Schweden: Jimmie, der Rechtspopulist

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SchwedenJimmie, der Rechtspopulist

Die rechtspopulistischen Schwedendemokraten (SD) haben zum Schrecken der etablierten Parteien erstmals den Sprung ins Parlament geschafft. Ihr Star: Jimmie Åkesson.

Seit fast fünf Jahren steht Jimmie Åkesson an der Spitze der Schwedendemokraten.

Seit fast fünf Jahren steht Jimmie Åkesson an der Spitze der Schwedendemokraten.

Erst wählbar gemacht hat die einst mit der Neo-Nazi-Szene in Verbindung gebrachte Randpartei der 31- jährige Jimmie Åkesson. Seit fast fünf Jahren steht Åkesson an der Spitze der Schwedendemokraten, jetzt ist er zu einem neuen Gesicht der erstarkenden Rechtspopulisten in Europa geworden - nach der Front National in Frankreich, der Lega Nord in Italien oder der Partei des Islam-Kritikers Geert Wilders in den Niederlanden.

Åkesson ist weit entfernt vom Bild des imposanten Wikinger-Typen, der in Klischees schwedischer Rechtsextremer vorkommt. Er ist eher schmächtig, trägt sein dunkles Haar leicht gegelt, eine dickrandige Schuljungen-Brille und elegante Anzüge mit Seidentuch in der Brusttasche.

Umstrittener Burka-TV-Spot in Schweden

Dieses eher bürgerliche Äusserliche dürfte dazu beigetragen haben, dass sich das Bild der Schweden von der Partei änderte, die einst aus der ultra-nationalistischen Bewegung «Haltet Schweden schwedisch» hervorging.

«Nicht Nazis, aber Rassisten»

Åkesson ist ein Vollblutpolitiker. 1979 in der schwedischen Stadt Sölvesborg geboren, wurde er schon mit 19 Jahren Stadtrat. 1995 trat der den Schwedendemokraten bei. Damals habe es «noch immer Mitglieder gegeben, die bei Treffen in Nazi-Uniformen auftauchten», sagt die Politologin Sofia Nerbrand.

Åkesson räumt ein, dass es Neo-Nazis gab. «Dieses Problem hatten wir vor 15 oder 20 Jahren, aber jetzt nicht mehr», betont er. Denn seitdem habe sich die Partei vollkommen verändert. «Heute sind wir anders, und die Wähler sehen das.»

Tatsächlich schreckt die Partei nicht davor zurück, zu extreme Mitglieder rauszuwerfen. So geschehen jüngst mit einem Kandidaten, der einen rassistischen Kommentar in einem Blog schrieb. Selbst Gegner der Bewegung räumen ein, dass die ganz rechten Extremisten inzwischen verschwunden sind.

«Sie sind weit davon entfernt, Nazis zu sein, aber sie sind Rassisten», sagt der 26-jährige Student Johannes Andersson, der vor der Wahl gegen die Schwedendemokraten auf die Strasse ging.

«Wollen keine Probleme machen»

Ausländer und Kriminalität - das sind die zentralen Themen der Partei. Im Wahlkampf warb sie mit einem Video, das eine Rentnerin mit einem Rollator im Wettlauf mit Burka-Trägerinnen mit Kinderwagen um staatliche Zuwendungen zeigte.

Åkessons Partei verweist gerne darauf, dass 19 Prozent der Bevölkerung in Schweden inzwischen ausländische Wurzeln haben und sich die Zahl der Einwanderer zwischen 2005 und 2010 von 65?000 auf 102'000 erhöht hat. Und für Åkesson gibt es einen Zusammenhang mit der Kriminalität: «Nicht alle Einwanderer sind Kriminelle, aber natürlich gibt es eine Verbindung.»

Noch bei den Parlamentswahlen 1998 kamen die Partei nur auf 0,37 Prozent. Bei den vorletzten Wahlen im Jahr 2006 verbuchte die Partei unter Åkessons Führung dann schon 2,93 Prozent. Jetzt ist sie mit 5,7 Prozent klar über die Vier-Prozent-Hürde gekommen. Im Reichstag hoffen sie nun zum Zünglein an der Waage und endlich ernst genommen zu werden.

Denn im Wahlkampf hat sich Åkesson immer wieder beschwert, dass seine Partei von den Medien gemieden werde. «Wir waren Zensur ausgesetzt und einem Medienboykott, sie haben uns ausgegrenzt», sagt er.

«Uns wurde Werbung in vielen Zeitungen verweigert.» Nach dem Sieg vom Sonntag tritt der 31-Jährige aber nicht nach - er gibt sich vielmehr staatstragend. «Wir wollen keine Probleme machen», sagt Åkesson. «Wir werden Verantwortung übernehmen.»

(sda)

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