Wem wird gekündigt?: Jobs: Ausländern und Alten geht's an den Kragen

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Wem wird gekündigt?Jobs: Ausländern und Alten geht's an den Kragen

«Wegen Restrukturierung» – hiess es 2012 am häufigsten bei der Kündigung. Während in garstigen Zeiten keiner vor dem Blauen Brief gefeit ist, trifft es die einen härter als die andern.

von
Laurina Waltersperger
Auch in der Romandie haben viele Mühe bei der Job-Suche.

Auch in der Romandie haben viele Mühe bei der Job-Suche.

In wirtschaftlich schwierigen Zeiten setzen Chef auf ihresgleichen: Lieber die gleichen Meinungsträger um sich scharen als Mitarbeiter, die andere Ansichten, Vorstellungen und Werte teilen. «Das war eine der wichtigsten Erkenntnisse für uns», sagt Geschäftsführer Pascal Scheiwiller von der Arbeitslosenberatung Lee Hecht Harrison. Dabei verlange die aktuelle Führungslehre genau das Gegenteil: Diversität statt Konformismus. «Aber in der Krise setzt dieser Gedanke aus», stellt er fest.

Ausländer trifft es öfters

Wenn einer gehen muss, dann eher ein Ausländer als ein Schweizer. Während immer mehr gut qualifizierte Arbeitskräfte Schweizer Chef-Sessel besetzen, werden gleichzeitig mehr Ausländer als Schweizer entlassen. Gemäss Seco-Zahlen, auf die sich die Studie beruft, sind Ende Dezember 2012 48 Prozent der Arbeitslosen Ausländer. Ein hohe Anzahl – zum Vergleich: Der Anteil der erwerbstätigen Ausländer beträgt laut Seco 30 Prozent.

Dabei seien keineswegs nur Berufe mit geringem Einkommen betroffen, sagt Scheiwiller. Auch mittelqualifizierte Ausländer, die zwischen 80'000 und 130'000 Franken verdienen, treffe es öfters als ihre Schweizer Kollegen.

Beim Schweizerischen Gewerkschaftsbund (SGB) beobachtet man jedoch grosse Branchenunterschiede: «Ausländer sind vor allem in Bereichen wie der Industrie betroffen. Dort sind überdurchschnittlich viele Produktionsangestellte Ausländer», sagt Thomas Zimmermann.

Ab Fünfzig geht's abwärts

Auch die ältere Garde der Arbeitsnehmer ab fünfzig Jahren trifft es öfter: Gerade ab 56 Jahren werde den Mitarbeitern häufig die Frühpensionierung nahegelegt, schreibt Lee-Hecht-Harrison weiter. Eine Option, die sich jedoch die meisten nicht leisten können: «Je tiefer die Lohnstufe, desto weniger können sich die Mitarbeiter eine Frühpensionierung leisten», sagt Thomas Zimmermann vom SGB. In dem Alter sei man typischerweise in der höchsten Lohnstufe seines Lebens: «Wenn man dann die letzten fünf bis sieben Jahren nicht mehr in die Pensionskasse einzahlt, kommt es zu massiven Einbussen», so Zimmermann.

Ausserdem sind ältere Personen schlechter vermittelbar. Laut Seco-Zahlen liegt ihr Anteil in der Gruppe der Langzeitarbeitslosen bei 41,5 Prozent. Für Zimmermann wird damit deutlich: «Die Pläne zur Erhöhung des Rentenalters gehen nicht auf, weil die Arbeitgeber nicht mitziehen.» Für Personen ab Sechzig würden Firmen zu wenig Arbeitsplätze bieten.

Für Studienleiter Scheiwiller ist diese Tendenz erstaunlich. «Immer mehr Unternehmen entlassen erfahrene Mitarbeiter und behalten lieber Jüngere. Die sind flexibler und vor allem viel günstiger.» Bis anhin habe man aus den statistischen Daten keine relevanten Trends ausmachen können, sagt er.

Steigende Arbeitslosigkeit bremst Stellensuche

In der Romandie und im Tessin ist die Arbeitslosenquote mit 5.0 beziehungsweise 5.4 am höchsten in der Schweiz. Wie die Studie zeigt, haben Stellensuchende dieser Regionen am meisten Mühe, eine gleichwertige Stelle zu finden.

Das Gleiche blühe auch gewissen Branchen in der Deutschschweiz: Gerade im Bankensektor, wo zurzeit viele Arbeitsplätze abgebaut werden, dürfte es für Stellensuchende zunehmend schwierig werden: «Wenn ein ganzer Sektor schwächelt, ist es für Suchende schwierig, einen gleichwertigen Job zu finden», sagt Zimmermann.

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Für Zimmermann vom SGB bringt die Studie wenig Neues: «Sie bestätigt lediglich Phänomene, die allgemein bekannt sind.»

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