Preisdruck: «Joe Jimenez greift zum Rotstift»
Aktualisiert

Preisdruck«Joe Jimenez greift zum Rotstift»

Nach Roche plant auch der zweite Basler Pharmariese Novartis einen Stellenabbau in grossem Umfang mit dem Ziel, die Aktionärsgewinne weiter zu steigern. Mehrere Standorte sind bedroht.

von
jcg
Novartis-CEO Joe Jimenez, links im Bild mit VR-Präsident Daniel Vasella, plant einen massiven Stellenabbau.

Novartis-CEO Joe Jimenez, links im Bild mit VR-Präsident Daniel Vasella, plant einen massiven Stellenabbau.

Nach Roche ist auch beim zweiten Basler Pharmariesen Novartis ein Abbau Tausender Stellen geplant, wie die Zeitung «Sonntag» unter Berufung auf mehrere Quellen berichtet. Konzernchef Joe Jimenez sagte zudem vor Investoren: «Das Unternehmen startet ein gruppenweites Programm, um das Produktionsnetzwerk zu überprüfen. Ziel des Programms ist es, die Kostenstruktur in allen Divisionen zu optimieren.» Auch solle die Kapazitätsauslastung der Fabriken, die momentan bei 50 Prozent liegt, auf 80 Prozent gesteigert werden.

Ein Insider, der über beste Kontakte in die Basler Konzernzentrale verfügt, weiss: «Es geht nicht einfach um Kosmetik, sondern um ein Sparpaket im ähnlichen Ausmass wie bei Roche. Man wird das nicht still und schrittweise vollziehen, sondern als grosses Sparpaket verkünden.» Ein zweiter Informant mit direktem Draht in die Teppichetage von Novartis bestätigt dem «Sonntag»: «Jetzt greift Jimenez zum Rotstift. Gespart wird vor allem beim Verkaufspersonal in Europa und den USA, aber auch bei den Mitarbeitern in den 86 Produktionsstätten. Novartis hat definitiv zu viele Produktionsstandorte.» Dabei haben die Mitarbeiter das letzte Abbauprogramm erst gerade hinter sich.

Bereits 1,6 Milliarden gespart

Novartis hatte vor drei Jahren den Abbau von 2500 Stellen angekündigt, davon 500 in der Schweiz. Dieses Programm wurde vor einem Jahr abgeschlossen. Es brachte Einsparungen in der Höhe von 1,6 Milliarden Franken. Das genügt Jimenez offenbar nicht. Der zunehmende Preisdruck und die höheren Hürden für die Zulassung neuer Präparate drückten auf die Gewinne des Konzerns, begründete er in London das neue Sparpaket. Gleichzeitig müssten die Aktionärsgewinne weiter steigen. Den Gürtel enger schnallen will er auch bei Marketing und Verkauf.

Wann das Sparprogramm gestartet wird, welche Standorte wegfallen und wie viele Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz verlieren, ist noch offen. Auch ob der Standort Basel betroffen sein wird, könne zum jetzigen Zeitpunkt nicht gesagt werden, sagt Novartis-Sprecherin Isabel Guerra: «Die Festlegung der strategischen Standorte ist Bestandteil der Analyse und erfolgt zu einem späteren Zeitpunkt.»

«Der Druck ist enorm»

Der Chef des Pharmariesen Roche, Severin Schwan (Bild), sieht keine Alternativen zum breit angelegten Sparprogramm: «Der Druck ist enorm und wird noch zunehmen», sagt er im Interview mit der «SonntagsZeitung». «Allein in den USA müssen wir im nächsten Jahr Hunderte von Millionen Dollar für eine neue Steuer zahlen.» Gleichzeitig will Roche frisches Wachstum erzeugen: «Wir sind weiterhin daran interessiert, Innovationen von aussen ins Unternehmen hereinzubringen», sagt Schwan. «Wir beobachten den Markt genau, um entsprechende Gelegenheiten zu nutzen: kleinere oder mittelgrosse Akquisitionen, Kollaborationen oder das Ein­lizenzieren von Produktrechten.»

Die Aktionäre werden sich über weiter steigende Dividenden freuen können: «2008 haben wir kommuniziert, dass über drei Jahre die Ausschüttungsquote erhöht wird. Daran hat sich nichts geändert», bestätigt Schwan.

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