Terror in NizzaPolizei verhaftet zwei weitere Männer

Bei der Attacke in einer Kirche in Nizza sind mindestens drei Menschen getötet worden. Der Täter liegt schwer verletzt im Spital. Die Polizei geht von einem terroristischen Tatmotiv aus - und verhaftete am Sonntag zwei weitere Personen.

  • Mindestens drei Personen wurden getötet.

  • Mehrere Personen wurden verletzt.

  • Es soll sich um einen terroristischen Hintergrund handeln.

  • Die Anti-Terror-Staatsanwaltschaft ermittelt.

  • Der Täter sei festgenommen wurden und soll verletzt ins Spital eingeliefert worden sein.

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Sonntag, 1.11.2020

Polizei verhaftet weitere zwei Personen

Nach dem Messerangriff in Nizza mit drei Toten hat die französische Polizei zwei weitere Personen festgenommen. Dabei soll es sich um Männer im Alter von 25 und 63 Jahren handeln, teilte die französische Nachrichtenagentur AFP unter Bezug auf Justizkreise am Sonntag mit. Damit wurden seit dem Anschlag in der Kirche am Donnerstag neben dem Täter sechs Personen in Polizeigewahrsam genommen.

Bei dem als islamistischer Terroranschlag eingestuften Angriff hatte ein 21-jähriger Tunesier in der Kirche Notre Dame im Zentrum der südfranzösischen Stadt den Küster und zwei Frauen tödlich verletzt. Anlässlich der Messe zu Allerheiligen wurde am Sonntag in der Kirche Saint-Jean-Baptiste Le Voeu in Nizza den drei Opfern des Messerangriffs gedacht, wie die Agentur weiter berichtete. In Nizza wurden nach Angaben des Bürgermeisters der Stadt, Christian Estrosi, 120 Polizisten und 60 weitere Soldaten zur Bewachung der Kirchen mobilisiert. (sda)

Samstag, 31.10.2020

Dritte Person festgenommen

Die Polizei verhaftete im Zusammenhang mit der Messerattacke in Nizza eine dritte Person. Das schreibt die Nachrichtenagentur AFP mit Verweis auf eine Rechtsquelle. Dementsprechend wurde der Mann festgenommen, um über die Vorgänge in Nizza befragt zu werden.

Beim Mann handelt es sich um einen 35-jährigen. Der Mann war bei der Hausdurchsuchung des zweiten Tatverdächtigen, der am Freitag festgenommen wurde, anwesend. Das schreibt «La Parisien». «Wir versuchen herauszufinden, worin seine Rolle im Fall besteht», sagt die Quelle aus der Justiz.

Freitag, 30.10.2020

47-Jähriger festgenommen

Nach dem mutmasslich terroristischen Messerangriff in Nizza mit drei Toten haben Ermittler einen 47-jährigen Mann festgenommen und in Gewahrsam genommen.

Er soll am Vorabend der Tat Kontakt mit dem Angreifer gehabt haben, bestätigten Justizkreise der Nachrichtenagentur DPA am Freitag in Paris. Der Verdächtige sei am Donnerstagabend gestellt worden, hiess es weiter.

Anti-Terror-Staatsanwalt Jean-François Ricard hatte am Donnerstagabend gesagt, dass Ermittler herausfinden wollen, ob der Angreifer von Komplizen unterstützt wurde. Sie wollen auch genauer wissen, wie der Mann, der aus Tunesien stammen soll, nach Südfrankreich kam. Der von Polizisten schwer verletzte Angreifer kam in ein Krankenhaus und schwebt in Lebensgefahr.

Der Tatverdächtige soll am Donnerstag drei Menschen in Nizza mit einem Messer getötet haben, zwei Opfer wurden in der Kirche Notre-Dame im Stadtzentrum aufgefunden. Die Tat hatte weltweit Entsetzen und Anteilnahme ausgelöst.

Italien war nicht vor Täter gewarnt

Italiens Behörden waren nach eigenen Angaben von Tunesien nicht vor dem Gewalttäter von Nizza gewarnt worden. Aus dem Innenministerium in Rom verlautete am Donnerstagabend, dass der Angreifer, der in Frankreich drei Menschen umgebracht haben soll, als ein 21-jähriger Tunesier identifiziert worden sei. Der Mann sei am 20. September illegal auf der italienischen Mittelmeerinsel Lampedusa angekommen, hiess es.

Nach italienischen Agenturberichten war er mit anderen Bootsmigranten dort an Land gegangen und im Oktober nach Bari, die Hauptstadt Apuliens, gebracht worden. Dort soll er abgetaucht sein.

Aus Quellen im Innenministerium in Rom hiess es nur, dem Tunesier sei am 9. Oktober ein Ablehnungsdekret für einen Verbleib geschickt worden. Er sei aufgefordert worden, Italien innerhalb von sieben Tagen zu verlassen. Die tunesischen Behörden hätten Italien nicht vor ihm gewarnt. Auch aus «nachrichtendienstlichen Kanälen» sei er nicht unter dem Gesichtspunkt der Sicherheit genannt worden.

Staats- und Regierungschefs stellen sich an Frankreichs Seite

Die Staats- und Regierungschefs der EU stellen sich geschlossen an die Seite Frankreichs. «Wir verurteilen diese Attacken, die einen Angriff auf unsere gemeinsamen Werte darstellen, aufs Schärfste», heisst es in einer gemeinsamen Erklärung, die EU-Ratschef Charles Michel am Donnerstag veröffentlichte.

In ihrem gemeinsamen Statement betonten die Staats- und Regierungschefs, geschockt und betrübt von den terroristischen Anschlägen zu sein. «Wir stehen geschlossen und fest in unserer Solidarität mit Frankreich, mit dem französischen Volk und der französischen Regierung – in unserem gemeinsamen und andauernden Kampf gegen Terrorismus und gewalttätigen Extremismus.»

Zugleich rufe man führende Politiker auf der ganzen Walt dazu auf, auf Dialog und Verständnis zwischen Gemeinschaften und Religionen hinzuarbeiten und nicht auf Spaltung.

Bild: Reuters

«Es ist ein unfassbarer Angriff auf die Demokratie und die Meinungsfreiheit in Europa», sagte der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz am Donnerstagabend am Rande der Videokonferenz. «Wir müssen entschlossen gemeinsam in ganz Europa und darüber hinaus gegen Islamismus und politischen Islam vorgehen, um solche Angriffe zu verhindern», sagte er weiter.

Donnerstag, 29.10.2020

UN-Chef verurteilt Attacke

UN-Generalsekretär António Guterres hat die tödliche Messerattacke in der südfranzösischen Stadt Nizza scharf verurteilt. Der Angriff sei «abscheulich», sagte Guterres am Donnerstag laut Mitteilung in New York. Er sprach den Familien der Opfer sein Beileid aus und betonte die Solidarität der Vereinten Nationen mit dem französischen Volk und seiner Regierung.

Über Lampedusa eingereist

Bei dem mutmasslichen Angreifer von Nizza handelt es sich nach dpa-Informationen um einen Mann, der 1999 in Tunesien geboren ist. Der konservative französische Abgeordnete aus dem Département Alpes-Maritimes, in dem auch Nizza liegt, Éric Ciotti, machte am Donnerstag weitere Angaben: So sei der mutmassliche Täter über die italienische Mittelmeerinsel Lampedusa eingereist, schrieb er bei Twitter.

Auch die italienische Nachrichtenagentur Ansa berichtete unter Berufung auf Sicherheitskreise, dass der Mann auf Lampedusa mit anderen Migranten in die EU eingereist und auf der Insel registriert worden sei. Die Ermittler haben sich bisher noch nicht zum Täter und zum Ablauf der Tat geäussert.

«Islamistischer Terroranschlag»

Die Messerattacke in Nizza mit drei Toten war laut Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron ein «islamistischer Terroranschlag». Frankreich sei angegriffen worden, sagte der 42-Jährige am Donnerstag in der südfranzösischen Küstenmetropole.

Er kündigte einen verstärkten Schutz von Kirchen und Schulen an. Der schon länger laufende inländische Anti-Terroreinsatz «Sentinelle» des Militärs solle von bisher 3000 auf nun 7000 Soldaten aufgestockt werden. Macron war nach dem Anschlag in Begleitung von Ministern nach Nizza gereist.

Attacken in Yvelines und Lyon vereitelt?

Ein Mann afghanischer Nationalität, der mit einem 30 Zentimeter langen Messer auf der Strasse Passanten bedrohte, wurde von der Polizei in der Stadt Lyon festgenommen. Laut «Le Parisien» befindet sich der 26-Jährige derzeit in Polizeigewahrsam.

Auch in der Ortschaft Yvelines wurde ein mit einem Messer bewaffneter Mann in Polizeigewahrsam genommen. Er gab an, eine Attacke «wie in Nizza» durchführen zu wollen. Der Mann wurde in der Nähe der Kirche Saint Martin von der Polizei gefasst. Sein Vater hatte die Behörden alarmiert.

Macron ist in Nizza

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron ist nach der tödlichen Messerattacke in der südfranzösischen Metropole Nizza eingetroffen.

Er werde unter anderem von Innenminister Gérald Darmanin, Justizminister Éric Dupond-Moretti und dem Anti-Terrorstaatsanwalt Jean-François Ricard begleitet, hiess es am Donnerstag aus Élyséekreisen. Macron wollte vor Ort etwa mit Sicherheitskräften und dem Bürgermeister von Nizza, Christian Estrosi, sprechen.

Zwei Augenzeugen berichten

Der 44-jährige Franck Hembert beobachtete die Szene aus einer Entfernung von 40 Metern. Gegenüber Nice Matin schildert er: «Ich sah einen Mann, der wie ein Wahnsinniger aus der Kirche rannte. 30 Sekunden später verfolgten ihn zwischen vier und sechs Polizisten. Es ging alles sehr schnell. Der Mann rannte in eine Seitenstrasse hinter der Kirche, dort, wo es einen Garten gibt. Dann hörte ich deutlich vier Schüsse. Das war gegen 9.15 Uhr. Plötzlich kamen die Polizisten wieder angerannt und mir wurde, dass etwas Schreckliches passiert war.»

Pierre erzählt Europe 1, er sei in der Nähe der Kirche gewesen, als der Angriff stattfand. «Meine Arbeitskollegen sagten, dass draussen ein Verrückter war. Dann hörten wir mehrere Schüsse. Sechs oder sieben. Wir sahen Polizisten, die in das Gebäude eilten. Zur Sicherheit hielten wir uns von den Fenstern fern.»

Franziskus bekundet Nähe zu Trauernden

Papst Franziskus hat nach dem Messerangriff in einer Kirche in Nizza seine Nähe und sein Mitgefühl mit den Trauernden bekundet. Das teilte der Vatikan am Donnerstag mit.

«Es ist ein Moment des Schmerzes in einer Zeit der Verwirrung. Terrorismus und Gewalt können niemals akzeptiert werden», schrieb Vatikansprecher Matteo Bruni. Das katholische Kirchenoberhaupt sei «informiert und steht der trauernden katholischen Gemeinschaft nahe», hiess es weiter. Franziskus bete für die Opfer und ihre Angehörigen, dass die Gewalt aufhöre.

Hat der Täter zwei Menschen enthauptet?

Laut «Le Figaro» wurden im Inneren der Kirche Notre-Dame in Nizza zwei Menschen enthauptet: eine 70-jährige Frau und den Sakristan der Kirche.

Der Mann soll zunächst brutal zusammengeschlagen worden sei, bevor der Täter ihm die Kehle durchgeschnitten habe, berichtet «Midi Libre».

Höchste Terrorwarnstufe im ganzen Land ausgerufen

Nach der blutigen Messerattacke mit drei Toten in Nizza gilt in Frankreich die höchste Terrorwarnstufe. Es sei die Stufe «Urgence Attentat» des Anti-Terror-Alarmplans «Vigipirate» ausgerufen worden, sagte Premierminister Jean Castex am Donnerstag in der Nationalversammlung in Paris.

Täter heisst Brahim und ist 21 Jahre alt

Laut dem Sender BFMTV handelt es sich beim Täter von Nizza um einen 21 Jahre alten Mann. Er gab an, Brahim zu heissen. Derzeit wird seine Identität geklärt.

Der Angreifer liegt laut Nice Matin im Spital auf der Intensivstation. Er sei durch den Schuss eines Polizisten schwer verletzt worden und befinde sich in Lebensgefahr.

Der Mann gab an, alleine gehandelt zu haben. Die Behörden überprüfen die Aufnahmen einer Überwachungskamera, auf denen ein zweiter Mann zu sehen ist, der sich auf der Flucht befindet. Für die Ermittler könnte es sich um einen Komplizen handeln.

Messerattacke in Avignon

Ein bewaffneter Mann soll am Donnerstag gegen 11.15 Uhr in Avignon versucht haben, Polizisten und Passanten auf der Strasse anzugreifen. Laut dem Sender Europe 1 rief der Täter «Allahu Akbar» und bedrohte die Beamten mit einem Messer. Diese eröffneten daraufhin das Feuer, der Verdächtige erlag seinen Verletzungen.

Zudem soll in Saudi-Arabien am Donnerstagmorgen eine Messer-Attacke stattgefunden haben, wie französische Medien berichten. Ein Mann in Jeddah wurde festgenommen, nachdem er einen Wächter im französischen Konsulat erstochen hatte. Der Täter sei um die 40 Jahre alt und habe den Wächter mit einem scharfen Werkzeug angegriffen, sagte Polizeisprecher Mohammed al-Ghamdi.

«Allahu Akhbar»

«Der Täter wiederholte immer wieder vor uns ‹Allahu Akhbar›, während er medizinisch versorgt wurde», sagte Christian Estrosi, Bürgermeister von Nizza, zu «Le Parisien».

Der Täter wurde festgenommen. Nach Ansicht von Estrosi könnte es sich um eine terroristisch motivierte Attacke handeln.

Der Bürgermeister von Nizza kündigte an, dass in seiner Stadt alle gefährdeten Einrichtungen, auch Kinderkrippen und Gotteshäuser, zur Sicherheit geschlossen wurden.

Warnung vor Terrorattacke

«Wir waren vor zwei, drei Tage lang gewarnt worden, dass mit dem Fest der Allerheiligen (am 1. November) die Gefahr einiger weiterer terroristischer Angriffe besteht, da», so Gil Florini, Dekan der Pfarrgemeinde Nizza Centre, gegenüber BFMTV.

«Wir waren zwar auf der Hut, aber wir dachten nicht, dass es auf diese Weise geschehen würde», erklärte Florini.

Frau starb bei Flucht aus Kirche

Zwei Frauen und ein Kirchendiener sind verstorben. Eine Frau wurde in der Kirche geköpft, die andere verstarb französischen Medien zufolge in einer Bar, wo sie Zuflucht gesucht hatte.

Emmanuel Macron reist nach Nizza

Der französische Präsident wird Nizza am späten Vormittag besuchen, teilte der Elysée-Palast am Donnerstag mit. Emmanuel Macron wird den Krisenstab des Innenministeriums besuchen.

Auch der Abgeordnete von der Polizeibehörde Alpes-Maritimes, Eric Ciotti, hatte zuvor angekündigt, dass auch er im Laufe des Tages nach Nizza fahren werde.