Marmet von der ZKB fände eine Verlängerung sinnvoll und glaubt, dass die vorhandenen Massnahmen auch bei einem neuen massiven Einbruch der Wirtschaft wegen Corona-Massnahmen genügen. «Was sich in der Krise bewährt hat wie der Covid-Kredit würde bei einer erneuten Welle ausreichen», so Marmet.

Economiesuisse-Chefökonom Rudolf Minsch befürchtet nicht mal eine Entlassungswelle, sollte der Bundesrat sich gegen eine Verlängerung entscheiden. «Die Konjunktur hat sich deutlich positiver erholt als erwartet», sagt Minsch. Zudem gebe es in vielen Betrieben eher einen Mangel an Mitarbeitenden, weil viele den Betrieb verlassen hatten, als diese vom Shutdown betroffen waren.

20 Min/Raphael Casablanca

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