Leserinnen erzählen: «Job ging wegen meines Bauches an eine andere»
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Leserinnen erzählen«Job ging wegen meines Bauches an eine andere»

Manche Mütter fühlen sich im Job diskriminiert, weil sie Kinder haben. Leserinnen erzählen von ihren Erfahrungen in der Arbeitswelt.

von
vb
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Dieses Inserat ist diese Woche im Internet ausgeschrieben.

Dieses Inserat ist diese Woche im Internet ausgeschrieben.

Die neue Mitarbeiterin soll keine Kleinkinder haben, schreibt darin die Zürcher Firma Ernst Welti AG.

Die neue Mitarbeiterin soll keine Kleinkinder haben, schreibt darin die Zürcher Firma Ernst Welti AG.

Peter Gercke
Gesucht ist eine Mitarbeiterin für die Erfassung der Bestellungen, aber auch für die Mithilfe am Marktstand des Lebensmittelgrosshändlers.

Gesucht ist eine Mitarbeiterin für die Erfassung der Bestellungen, aber auch für die Mithilfe am Marktstand des Lebensmittelgrosshändlers.

Keystone/Gaetan Bally

Das Stelleninserat hat für Aufsehen gesorgt: Ein Schweizer Lebensmittelgrosshändler sucht per Inserat eine Mitarbeiterin – und zwar explizit ohne Kleinkinder.

20 Minuten wollte von seinen Leserinnen wissen, ob sie in der Arbeitswelt auch schon diskriminiert wurden, weil sie Kinder haben. Hier sind ihre Geschichten:

«Wenn ich mein Kind erwähnte, war die Sache gelaufen»

Ich war ein halbes Jahr auf Jobsuche. Ich habe zwei solide Berufsausbildungen und im letzten Job hatte ich eine Kaderfunktion. In den Bewerbungsunterlagen erwähnte ich meinen damals 6-monatigen Sohn nicht und konnte mich fast bei allen Bewerbungen vorstellen gehen. Sobald ich dann jedoch mein Kind erwähnte, war die Sache gelaufen. Direkt und ehrlich hätte mir nie jemand gesagt, dass der Grund für die Absage mein Sohn war. Es kamen immer nur fadenscheinige Begründungen – alles heisse Luft. In der Schweiz wird man als Frau mit Kindern diskriminiert. Aber alles hinter vorgehaltener Hand. Es ist tragisch.

Lea G.*

«Wegen meines Bauches für eine andere entschieden»

Als ich im 7. Monat schwanger war, ging ich für eine Stelle schnuppern. Okay, mein Bauch war vielleicht etwas grösser als normal, aber muss man sich wirklich Kommentare anhören wie: «Sind Sie sicher, dass Sie ein Baby drinhaben und nicht zwei?» Der Schnuppertag verlief dann aber gut. Trotzdem haben diese Karrierefrauen, die über die Stellenbesetzung entschieden haben, eine andere ausgewählt – eine, die nicht schwanger war. Alles klar, dachte ich mir, so sieht also Diskriminierung aus. Letztlich habe ich eine andere – und bessere – Stelle gefunden.

Linda M.*

«Die Stellenpartnerin war gegen mich»

Anfang dieses Jahres habe ich mich für eine Teilzeitstelle als Lehrperson beworben. Beim Bewerbungsgespräch waren der Schulleiter und auch die zukünftige Stellenpartnerin anwesend. In meinem Dossier habe ich offengelegt, dass ich ein kleines Kind zu Hause habe. Während des Gespräches wurde ich gefragt, wie ich es organisieren würde, wenn meine Tochter krank sein sollte. Natürlich gab ich die gewünschte Antwort: Die Grosseltern würden dann einspringen. Die Stellenpartnerin antwortete: «Ich werde garantiert nicht den Unterricht übernehmen.» Einen Tag später erhielt ich den Anruf: eine Absage.

Sina L.*

«Es fängt schon beim Vorstellungsgespräch an»

Die Diskriminierung fängt doch schon dort an, dass junge Mütter eher selten an Vorstellungsgespräche eingeladen werden. Das betrifft meiner Erfahrung nach Frauen, die vom Alter her noch weitere Kinder bekommen könnten oder noch kleinere Kinder haben. Auch für die Frauen, die schon vor 30 Mutter geworden sind und deshalb beruflich noch keine Karriere machen konnten, stehen die Chancen schlechter, finde ich. Auch ich bin Mutter und möchte mich jetzt, nachdem ich Kinder hatte, wieder beruflich verwirklichen. Die Chancen? Gleich null.

Luzia F.*

«Ich nahm meine Tochter aus dem CV raus»

Als meine Tochter 6 Monate alt war, habe ich mit der Jobsuche begonnen. In meinem CV habe ich – wie man das halt so macht – ihren Namen und ihr Geburtsdatum angegeben. Ich habe über Monate nur Absagen erhalten, nicht einmal zu einem Vorstellungsgespräch wurde ich eingeladen. Jemand gab mir dann den Tipp, dass ich meine Tochter komplett aus dem Lebenslauf rausnehmen solle. Nachdem ich das getan hatte, bekam ich plötzlich positives Feedback und Einladungen zu Interviews.

Christina S.*

*Namen von der Redaktion geändert

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