Zürcher Sängerin: Jizelle gibt Mundart eine neue Dimension
Aktualisiert

Zürcher SängerinJizelle gibt Mundart eine neue Dimension

Die Zürcherin Jizelle mischt Urban mit Dialekt und besetzt damit ihre eigene Nische im Schweizer Pop. Wer ist die Newcomerin und was treibt sie an?

von
Martin Fischer

Am Wochenende hat Jizelle einen ersten Song inklusive aufwendig produziertem Videoclip veröffentlicht (zu sehen weiter unten). Mit «Niämals» macht die Zürcherin mit afrikanischen Wurzeln (ihre Mutter ist Schweizerin, der Vater kommt von der Elfenbeinküste) klar, dass sie in der hiesigen Poplandschaft ihren eigenen Platz schaffen will: Mundarttexte, aber mit urbanem Sound. 2o Minuten hat sich mit ihr über Selbstfindung, Anmachsprüche und Michael Jackson unterhalten.

Jizelle, wo warst du denn bis jetzt?

Ich singe schon lange. Ich habe in verschiedenen Coverbands mitgewirkt und bin seit Jahren in der Band von Seven dabei. Jetzt will ich als Jizelle durchstarten.

Und zwar mit Mundarttexten. Warum hast du dich für Dialekt entschieden?

Es ist die Sprache, in der ich mich im Alltag ausdrücke. Vor etwa vier Jahren habe ich angefangen, eigene Texte auf Mundart zu schreiben. Ich war da gerade in einer musikalischen Selbstfindungsphase.

Wie meinst du das?

Ich habe viele Songs von anderen gesungen. Ich wollte etwas Eigenes machen und dafür musste ich herausfinden, wer ich bin und was ich erzählen will. Das ging am besten auf Schweizerdeutsch.

Und, wer bist du?

Eine selbstbewusste, starke Frau, die weiss, was sie will und nie aufgibt. Ich bin lebensfroh und geniesse das Leben. Auch, weil ich schon harte Zeiten durchgemacht habe.

Inwiefern?

Ich glaube, die allermeisten von uns erleben Zeiten, die uns an unsere Grenzen bringen und uns emotional sehr fordern. Mehr möchte ich dazu nicht sagen. Ich will die schlechten Zeiten hinter mir lassen.

Apropos: Das Musikbusiness sah auch schon bessere Zeiten. Keine Angst, zu scheitern?

Es war mein Traum, ein eigenes Album aufzunehmen und Videoclips drehen zu können. Wenn man Träume hat, muss man sie verfolgen. Wohin die Reise führt, weiss ich natürlich nicht. Ich werde es aber sicher nie bereuen.

Wie hebst du dich von anderen Künstlern ab?

Ich sehe mich als Sängerin, die frischen Wind in die Szene bringt. Es gibt ja kaum junge Frauen, die auf Schweizerdeutsch singen.

Im Song «Niämals» gibst du Männern eine Abfuhr. Bist du auch privat tough?

Ich glaube, ganz viele junge Frauen könnten ein ganzes Buch über doofe Anmachversuche schreiben. Ich wollte mit dem Song zeigen, dass wir Frauen uns nicht alles gefallen lassen.

Der Clip dazu ist eine exakte Kopie eines Michael-Jackson-Videos. Wie kamst du auf diese Idee?

Wir fanden den Gedanken toll, die Rollen aus Jacksons Video umzukehren. Er flirtet im Original ja heftig mit einer Frau, die er auf der Strasse trifft und will sie beeindrucken. In meinem Clip übernehme ich diesen Part und gebe den Ton an. Das passt zum Inhalt des Songs. Ich wollte eine starke Frau darstellen.

Wie kann ein Mann dich beeindrucken?

Mit seiner Ausstrahlung. Ich stehe nicht auf Gepose. Und Anmachsprüche braucht es schon gar nicht. Ich finde es spannender, wenn ein Mann zurückhaltender ist.

So klingt Jizelles Mundart-R'n'B: das Video zu «Niämals», eine exakte Michael-Jackson-Kopie.

Und das war die Vorlage: Jackson flirtet für «The Way You Make Me Feel» mit einer schönen Unbekannten.

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