Jörg Haiders FPÖ triumphiert
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Jörg Haiders FPÖ triumphiert

Der Rechtspopulist Jörg Haider bleibt Regierungschef im österreichischen Bundesland Kärnten. Seine Partei (FPÖ) behauptete sich bei der Landtagswahl entgegen vieler Erwartungen und kam auf 42,4 Prozent der Stimmen.

Im Bundesland Salzburg wurden die Sozialdemokraten (SPÖ) mit 45,4 Prozent erstmals seit 1945 stärkste Kraft. Die SPÖ dürfte damit die Volkspartei (ÖVP) in der Regierung ablösen, die zur grossen Verliererin der zwei Wahlen wurde.

Haider äusserte sich zufrieden über das Ergebnis seiner FPÖ in Kärnten. «Es hat uns ja niemand mehr die Chance gegeben, dass wir Nummer eins werden», kommentierte er das überraschende Ergebnis. Bei der Stimmabgage hatte er zuvor erklärt, ein Stimmenanteil von «35 plus» wäre ein gutes Ergebnis, das ihm die zweite Amtszeit als Kärntner Landeshauptmann (Ministerpräsident) bringen könnte.

Die FPÖ blieb in Kärnten stabil, die SPÖ konnte Gewinne verbuchen; die Sozialdemokraten gewannen 5,5 Prozent hinzu und kommen auf 38,4 Prozent. Die ÖVP von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel stürzte hingegen um knapp acht Prozent ab; für sie wurden nur noch zwölf Prozent Stimmenanteil errechnet. Die Grünen kamen auf sechs Prozent und schafften damit erstmals den Einzug ins Kärntner Landesparlament. Sie sind jetzt in den Parlamenten aller neun Bundesländer vertreten.

In Salzburg feierte die SPÖ mit ihren 45,4 Prozent und einem Gewinn von 13,1 Prozent einen Erdrutschsieg. Sie dürfte mit der Spitzenkandidatin Gabi Burgstaller die nächste Ministerpräsidentin stellen, meldete die österreichische Nachrichtenagentur APA. Erstmals seit 1945 sei die ÖVP auf den zweiten Platz verdrängt worden, die 2,2 Prozentpunkte verlor und laut ORF-Hochrechnung noch auf 36,6 Prozent kam. Die FPÖ verlor in Salzburg zehn Prozent und landete mit 9,7 Prozent noch knapp vor den Grünen auf dem dritten Platz. Die Grünen gewannen 2,9 Prozent hinzu und kamen auf 8,3 Prozent.

Die Wiederwahl Haiders in Kärnten könnte der FPÖ insgesamt Auftrieb geben, die landesweit nur noch auf Zustimmungsraten von weniger als zehn Prozent zählen kann. Die Frage nach bundespolitischen Ambitionen beschied Haider abschlägig: «Ich bleibe natürlich in Kärnten und werde meinen Wählern im Wort bleiben», sagte er im ORF.

Zu den bundespolitischen Auswirkungen der zwei Landtagswahlen äusserten sich die Parteien unterschiedlich. Der Parteivorsitzende der FPÖ, Sozialminister Herbert Haupt, glaubt nicht an grosse Auswirkungen auf die Koalition aus ÖVP und FPÖ in Wien. «Die Turbulenzen werden sich in Grenzen halten», sagte er. In diesem Sinne äusserte sich auch der stellvertretende Vorsitzende der Volkspartei, Wilhelm Molterer. Es habe sich in Kärnten und Salzburg um reine Landtagswahlen gehandelt. Dagegen rechnet die SPÖ nach Angaben ihrer Bundesgeschäftsführerin Doris Bures im Gefolge der Wahlen mit einer «noch grösseren Instabilität» der schwarz-blauen Bundesregierung. Der SPÖ-Vorsitzende Alfred Gusenbauer erhofft sich ausserdem weiteren Rückenwind für die Sozialdemokraten auf Bundesebene. Die Grünen erwarten nach den Worten ihres Sprechers Alexander Van der Bellen bundespolitisch kaum Auswirkungen.

(dapd)

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