Mali/Oberriet SG: Jihadisten entführen Ordensschwester
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Mali/Oberriet SGJihadisten entführen Ordensschwester

Ordensschwester Gloria Cecilia (56), die früher im Rheintal lebte, wurde vor zweieinhalb Wochen in Mali von Jihadisten entführt. Ihre Mitschwestern befürchten das Schlimmste.

von
jeb
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Schwester Gloria Cecila wurde am 11. Februar 2017 im Süden Malis von Jihadisten entführt.

Schwester Gloria Cecila wurde am 11. Februar 2017 im Süden Malis von Jihadisten entführt.

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Die Missionsfranziskanerinnen kümmerten sich im Kloster um Waisenkinder ...

Die Missionsfranziskanerinnen kümmerten sich im Kloster um Waisenkinder ...

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... und alphabetiserten über 700 Frauen.

... und alphabetiserten über 700 Frauen.

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«Es ist zum Verzweifeln, wir wissen nicht, wo sich Schwester-Oberin Gloria Cecilia befindet und ob sie überhaupt noch lebt», sagt Oberin Martha Eugenia (53) von den Missionsfranziskanerinnen in Oberriet SG. «Gloria Cecilia wurde am 11. Februar am Abend von Jihadisten im afrikanischen Mali entführt.» Vier Männer seien gegen 21.30 Uhr bei den vier Schwestern des Klosters aufgetaucht und sagten ihnen, sie hätten den Auftrag, sie zu erschiessen.

Eine Schwester habe derart Angst bekommen, als sie die Männer hörte, dass sie weggelaufen sei und sich unter einem Bett versteckte. Erschossen wurden die Schwestern nicht, wie der «Rheintaler Bote» am Mittwoch berichtete. Die Jihadisten entschieden sich hingegen, eine junge Schwester zu entführen. «Das liess Oberin Gloria Cecilia nicht zu. Sie bot an, dass sie anstelle der jungen Schwester mit den Männer mitgehe.» Darauf hätten die Männer kurzerhand Gloria Cecilia mitgenommen und das Auto sowie vier Computer und rund 50 Franken aus dem Kloster gestohlen.

«Die Männer sagten, sie würden die Schwester nach zwei Tagen wieder zurückbringen. Doch das taten sie nicht», sagt Oberin Martha Eugenia verzweifelt. Sie hat Schwester Gloria Cecilia in den zwei Jahren, die sie im Rheintal lebte, ins Herz geschlossen. «Sie war so fröhlich, hilfsbereit und demütig. Sie hat sich rührend um die älteren Schwestern gekümmert.»

Entführungsopfer alphabetisierte 700 Frauen

Die Missionsfranziskanerinnen hätten das Kloster südlich von Bamako vor einigen Jahren von einer anderen Gemeinschaft übernommen, die Nachwuchsprobleme hatte. Unter der Führung der Schwestern wurden 700 Frauen alphabetisiert und zahlreiche Waisenkinder aufgenommen. Ausserdem wurden vielen Personen bei medizinischen Problemen geholfen. Missioniert hätte man nicht, da Mali ein muslimisches Land ist.

Gloria Cecilia stammt ursprünglich aus Kolumbien, lebte von 2002 bis 2004 in Oberriet und war seit sechs Jahren in Mali stationiert. Glorias Mutter in Kolumbien sei ebenfalls völlig am Ende. Doch eine Spur gibt es: «Das gestohlene Auto wurde in der Grenzregion zu Burkina Faso und der Elfenbeinküste gefunden», so die Oberin.

Beten und hoffen

Die Gemeinschaft bete sehr viel für Schwester Gloria Cecilia. «Viel mehr können wir nicht machen. Wir wollten nach Mali reisen, doch das wurde als zu gefährlich eingestuft.» Die drei verbleibenden Schwestern in Mali wurden in ein anderes Kloster gebracht, das bewacht wird.

Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) bestätigt den Vorfall, verweist für Informationen an die Behörden von Kolumbien, da Schwester Gloria Cecilia kolumbianische Staatsangehörige ist. Das EDA sorgt sich derzeit um eine Schweizerin, die ebenfalls in Mali entführt wurde – und das bereits zum zweiten Mal.

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