Novartis-GV: Jörg Reinhardt als Vasella-Nachfolger gewählt

Aktualisiert

Novartis-GVJörg Reinhardt als Vasella-Nachfolger gewählt

Trotz vieler wütender Kleinaktionäre ist der Novartis-VR mit seinen Anträgen klar durchgekommen. Die Décharge wurde mit 93 Prozent Ja-Stimmen erteilt. Vasellas Nachfolger wurde klar bestätigt.

von
sas
Letzter grosser Auftritt für Daniel Vasella.

Letzter grosser Auftritt für Daniel Vasella.

Wird der langjährige Novartis-Manager Daniel Vasella zum Abschied beklatscht oder ausgepfiffen? Klar ist: Die heute um 10 Uhr beginnende Generalversammlung in der Basler St. Jakob-Halle ist der letzte Auftritt des 59-jährigen als Novartis-Präsident. Vasella wird das Ruder an Jörg Reinhardt übergeben, der zuletzt im Top-Management von Bayer sass. Der Deutsche tritt sein Amt – vorbehältlich der Wahl durch die Aktionäre – erst im August an, weshalb der aktuelle Vizepräsident Ulrich Lehner die Geschicke von Novartis interimistisch übernimmt.

Gespannt sein darf man auf die Voten der Aktionärsvertreter und Kleinaktionäre. Trotz Vassellas Einsicht, auf das 72-Millionen-Abschiedsgeschenk zu verzichten, werden sie den Topmanager arg kritisieren und in die Abzocker-Ecke drängen. Unter Beschuss dürfte der gesamte Verwaltungsrat kommen, unter anderem, weil Novartis die Millionenabfindung für Ex-Alleinherrscher Vasella unter dem Deckel zu halten versuchte.

Verwaltungsrat intervenierte

Die Aktionärsvereinigung Actares will trotz Vasellas Verzicht an der Décharge-Verweigerung festhalten. Anderer Ansicht ist die Anlagestiftung Ethos von Dominique Biedermann. Sie hat ihre Meinung geändert und will dem Verwaltungsrat nun Entlastung erteilen. Zum Ende habe der Verwaltungsrat vernünftig gehandelt. Laut unbestätigten Quellen des «Tages-Anzeigers» haben es die Verwaltungsratsmitglieder dank intensiven Gesprächen geschafft, den Topmanager zu einem Verzicht zu bewegen. Womöglich fürchteten sie um die eigene Reputation. Im Gegenzug liess sich der Bündner aber vom Konkurrenzverbot entbinden.

Hängig ist zudem noch immer die Strafklage von Aktionärsvertreter Hans-Jacob Heitz. Der Anwalt wirft Novartis und dem Verwaltungsrat wegen des mit 72 Millionen Franken entschädigten Konkurrenzverbots unter anderem ungetreue Geschäftsbesorgung vor.

20 Minuten Online berichtet ab 10 Uhr live.

Was ist eine Décharge?

Mit der Décharge (Dt. Entlastung) segnen die Aktionäre der Geschäftsführung die Leitung eines Unternehmens im Nachhinein ab. Wird die Décharge nicht erteilt, können Verwaltungsräte und Topmanager persönlich für ihre Handlungen belangt werden. Allerdings sind Klagen in der Regel so teuer, dass die Anleger nach einer nicht erteilten Décharge meist von einer Strafverfolgung absehen.

Gibt es Fälle, in denen eine Décharge verweigert wurde?

Ja. Im April 2010 hatten die Aktionäre der UBS in einer spektakulären Abstimmung die Décharge für 2007 verweigert. Rechtliche Konsequenzen für die damaligen UBS-Chefs hatte dies aber bisher keine. Und 2012 hatten die Aktionäre des Medizinaltechnik-Unternehmens Lifewatch den Verwaltungsrat nicht aus der Verantwortung entlassen.

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Novartis-Führung die Décharge verweigert wird?

Die Meinungen sind geteilt: Nach zuerst ablehnender Haltung befürwortet Ethos die Décharge jetzt. Die Anlagestiftung liess verlauten, dass der Verwaltungsrat im Fall Vasella seine Verantwortung war genommen habe. Man erkenne die Bemühungen des Novartis-Verwaltungsrates, mehr Transparenz zu schaffen. Die Aktionärsvereinigung Actares hingegen will die Décharge weiterhin nicht erteilen und spricht von einem Scherbenhaufen. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Décharge nicht erteilt wird, ist dennoch klein. Die grossen instituionellen Investoren werden der Novartis-Führung wohl ihr Vertrauen aussprechen. (sza)

Deine Meinung